Hildesheim - Es ist dunkel und kalt. Keine optimalen Ausgangsbedingungen, um Sport zu machen. Zu allem Überfluss fängt es noch an zu regnen. Spätestens da denke ich mir: „Warum tue ich mir das Ganze hier an?“ Mit dem Ganzen ist eine Challenge gemeint, der ich mich als Sportredakteur der HAZ stellen will.
In gut sechs Wochen fällt der Startschuss für den Hildesheimer Wedekindlauf. An dem möchte ich teilnehmen und die zehn Kilometer unter 60 Minuten laufen. Kein leichtes, aber ein realistisches Ziel – immerhin habe ich jahrelang Fußball gespielt.
Der Lauf als Herausforderung
Aber seit 2019 eben nicht mehr – mit Sport insgesamt wurde es sehr viel weniger. Mein eigener Fitnesszustand? Ich würde ihn als durchschnittlich, vielleicht sogar dürftig beschreiben. Ab und zu gehe ich ins Fitnessstudio, spiele auch manchmal Volleyball oder fahre Fahrrad – das war es dann aber auch schon mit den Aktivitäten.
Der Lauf Ende April ist daher durchaus eine Herausforderung – aber ich bin überzeugt, mich in Form bringen zu können. Trotzdem: Ohne Training geht es nicht.
Expertentipps gibt es von Achim Schattmann
Laura Pöschel ist als HAZ-Volontärin nicht nur meine Kollegin, sondern seit Jahren passionierte Läuferin – wenn es das Wetter zulässt, schnürt sie dreimal in der Woche die Sportschuhe. Der Wedekindlauf steht auch schon in ihrem Kalender. Neben ihren eigenen Vorbereitungen für den Lauf hat sie es sich auch zur Aufgabe gemacht, mich beim Training mitzuziehen und zu begleiten. Laura will mich sozusagen fit machen für Hildesheims größten Volkslauf.
Doch wie geht man das am besten an? Dafür haben Laura und ich ein Training bei DJK Blau Weiß Hildesheim besucht. Unter Achim Schattmann trainieren dort regelmäßig Lauf-Einsteigerinnen und Einsteiger, aber auch die Triathletinnen und Triathleten von TriAs. „Als erstes sollte man auf Häufigkeit statt auf Schnelligkeit oder Länge setzen“, sagt Achim Schattmann. Er rät mir und Laura, lieber drei oder vier Mal für jeweils eine halbe Stunde laufen zu gehen, als einen langen Lauf am Wochenende zu machen.
„Man muss langsam laufen, bevor man schnell läuft“
Schattmann bietet seit fast 30 Jahren Laufkurse an, hat also entsprechend Erfahrung und gibt uns Expertentipps:
„Man muss langsam laufen, bevor man schnell läuft.“ Wer mit dem Joggen anfängt, läuft oft zu schnell los – und dann fehlt nach hinten raus die Puste. Damit bei einer Strecke von zehn Kilometern aber auch noch ein Schlusssprint drin ist, sollten Läuferinnen und Läufer bewusst langsam loslaufen.
Ein Gefühl für den eigenen Körper entwickeln
Das sieht auch Thomas Knackstedt so, Lauftrainer und Ultra-Läufer aus Delligsen. Er hat bereits an 100 Kilometer-Läufen teilgenommen und weiß: „Du gewinnst ein Rennen nicht in der ersten Runde. Da kannst du es aber verlieren.“
Beide Trainer raten dazu, ein Gefühl für den eigenen Körper zu entwickeln und hier nicht auf Apps oder Uhren zu vertrauen. Schattmann empfiehlt dazu die Einschätzung auf einer Skala von eins bis zehn. „Eins ist auf dem Sofa liegen, drei bis vier entspricht einem lockeren Dauerlauf. Und bei einem längeren Lauf sollte die Anstrengung dann ungefähr bei sechs liegen.“
Welches Ziel verfolgt man?
Außerdem komme es darauf an, sich zu überlegen, welches Ziel man verfolge: „Will ich mich wohlfühlen in meinem Körper, etwas für meine Gesundheit tun und weniger oft krank sein? Oder möchte ich meinen Körper richtig fordern und schauen, wo meine Grenzen liegen?“, erläutert Ultraläufer Thomas Knackstedt. Und dann komme es auf Geduld an, denn ohne Training gehe es eben nicht.
Das ist mir klar – und deshalb drehe ich an diesem Abend gemeinsam mit Laura meine ersten Runden nach langer Zeit. Nach einem zehnminütigen Warmlaufen stehen Technikübungen an – Knie hoch, Arme schwingen – und zum Abschluss Steigerungs- und Intervallläufe.
Mein Puls ist erhöht
Nach einer Stunde ist mir und auch Laura trotz Regen und Temperaturen um den Gefrierpunkt ordentlich warm. Ich erinnere mich an Schattmanns Skala – und das erste Training fühlt sich für mich wie eine Fünf an. Mein Puls ist erhöht und etwas außer Atem bin ich auch.
Coach Laura lobt: „Das war doch ein guter Anfang.“ Ich merke definitiv, dass ich länger keinen Sport gemacht habe. Zum Glück hält sich aber der Muskelkater an den nächsten Tagen in Grenzen. Das Training für die Challenge kann also weitergehen. Ich bin gespannt, ob mein Optimismus bleibt – und halte Sie, liebe Leser, auf dem Laufenden.


