Vier Linden

Zwischen Nostalgie und Aufbruch: So kam das Weedbeat Jam im Hildesheimer Kult-Club an

Hildesheim - Wenn Besucher extra aus Göttingen ins Vier Linden anreisen, muss dort etwas Besonders anstehen. Und so war es auch: Die Weedbeat Jam im Veranstaltungszentrum an der Alfelder Straße knüpfte an Sommerfestivals im Speicher an.

Der Headliner Benjie bedient bei der Weedbeat Jam im Vier Linden in Hildesheim gleichermaßen Reggae- und Dancehall-Fans

Hildesheim - Was rundet den Nikolaustag besser ab als karibische Rhythmen im Live-Format? Für Reggae-Fans bot die Weedbeat Jam im Veranstaltungszentrum Vier Linden den perfekten Abschluss des Tages. Mit Auftritten von LivingDub, Damion Lee, Benjie und DJ Jahrone erinnerte das Weedbeat-Team nicht nur an das bekannte Festival, sondern auch an die musikalische Tradition des Vier Linden.

Ein Gerücht, das an diesem Abend unter den Gästen kursierte, soll hier direkt geklärt werden: Das Vier Linden steht nicht vor dem Aus. Zwar hat sich das Geschäftsmodell der Location in den vergangenen Jahren verändert und es gibt weniger öffentliche Konzerte zugunsten privater Feiern. Doch mit Veranstaltungen wie der Weedbeat Jam lebt die lange Konzertgeschichte weiter.

Stimmung im Vier Linden war ausgelassen, Abend ist geglückt

Raimund Steiniger und Rico Klose wollten an die Reggae-Abende im legendären Spiegelsaal und das Sommerfestival am Speicher in Nordstemmen anknüpfen. Das ist geglückt: Besucher wie Manuel aus Hildesheim und sein Vater, extra aus Göttingen angereist, zeigten sich begeistert. Die Stimmung war ausgelassen, viele Gäste sahen alte Bekannte wieder und feierten die Musik – eine Mischung aus langjährigen Festivalfans und neuem Publikum genoss die besondere Atmosphäre.

Den musikalischen Auftakt machte LivingDub um Hene Marheinecke. Ihr Bass und die tranceartigen Dub-Klänge füllten den Saal und sorgten für die richtige Einstimmung. Anschließend brachte Damion Lee aus Wien mit seiner urbanen Mischung aus Pop, Soul, Funk, Rap und Reggae Leichtigkeit und Tiefe auf die Bühne. Seine eigenen Songs, die sich mal um Liebe, mal um Familie und Heimat drehen, überzeugten mit Kreativität und Authentizität.

In der Funktion des Headliners aus Hannover angereist war Benjie mit seiner Band. Mit ihm wurde es etwas strikter, er steht für Reggae und Dancehall mit einer Tradition, auf die nur wenige Acts in Deutschland zurückblicken können. Von ihm kam ein Hit nach dem anderen: „Wachtmeister“, „Ich will tanzen“, „Sommerzeit“, „Kinder“: Die Liste war lang und tanzbar, er bediente gleichermaßen Reggae- und Dancehall-Fans, mit der Band bekamen alle Tracks noch mal einen neuen Anstrich und zum Höhepunkt gab es als Zugabe seinen unkaputtbaren Szene-Hit „Ganja Smoka“ aus dem Jahr 2000, mit dem sich der Musiker schon früh ein Denkmal setzen konnte.

Ehemaliger Hildesheimer wirkt in Köln als Deejay nach jamaikanischem Vorbild

Den musikalischen Ausklang gestaltete DJ Jahrone, ein ehemaliger Hildesheimer, der heute in Köln lebt und dort zum Deejay nach jamaikanischem Vorbild wurde. Mit begleitenden Ansagen und animierendem Stil hielt er die Tanzfläche in Bewegung und bot einen stimmungsvollen Abschluss.

Die Botschaft des Abends war klar: Die Weedbeat-Geschichte ist noch lang nicht vorbei. Ob sie im Vier Linden weitergeschrieben wird, bleibt offen – der Abend dürfte eine gute Basis geliefert haben.

Von Andreas Kreichelt

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