Hildesheim - Kein Kleingeld für den Klingelbeutel dabei? Diese Ausrede passt künftig nicht mehr. Denn die Lamberti-Gemeinde geht ganz neue Wege. Wer im Gottesdienst eine Kollekte oder nach einem Kirchenkonzert eine Spende hinterlassen möchte, kann das künftig per Handy erledigen. Die Premiere hat bereits gut geklappt.
Die Entscheidung im Kirchenvorstand ist sehr kurzfristig und einstimmig gefallen. „Wir haben das Thema intensiv beraten. Alle wissen ja, dass der bargeldlose Zahlungsverkehr zunimmt“, sagt Lamberti-Pfarrer Peter Noss-Kolbe. Im voll besetzten Gotteshaus kündigte er dann den neuen, modernen Weg nach dem Knabenchor-Konzert an. Per QR-Code, der bereits auf dem Programmzettel aufgedruckt war, konnte jeder auf die dazugehörige Spendenseite gelangen.
Der Anstoß dazu kam von Robert Rathke, Vikar an St. Lamberti. Mit Hilfe des Kirchenkreis-Fundraisers Robert Smietana habe sich dann die Idee in wenigen Tagen umsetzen lassen, sagt der Pfarrer. Mit Erfolg. Denn nach der Premiere am vierten Advent, in den Weihnachtsgottesdiensten und zwischen den Jahren haben bereits einige Menschen die Möglichkeit für eine elektronische Kollekte genutzt. „Als weiteren großen Vorteil sehe ich, dass neben dem sonntäglichen Kollektenzweck immer auch weitere Spendenzwecke wie Diakonie, Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, Brot für die Welt und besondere Projekte angezeigt werden können“, betont Noss-Kolbe. Die technische Umsetzung laufe bisher einwandfrei und der Kirchenvorstand ist mit diesem Prozess sehr zufrieden.
Spenden geht auch von zuhause aus
Das bestätigt auch Heidemarie Zentgraf vom Lamberti-Kirchenvorstand. „Ich hatte zunächst etwas Bedenken“, räumt sie ein. Aber Kirche müsse mit der Zeit gehen, um mit den Menschen im Dialog bleiben zu können. Dennoch wird es zwischen den Kirchenbänken in St. Lamberti klimpern, wenn der traditionelle Klingelbeutel durch die Reihen gereicht wird. So stand Zentgraf bei der Premiere auch weiterhin mit einem Körbchen am Kirchenausgang, um Spenden für die Auslandsarbeit der Evangelischen Kirche sowie für den Aufbau eines Begegnungszentrums in Jerusalem zu sammeln. Genau genommen lässt sich die Spende auch von zu Hause aus erledigen: ein kurzer Piep, ein grüner Haken – und die Sache ist erledigt.
Noch einen weiteren positiven Nebeneffekt hat der digitale Klingelbeutel: Das eingesammelte Münzgeld muss nun nicht mehr bei der Bank eingezahlt werden, wofür in den meisten Fällen Gebühren fällig werden. Bisher laufen die Münz-Einzahlungen der Gemeinden aus den Kirchenkreisen Hildesheim-Sarstedt, Hildesheimer Land-Alfeld und Peine alle über Konten beim Kirchenamt, das auch die Gebühren übernimmt, sodass die Kollekten aus dem Gottesdienst oder anderen Sammlungen in voller Höhe dem Spendenzweck zugutekommen.
Um solche Zusatzkosten zu vermeiden, hat auch die katholische Pfarrgemeinde St. Godehard in Hildesheim schon ein sogenanntes Spendenterminal realisiert, das direkte Einzahlungen mit der EC-Karte oder dem Handy möglich macht. Es steht im vorderen Eingangsbereich der Basilika, gegenüber der Godehardsfigur. „Wir leben in einer Welt, die sich stets verändert“, sagt Wolfgang Voges. Der ehemalige Stadtdechant in Hildesheim und Pfarrer der St.-Godehard- und der Liebfrauengemeinde ist überzeugt: „Dazu gehört auch das Zahlen mit Karte. Daran können wir als Kirche nicht vorbeigehen.“ Gerade jüngere Generationen seien an digitale Bezahlformen gewöhnt und nutzen diese auch gern in der Kirche.
Das sieht man auch im Hildesheimer Weltkulturerbe St. Michael ganz ähnlich. Dort hat man „beste Erfahrungen mit den Online-Spende-Möglichkeiten per QR-Codes gemacht“, antwortet Kantorin Angelika Rau-Čulo. Und das soll bald auch in den Gottesdiensten realisiert werden. „Ich bin davon überzeugt, dass wir zukünftig auf die bargeldlose Variante nicht verzichten können beziehungsweise sollten“, betont Henning Schünemann vom Kirchenvorstand St. Michael.
Erster Kollektomat
Der erste Kollektomat ist übrigens im Jahr 2019 in der Marktkirche Hannover aufgestellt worden – als das erste Gerät in der evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers, der mitgliederstärksten Landeskirche in der EKD.



