Hildesheim - Das Deutsche Jugendherbergswerk steht vor einem Dilemma: Gerade erst hat sein Landesverband Hannover in Hildesheim 7 Millionen Euro investiert, um sein Haus auf dem Rottsberg auf Vordermann zu bringen. Fast zwei Jahre hatte der gemeinnützige Verein auf Einnahmen verzichtet, um seinen Gästen nach Abschluss der Arbeiten ein grunderneuertes Haus präsentieren zu können. Und jetzt das: Wenige Tage, nachdem Herbergsvater Ulrich Wiesmann und Vertreter des Herbergswerks aus Hannover vor Ort das Ende der Arbeiten verkündeten, machte das Land die Jugendherberge gleich wieder dicht. Vorübergehend, wegen der Corona-Pandemie.
„Etwa zwei Drittel aller Vorbestellungen wurden storniert“, sagt Wiesmann. Bis zum Tag der Wiedereröffnung waren schon rund 12 000 Vorbestellungen für Übernachtungen eingegangen. Wie vorgeschrieben, hat die Jugendherberge derzeit keine Gäste mehr. „Und die Mitarbeiter sind alle in Kurzarbeit“,sagt Wiesmann.
Er hoffe jetzt darauf, dass er sein Haus spätestens im September wieder öffnen kann. „Jede Woche entgeht uns derzeit ein niedriger fünfstelliger Betrag“, so Wiesmann.
Das geht dem Hildesheimer Ableger nicht allein so. Allein dem Landesverband entgehen derzeit Woche für Woche Millionen Euro. „Sämtliche Investitionen sind nun zurückgestellt. Der Verband muss sich vorerst um wichtige Themen wie Kurzarbeit und Überbrückungskredite aufgrund der finanziellen Notsituation kümmern ohne die Herausforderungen als gemeinnütziger Verband mit gemeinwohlorientierten Zielen aus den Augen zu verlieren“, hatte der Vorstandsvorsitzende Peter Peschel unlängst erklärt.
„Derzeit ist kein Rettungsschirm von Bund, Ländern oder den Städten und Regionen für uns zuständig, genau wie für alle 13 weiteren Landesverbände der Bundesrepublik“, ergänzt Marketing-Mitarbeiterin Miriam Müller vom Landesverband Hannover. „Wir stehen aber in Kontakt mit den Ministerien für Wirtschaft, Gesundheit und Bildung, um auf unsere besondere Situation aufmerksam zu machen und ein Fortbestehen des Landesverbandes Hannover zu sichern.“
Der Verband bemühe sich zudem um eine nicht-touristische Nutzung der Jugendherbergen wie für Obdachlose, Erntehelfer oder Familien aus den Frauenhäusern. In Hannover sei dies gerade erfolgreich gelungen. Für Hildesheim gibt es aber laut Herbergsvater Wiesmann noch keine konkreten Pläne.
Vor dem Hintergrund der vorübergehend eingestellten Investitionen ist er froh, dass die letzten Arbeiten an der Einrichtung am Ende des Schirrmannwegs abgeschlossen wurden.
