Jetzt steht es fest

Das wird aus dem alten Hildesheimer Real-Markt – und das ist der Zeitplan

Hildesheim - Knapp drei Jahre nach der Schließung nennt Edeka seine Pläne für den früheren Hildesheimer Real-Markt. Was Edeka investiert, wer dort einzieht, wann der Markt öffnet – und welche Rolle der „modernste Einkaufswagen der Welt“ spielen soll.

Hildesheim - Wo bis vor knapp drei Jahren täglich Tausende Kunden ihre Einkaufswagen durch lange Gänge schoben, rollen jetzt Bagger und Gabelstapler hin und her. Auch sonst ist der alte Real-Markt am Cheruskerring kaum wiederzuerkennen. Alle Wände und Einbauten sind verschwunden, nur die tragenden Säulen ragen unverändert zwischen Fußboden und Dach auf. Doch ansonsten bleibt auf der Großbaustelle kein Stein mehr auf dem anderen, das Gebäude ist völlig entkernt. Edeka Minden-Hannover investiert nach eigenen Angaben einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag in die riesige Immobilie, damit bald wieder Tausende Kunden am Tag hier mit ihren Einkaufswagen unterwegs sein können.

Wieder kleine Geschäfte dabei

Edeka will – das hatte diese Zeitung schon berichtet – im alten Real-Markt künftig einen Marktkauf etablieren. Nun haben Vertreter des Unternehmens bei einem Ortstermin zahlreiche weitere Details zum Zeitplan, zum Sortiment, zur Mitarbeiterzahl, aber auch zu technischen Neuerungen genannt.

Auf 7000 Quadratmeter Verkaufsfläche soll der Marktkauf kommen – etwa 1000 weniger, als Real hatte. Dafür gibt es einen etwas großzügigeren Vorkassenbereich, wie Edeka das nennt – Marktkauf-Verkaufsleiter Jürgen Küster spricht gar von einer „Mall“. Dabei geht es um jenen Bereich an der Frontseite des Gebäudes, in dem schon zu Real-Zeiten mehrere Untermieter in kleinen Geschäften Waren und Dienstleistungen anboten. Das soll auch bei Marktkauf wieder so werden.

Hier wird man richtig gut zu Mittag essen können.

Lars Lange, künftiger Marktleiter

Und auch die Branchen ähneln sich: So soll wieder eine Wäscherei eine Filiale öffnen, ein Friseur ist vorgesehen, ebenso eine Toto-Lotto-Annahmestelle, aber auch ein südländischer Feinkost-Laden, der auch warmes Essen anbietet, voraussichtlich auch als Mittagstisch wie der zukünftige Marktleiter Lars Lange, derzeit noch in gleicher Funktion in einer Filiale in Hannover tätig, ankündigt. Namen der einzelnen Untermieter nennt Edeka noch nicht – „weil sie noch nicht in allen Fällen feststehen“, wie Pressesprecherin Amelie Weber erklärt.

Ein richtiges Restaurant, wie zu Real-Zeiten das „Dynastie“, soll es nicht mehr geben. Gleichwohl sollen Kundinnen und Kunden im neuen Marktkauf nicht nur einkaufen, sondern auch Mahlzeiten zu sich nehmen können. Aber außer dem Feinkost-Spezialisten vor den Kassen soll sich im Markt ein Anbieter für frisches Sushi einmieten – vergleichbare Modelle gibt es in einigen Rewe-Märkten in der Region. Außerdem will Marktkauf selbst einen Backshop mit angeschlossener „heißer Theke“ im Markt betreiben, der auch warme Gerichte im Angebot hat.

Auch Kleidung und Drogerieartikel

Im eigentlichen Markt soll es rund 80.000 verschiedene Artikel geben, kündigt Edeka-Sprecherin Weber an. Dabei plant Marktkauf eine große Bio-Abteilung, wie Verkaufsleiter Küster ankündigt. Neben Lebensmitteln soll es unter anderem auch wie schon bei Real Kleidung und Drogerieartikel geben – und einen großen Getränkemarkt im hinteren Teil des Gebäudes, der sowohl durch den Markt selbst als auch durch einen separaten Eingang zugänglich ist.

Auch wenn baulich und von der Aufteilung her einiges an den alten Real-Markt erinnern dürfte – einiges wird auch komplett anders aussehen oder laufen. Das betrifft äußerlich zum Beispiel den markanten Glaswürfel über dem Haupteingang. Die einzelnen Scheiben werden unterschiedlich gefärbt, Marktkauf plant ein charakteristisches Würfelmuster aus gelben, grünen und weißen Fenstern. „Das soll schon markant werden, ein echter Blickfang – bei anderen Marktkauf-Märkten ist es das auch“, ist Verkaufsleiter Norbert Küster überzeugt. Auf dem Dach ist zudem eine möglichst große Photovoltaik-Anlage vorgesehen – wie groß genau, hängt wie so oft bei großen Flachdächern nicht zuletzt von der Statik ab.

Es gibt klassische Kassen, Kassen zum Selberscannen und unseren intelligenten Einkaufswagen.

Amelie Weber, Edeka-Sprecherin

Im Supermarkt selbst soll es neben elf klassischen Kassen – und zwei weiteren im Getränkemarkt – auch sechs Kassen zum Selberscannen geben, wie sie in Supermärkten immer häufiger werden und in Sarstedt zuletzt im Rewe-Markt am Moorberg installiert wurden. Darüber hinaus will Marktkauf seinen Kundinnen und Kunden aber auch „intelligente Einkaufswagen“ anbieten, die sogenannten Easy Shopper. Die verfügen über ein eigenes Barcode-Lesegerät. Nutzer können Artikel beim Einkaufen direkt am Wagen einscannen, und sie bezahlen dann an speziell hierfür installierten Kassen oder mit hinterlegter Kreditkarte am Einkaufswagen selbst ihren ganzen Einkauf, „ohne noch einmal alles aus- und wieder einpacken zu müssen“, wie Amelie Weber betont. Edeka bewirbt das Modell als „modernsten Einkaufswagen der Welt“.

Was indes unverändert erhalten bleiben soll: Der Adler-Modemarkt in der angrenzenden, ebenfalls Edeka gehörenden Immobilie, sowie die Tankstelle nahe der Einfahrt zum Märktezentrum, die vermietet ist und bleibt.

150 neue Arbeitsplätze

Durch den Neustart des Supermarkt-Standortes entstehen in Hildesheim zahlreiche neue Arbeitsplätze. Rund 150 Voll- und Teilzeitstellen sollen es werden, kündigt der künftige Marktleiter Lars Lange an. Real hatte am Schluss rund 100 Beschäftigte. „Wir wollen um Ostern herum mit der Suche beginnen und das Team dann sukzessive zusammenstellen“, kündigt Lange an.

Denn Ende November oder Anfang Dezember, so der momentane Plan von Marktkauf, soll der neue Markt seine Tore öffnen. Jedenfalls, wenn weiter alles funktioniert wie vorgesehen. Einen Vorgeschmack will das Unternehmen den Hildesheimern bereits früher bieten. „Es gibt noch keinen Termin, aber wir planen im Sommer ein Baustellenfest“, kündigt Norbert Küster an. Dann dürften sich Interessierte auch erstmals im Marktgebäude selbst umsehen.

Errichtet im Jahr 1977

Das Gebäude, in dem früher der Real-Markt zu Hause war, und das jetzt für die neue Marktkauf-Filiale aufwendig saniert wird, stammt aus dem Jahr 1977. Mitte der 1970er-Jahre hatte Real, seit 1968 in einem 4500 Quadratmeter großen Marktgebäude im Bavenstedter Gewerbegebiet angesiedelt, eine größere Fläche gesucht. Viele Kaufleute aus der Hildesheimer Innenstadt liefen zwar Sturm gegen das Vorhaben, fürchteten wirtschaftliche Schäden für das Zentrum – doch die Stadt gab Real grünes Licht. 1977 eröffnete der neue Markt mit nunmehr 8000 Quadratmetern Verkaufsfläche am Cheruskerring.

Über die Jahrzehnte wurde der Real-Markt zu einer Institution in Hildesheim, aufgrund seiner Lage und seiner Größe höchst populär bei Kundinnen und Kunden. Bis die Kette vor einigen Jahren in Schieflage geriet und ihre Märkte nach und nach an verschiedene Konkurrenten und Investoren verkauft wurden.

Das Aus im Jahr 2022

2022 wollten die neuen Eigentümer der Marke Real, die Familie Tischendorf, mit Edeka einen neuen Mietvertrag aushandeln. Über mindestens fünf Jahre sollte der laufen. Doch Edeka stellte sich quer. Denn das Unternehmen wollte die Immobilie selbst nutzen – und bot nur einen Mietvertrag über zweieinhalb Jahre an. Das wiederum war den Real-Eignern zu kurz.

Die ungewöhnliche Offerte hatte ihren praktischen Hintergrund in den komplexen Eigentumsverhältnissen des Marktgebäudes am Cheruskerring. Edeka Minden-Hannover hatte die Immobilie Ende 2020 von den privaten Eigentümern erworben. Doch eine Tochterfirma des Metro-Konzerns, der Real lange betrieb, hielt noch bis zum Beginn dieses Jahres ein Erbbaurecht für die Immobilie. Für dieses Erbbaurecht wiederum hatte sich der Real-Konkurrent Kaufland eine sogenannte Vormerkung gesichert.

Kaufland bremst Edeka aus

Dadurch wurden Edekas Umbaupläne ausgebremst – denn Kaufland, in fast direkter Nachbarschaft selbst mit einer großen Filiale vertreten, hatte ein eher geringes Interesse, dem Konkurrenten den Weg zur Eröffnung eines eigenen neuen Marktes zu ebnen. Nun aber ist Edeka nicht mehr nur offizieller Eigentümer der Immobilie, sondern hat auch ganz praktisch freie Hand.

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