Hildesheim - Es vergeht kaum eine Sitzung des Ortsrats Itzum-Marienburg, in der es nicht um die schwierige Verkehrssituation an der Scharfen Ecke geht. Bislang bestand aber kaum Hoffnung, dass sich daran jemals etwas ändern könnte. Bis Dienstagabend, als Nils Rühmann, Leiter des städtischen Fachbereichs Tiefbau, den überraschten Politikern und Politikerinnen berichtete, dass die Verwaltung dort Handlungsbedarf sieht.
„Wir sehen den Bedarf, dass dort über kurz oder lang etwas passieren muss“, sagte Rühmann. Was genau, das wurde während der Sitzung allerdings noch nicht klar. „Das hören wir hier so zum ersten Mal, dass sich die Stadt des Themas annehmen will“, sagte Frank Wodsack verwundert und sprach von einem „Quantensprung“ im Hinblick auf den Besuch von Rühmann in der Sitzung. Um allerdings die Verkehrssituation zu verbessern, so Rühmann, müsste der gesamte Kreuzungsbereich großflächig neu geplant werden, wofür die Stadt ein externes Planungsbüro beauftragen würde. „Bei all dem sprechen wir eher von einem Zeitraum ab 2030“, schraubte Rühmann die Erwartungen des Gremiums zurück.
Konkrete Anträge sollen nun formuliert werden
Dass es nun zu dieser „Kehrtwende“ kam, überraschte auch Franziska Hientz (CDU). „Jahrelang haben wir von der Verkehrskommission etwas anderes gehört.“ Das sei „ungeheuerlich", wunderte sich auch René Laske (SPD). „Aber natürlich sind wir sehr froh zu hören, wenn dort plötzlich doch etwas geht.“ Dem schloss sich auch Ortsbürgermeisterin Beate König (SPD) an – ärgerlich sei es dennoch, warum mögliche Lösungsansätze nicht schon viel früher geäußert wurden. „Jetzt sehen wir aber klarer.“ Mehrfach war von Seiten der Verwaltung bisher eine gemeinsame Begehung mit der Verkehrskommission abgelehnt worden, ebenso wie ein Besuch in einer Ortsratssitzung – das sorgte immer wieder für Frust.
Denn die Verkehrskommission stuft die Kreuzung als sicher ein. Dem widerspricht Fachbereichsleiter Nils Rühmann auch ausdrücklich nicht. Es gehe vielmehr um eine Optimierung und Verbesserung, die überhaupt dadurch in einigen Jahren möglich wird, weil die Bushaltestelle direkt an der Scharfen Ecke weichen soll, wodurch etwa der Gehweg verbreitert werden oder auch eine Mittelinsel entstehen könnte. Wie berichtet, soll mit dem Bau einer Buswendeschleife an der Domäne dort auch eine neue Bushaltestelle entstehen.
Die Parteien wollen nun nach verschiedenen Denkanstößen von Rühmann konkrete Prüfanträge formulieren und an die Verwaltung stellen. Einer könnte sein, dass schon 2025 wenigstens Planungsmittel in den Haushalt eingestellt werden sollen, ließ Wodsack durchblicken. Oder dass die Stadt prüfen soll, ob der Parkstreifen gegenüber des Sportplatzes entfernt werden könnte, um Platz für eine Mittelinsel zu gewinnen.
Schul-Taxi wurde abgeschafft
Eine konkrete Lösung, den Schulweg zeitnah sichererer zu gestalten, zeichnete sich hingegen noch nicht ab. Vielleicht sollte der Ortsrat doch einen Anlauf nehmen und die Wiedereinführung des Schul-Taxis erneut fordern, überlegte Hanna Snakker (Bündnis 90/Die Grünen). Der kostenlose Transport der Kinder zur Grundschule wurde im Sommer 2023 nach Jahrzehnten eingestellt. Geprüft werden könnte möglicherweise auch eine Verlängerung der roten Fahrbahnmarkierung auf dem Radweg bis zur Domänen-Ampel, so Rühmann.
Bitte an die Polizei
Eine Bitte richtete der Ortsrat an den Kontaktbeamten der Polizei, Lars Beisenherz, der die Nachfolge von Michael Hartleib angetreten hat. Weil der Verkehr auf der Itzumer Hauptstraße seit den Bauarbeiten auf der B243 zugenommen hat, wünscht sich das Gremium Tempo-Kontrollen.
Kommentar: Hartnäckigkeit zahlt sich aus
Seit Jahren befasst sich der Ortsrat mit der Scharfen Ecke – für das Gremium ein Dauerbrenner und Streitpunkt mit der Stadt. Doch die Hartnäckigkeit hat sich gelohnt. Denn eigentlich sollte es bei dem Thema gar nicht viel Neues geben. Schließlich stuft die Verkehrskommission die Kreuzung als sicher ein. Dem widerspricht Nils Rühmann auch nicht. Allerdings hat die Verwaltung einen Handlungsbedarf erkannt. Es hagelte viel Lob für Rühmann, es herrschte Aufbruchstimmung. Ein gutes Beispiel, dass Beharrlichkeit und Ausdauer parteiübergreifend zu Erfolgen führen kann.

