Bad Salzdetfurth - Rauf und runter, rauf und runter – die Pegel von Innerste und Lamme schwanken auch am ersten Feiertag weiter. Bei etwa 6,13 Meter steht die Innerste am Pegel Heinde am Montagmittag, damit ist sie vorerst gute zehn Zentimeter davon entfernt, den Höchststand der aktuellen Hochwasserlage zu überschreiten. Die Lamme misst in Bad Salzdetfurth zum selben Zeitpunkt 2,62 Meter und ist damit auch deutlich niedriger als in den Stunden zuvor.
Doch das heißt nicht viel. Es steht neuer Regen an. Und noch entscheidender: Die Innerstetalsperre im Harz, die bislang ein guter Puffer war, weil sie noch Kapazitäten frei hatte, ist nun so gut wie voll. Wenn die Harzwasserwerke deshalb mehr Wasser ablassen müssen, könnte das auch in Bad Salzdetfurth für Probleme sorgen.
Keine Veränderungen bis zum Abend
Das sieht auch Bürgermeister Björn Gryschka so, der zusammen mit dem Krisenstab, der am Sonntagmittag in Ruhemodus versetzt wurde, die Situation regelmäßig neu bewertet. Er geht davon aus, dass sich die Situation bis zum Abend nicht großartig verändern wird.
Doch mit Blick in den Harz ist er froh, dass im Stadtgebiet viele präventive Schutzmaßnahmen umgesetzt wurden und auch vorerst an Ort und Stelle bleiben. „Der Sandsackwall in der Florianstraße in Klein Düngen“, nennt Gryschka ein Beispiel. Noch hat der kein Wasser zu spüren bekommen. Aber man wisse nicht, was unter Umständen die nächste Nacht bringe.
Hinzu kommt: Die Erdschichten haben die Grenzen ihrer Aufnahmefähigkeit erreicht, deshalb fließt das Wasser schneller in die Flüsse ab. Alle von den Feuerwehren errichteten Sandsackwälle blieben deshalb bestehen. Aktuell sind aus diesem Grund in Breinum die Brunnenstraße und der Glockenweg gesperrt. Auch werden die Einlaufbauwerke wie am TecCenter und in Detfurth regelmäßig kontrolliert.
Zudem hat Gryschka bei seinem Besuch in Klein Düngen gemerkt, wie wichtig solche Maßnahme allein für das Sicherheitsempfinden der Anlieger seien. Die Stimmung in der Bevölkerung sei deutlich besser als 2017.
Und Gryschka erinnert, dass es an der Innerste auch noch eine Reserve gebe, die noch gar nicht genutzt würde: Das Rückhaltebecken bei Heersum, das als Folge der verheerenden Hochwassersituation 2017 realisiert wurde. Das sei noch trocken und könnte bei Bedarf aktiviert werden.
Druck auf Hannover erhöhen
Sechs Jahre ist die Flut von damals her. Einige Schutzmaßnahmen, wie der Rückhalteraum bei Heersum oder mehrere Schutzmaßnahmen in Klein Düngen sind seitdem umgesetzt worden. Doch der einst versprochene große Wurf, die großen Rückhaltebecken an der Innerste zwischen Harz und Kreis Hildesheim sind ganz weit davon entfernt umgesetzt zu werden.
Gäbe es sie schon, wäre die aktuelle Situation sicherlich deutlich entspannter. Gryschka stimmt dem zu und glaubt, dass es an der Zeit ist, dass die Kommunen den Druck in Richtung Hannover erhöhen. Und immerhin betreffe die Hochwasserwelle derzeit ja ganz Niedersachsen. Ohne Fördermittel seien die damals gemachten Pläne schlichtweg nicht umsetzbar. Doch für den jetzigen Moment liege der Fokus auf der Arbeit vor Ort. Aber wenn die Gefahr gebannt sei, dann müsse das sicherlich ein Thema werden.
Die HAZ informiert auch am Montag wieder per Liveticker über die aktuellen Entwicklungen.

