Eröffnung nach Corona

Jobcenter Hildesheim: Ab sofort auch Treffen mit Berater im Park

Hildesheim - Mehr als zwei Monate hatte das Jobcenter Hildesheim wegen Corona geschlossen. Jetzt soll es langsam wieder losgehen. Teilweise mit ungewöhnlichen Angeboten.

Mit Maske und hinter Plexiglas: Jobcenter-Mitarbeiterin Franziska Weisser empfängt einen Kunden. Foto: Chris Gossmann

Hildesheim - Mitarbeiter des Jobcenters sollen sich künftig deutlich häufiger auf den Weg zu den Leistungsbeziehern oder anderen Kunden machen als bisher. Das hat Geschäftsführer Ulrich Nehring am Freitag angekündigt. Hintergrund ist die Corona-Pandemie, die wohl auch in den nächsten Monaten, wenn nicht sogar Jahren, keinen regulären Betrieb in den Räumen des grauen Gebäudes am Marienfriedhof zulassen wird. „Wir wollen aus diesem Grund verstärkt nach außen gehen, auch dorthin, wo die Leute ihren soziokulturellen Hintergrund haben“, sagt Nehring.

Konkret bedeutet das, dass die Jobcenter-Mitarbeiter dorthin gehen wollen, wo sich die Menschen aufhalten: zu ihnen nach Hause, zu Beratungsstellen, in Vereinsräume oder sogar in den Park. Ganz neu ist das Modell nicht. Außentermine gab es auch in der Vergangenheit. Aber im Zuge der Corona-Krise soll es jetzt erheblich erweitert werden. „Wir werden das in den nächsten Wochen deutlich ausbauen“, sagt Nehring. Terminwünsche müssen unter Telefon 05121/969-720 vereinbart werden. Die Nummer gilt auch für alle anderen Anfragen.

Hunderte Menschen am Eingang? Das ist nicht erlaubt

Hintergrund der Überlegungen ist die Erkenntnis, dass ein Regelbetrieb wie vor Covid 19 im Jobcenter noch auf längere Sicht nicht möglich sein dürfte. „Mitunter drängeln sich Hunderte Kunden in unserem Eingangsbereich“, sagt Nehring. Solche Situationen sind aber auf nicht absehbare Zeit verboten.

Die Behörde am Marienfriedhof hatte den Betrieb zwar auch in den vergangenen zwei Monaten nicht eingestellt und war insbesondere für Notfälle – etwa Obdachlose – da. Doch jetzt denken die Verantwortlichen darüber nach, die Öffnungszeiten und den Kontakt Schritt für Schritt zu erweitern. Im Gebäude selbst ist das aber nur sehr eingeschränkt möglich, weil die Standardbüros der Mitarbeiter nur zwölf Quadratmeter groß sind. „Hier können wir die Abstandsregeln nur ganz schlecht umsetzen“, sagt Nehring. Erlaubt ist der Eintritt ohnehin nur unter Einhaltung der überall gültigen Vorgaben: Neben dem Abstand ist eine Mund-Nasen-Maske erforderlich. Zudem hat das Jobcenter Desinfektionsspender aufgestellt. Den Zugang regelt der Sicherheitsdienst, auch in den Geschäftsstellen Sarstedt, Bad Salzdetfurth und Alfeld.

„Wir sind noch weit von der Normalität entfernt“

„Von Normalität sind wir noch weit entfernt“, sagt Nehring. „Und dieser Zustand wird wohl auch noch länger anhalten.“ Trotzdem sei es besonders wichtig, dass das Jobcenter weiterhin einsatzbereit und flexibel bleibe. „Wir sind im Sozialsystem die letzte Instanz.“ Soll heißen: Wenn das Jobcenter keine Leistungen mehr erbrächte, stünden viele Empfänger von heute auf morgen ohne einen Cent Geld in der Tasche da.

Die Arbeitswelt sei ohnehin heftig durcheinandergewirbelt worden. Abschließend statistisch erfasst seien die Zahlen zwar noch nicht. Aber schon jetzt deute sich an, dass vor allem die Zahl der Solo-Selbstständigen und der Kurzarbeit-Aufstocker, aber auch die Anträge von Arbeitslosen erheblich zugenommen haben. „Wir rechnen damit, dass sich der Arbeitsmarkt erheblich verändern wird“, sagt Nehring.

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