Hildesheim - Die katholische Schullandschaft Hildesheims wird sich in den kommenden Jahren erheblich verändern. Das Bistum will seine beiden Gymnasien Josephinum und Marienschule zu einem zusammenlegen. Zeitgleich soll das Bauwerk der heutigen Marienschule aufwändig saniert werden. Das Hauptgebäude im Brühl sei in weiten Teilen marode. „Wir werden es teilweise abreißen und neu errichten lassen“, sagt der Leiter der Hauptabteilung Bildung des Bistums, Jörg-Dieter Wächter. Zu den geplanten Kosten macht er keine Angaben. Vor einigen Jahren waren die erforderlichen Investitionen noch mit 17 Millionen Euro taxiert worden. Der Vermögensverwaltungsrat hatte aber schon damals deutlich gemacht, dass Sanierung und Umbau nicht teurer als 10 Millionen Euro werden dürften.
Im sanierten und teilweise neu gebauten Marienschul-Komplex sollen nach Fertigstellung der Arbeiten auch Teile der benachbarten Albertus-Magnus-Schule Platz finden. Gerüchten, an dieser Stelle werde auf kurz oder lang eine neue katholische Gesamtschule entstehen, tritt Wächter aber entschieden entgegen. „Das ist definitiv nicht geplant“, sagt er.
Schreiben an die betroffenen Mitarbeiter
In einem Schreiben an Teile der betroffenen Lehrer und anderen Mitarbeiter hat Wächter das anstehende Großprojekt am Donnerstag angedeutet. „Die Überlegungen sind ausgesprochen komplex, weil sie schulfachliche, bauliche, rechtliche, finanzielle, politische und nicht zuletzt pastorale Aspekte zu berücksichtigen haben. Wir werden dazu umfangreiche Gespräche führen müssen, um die unterschiedlichen Belange gut miteinander verknüpfen zu können“, schreibt Wächter.
Auf Nachfrage der HAZ erklärt er, dass niemand um seinen Arbeitsplatz fürchten muss. „Perspektivisch gesehen, werden wir natürlich weniger Personal brauchen“, räumt er ein. Aber jeder Schüler, der jetzt das Josephinum oder die Marienschule besuche, werde hier sein Abitur ablegen können. Dafür benötige das Bistum bis zuletzt alle Pädagogen und anderen Mitarbeiter.
Wie soll das neue Gymnasium heißen?
Welchen Namen soll das neue katholische Gymnasium tragen, wann sollen die Arbeiten an der heutigen Marienschule beginnen und wer wird am Ende an der Spitze der neu gegründeten Schule stehen? All diese Fragen kann das Bistum noch nicht beantworten. „Und die Frage, wie die neue Schule dann heißen wird, finde ich persönlich auch nicht so wichtig“, sagt Wächter. Allerdings dürfte es schwierig sein, sich vom Namen Josephinum zu trennen: Seit 1965 ist der Name im Konkordat zwischen dem Heiligen Stuhl und dem Land Niedersachsen festgehalten.
Zwar warnt das Bistum vor vorschnellen Interpretationen, gleichzeitig will es bei der Umsetzung der angekündigten Veränderungen zügig vorankommen und auch die Bautätigkeiten im Brühl so schnell wie möglich starten. Auswirkungen werden die Neuerungen auch auf das Kolleggebäude an der Kreuzstraße haben, das das Josephinum und die Marienschule derzeit noch gemeinsam nutzen. „Langfristig wollen wir uns vom Kolleggebäude trennen“, sagt Wächter.
Verhaltene Reaktionen der betroffenen Schulen
Die beiden hauptsächlich betroffenen Schulen, das Josephinum und die Marienschule, reagieren sehr zurückhaltend und vor allem abgestimmt auf das Anstehende. „Die Entscheidung des Bischofs bietet vor allem die Chance, Neues zu gestalten“, schreiben die Schulleitungen auf Anfrage der HAZ. Und weiter: „Wir stellen uns der Aufgabe, eine neue Schule zu entwerfen (...), die das Beste aus den beiden ursprünglichen Schulen bewahrt und weiterentwickelt, zugleich für Neues offen ist und so am Ende der Gestaltung einer modernen Bildung dient. Man stehe am Anfang eines längeren Prozesses, an dessen Ende „ein attraktives, modernes und leistungsfähiges katholisches Gymnasium“ stehen wird.
Klaus Sagermann, Leiter der Albertus-Magnus-Schule, freut sich, dass es endlich losgeht. Die katholische Realschule im Brühl platze aus allen Nähten. „Wir hoffen darauf, dass wir in dem neuen Gebäude drei Fach- und drei Klassenräume beziehen können.“
