Vinyl-Boom dank Gen Z

Junge Menschen sorgen für die Rückkehr von Vinyl aus der Nische – auch im Hildesheimer Schallplattenladen

Hildesheim - Immer mehr junge Menschen entdecken Schallplatten für sich. Auch im Hildesheimer Schallplattenladen HI Records begegnet man immer öfter der Gen Z. Was begeistert die jungen Leute an dem alten Medium?

Der 15-jährige Frederik Blank besucht so oft es geht den Hildesheimer Schallplattenladen HI Records. Foto: Clemens Heidrich

Hildesheim - Vinyl legt ein Comeback hin. Seit einigen Jahren sind Schallplatten wieder im Aufwind. Internationale Popstars und lokale Indie-Bands lassen ihre Musik wieder auf Platten pressen, und in immer mehr Studenten-WGs oder Wohnungen von jungen Familien gehört ein Plattenspieler genauso wie ein Streaming-Abo. Auch in Hildesheim begeistern sich junge Menschen für das Medium, die auf die Welt gekommen sind, als die CD schon wieder out war. Warum kaufen so viele Teenager ein scheinbar antiquiertes Medium?

„Es kommen immer mehr Jüngere“

Dass die Nachfrage in dieser Zielgruppe da ist, bestätigt Randolf Grebenstein. Seit 2025 betreibt er HI Records. Er hat seine Jugendjahre schon hinter sich gelassen, liebt Vinyl aber trotzdem. Der Plattenladen hat eröffnet, als sich abzeichnete, dass das Angebot wieder finanziell tragfähig sein könnte. Tatsächlich wurden 2004 in Deutschland gerade einmal rund 500.000 Schallplatten verkauft, 2024 waren es schon 4,9 Millionen. Ein Grund dafür ist das steigende Interesse der jüngeren Generationen.

So hat eine Studie im Auftrag des Branchenverbands Vinyl Alliance ergeben, dass 76 Prozent der befragten 18- bis 24-Jährigen regelmäßig Schallplatten kaufen. Ein weiteres Indiz dafür ist, dass die meistverkauften Schallplatten 2025 „The Life of a Showgirl“ von Taylor Swift und „Man’s Best Friend“ von Sabrina Carpenter waren – Alben von Künstlerinnen, die einem jüngeren Publikum zugeordnet werden. Auch Grebenstein bemerkt, dass sich seine Kundschaft verändert: „Es kommen immer mehr Jüngere.“

15-Jähriger erklärt seine Liebe zu Vinyl

Frederik Blank ist einer davon. Vor ungefähr zweieinhalb Jahren entdeckte der heute 15-Jährige seine Liebe zu Vinyl. Bei einer Schallplattenbörse des Lions Klub Hildesheim hat er beim Sortieren und Bepreisen mitgeholfen. „Das hat mir sehr viel Spaß gemacht und ich hab mir dann auch zwei Platten mitgenommen“, sagt der Schüler. Daraufhin haben er und seine Mutter sich einen einfachen Schallplattenspieler bestellt und sind die Plattensammlung von ihr durchgegangen. „Ich habe den Plattenspieler dann mit in mein Zimmer genommen, dort aufgebaut und angefangen, Platten zu hören“, erzählt Blank.

Was fasziniert einen jungen Menschen an einem Medium wie Vinyl? Blank braucht nicht lange, um darauf eine für ihn passende Antwort zu finden: „Ich finde es persönlich sehr faszinierend, dass aus so einer schwarzen Scheibe, die gepresst wurde, dann so schöne Musik rauskommen kann.“ Etwas Materielles zu besitzen, spielt für ihn auch eine entscheidende Rolle: „Ich weiß, wenn jetzt das Internet ausgehen würde, kann ich trotzdem hören.“ Das Plattenhören habe sein Streaming-Verhalten verändert: „Die Platten haben mich viel mehr schätzen lassen, nicht nur einzelne Lieder, sondern ein ganzes Album zu hören.“ Auf die Frage, was sein Lieblingsgenre ist, muss er kurz überlegen: „Das kann sich von Tag zu Tag ändern.“ Aktuell sei es aber Hardrock. Für Blank ist es aber auch immer stimmungsabhängig, was er gerade hören möchte. „Ich habe verschiedene Alben, wenn ich irgendwie eine bestimmte Stimmung habe.“ Manche Alben in seiner Sammlung höre er auch deshalb nur abends oder mittags.

Bei Schallplatten geht es um mehr als nur Musik

Sein bester Freund sammelt mittlerweile auch Schallplatten: „Der kam auch über mich drauf.“ Sie sind häufiger zusammen in den Laden gegangen und der Freund habe dann auch Gefallen an Platten gefunden. Die beiden tauschen sich aus und hören auch zusammen Musik: „Wenn Freunde zu Besuch sind, mache ich eigentlich immer eine Platte an.“

Mindestens einmal die Woche versucht er, in den Plattenladen zu gehen: „Manchmal sind es auch zweimal.“ Das heißt nicht, dass er jedes Mal etwas mitnimmt. Denn das Plattengeschäft ist für ihn mehr als nur ein Laden: „Ich bin gerne hier und gucke einfach die Platten durch.“ Der Laden sei eine Art Rückzugsort zur Entspannung. Es beruhige ihn, durch die Platten zu stöbern, um auch mal vom Alltagsstress runterzukommen. „Meine Kopfhörer bleiben dann auch in der Tasche, damit ich dieses Gesamtgefühl mit der Musik, die hier läuft, aufnehmen kann“, erzählt Blank. Das sei für ihn noch mal eine andere Art, Musik zu hören – eine bessere Erfahrung, wie er sagt.

Seine Sammlung wächst stetig

Blank ist stolz auf seine Sammlung. Ungefähr 70 Platten stehen bereits in seinem Regal. Er schätzt, dass seine Sammlung einen Wert von rund 1.100 Euro hat. „Ich bekomme 50 Euro Taschengeld“, sagt er. Das Geld investiere er hauptsächlich in seine Sammlung, „aber nicht ausschließlich“, fügt der 15-Jährige mit einem Lachen hinzu. Nicht alle Platten in seiner Sammlung musste er sich selbst kaufen. Seine Eltern, Großeltern oder andere Verwandte schenken ihm Platten zu Weihnachten oder zum Geburtstag. Von seinem Opa habe er eine Platte aus den 60ern bekommen – mit einem heutigen Wert von 90 Euro ist sie seine wertvollste Scheibe.

Wenn er nur eine aus seiner Sammlung retten könnte, würde Blank aber eine andere auswählen: „Made in Japan“ von Deep Purple. „Das ist mein Lieblingsalbum“, erzählt der Schüler. Er mag die Energie des Albums, dazu habe die Platte schon einiges durchgemacht: „Man sieht es ihr an“ – aber sie ist sein ganz persönlicher Schatz.

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