VHS, Grundschule und Stiftung

Keine Noten – nur Geschichten: Leseclub für junge Söhlder

Hildesheim/Söhlde - 700.000 Analphabeten allein in Niedersachsen – wie die Grundschule Söhlde ihre Schüler zum Lesen bringen will. Die Einrichtung bekommt nun Geld vom Bund für Bücher und Material.

Margitta Rudolph, Helga Wolf und Renate Klute (von links) freuen sich, dass die Grundschule Söhlde einen Leseclub bekommt. Foto: Andrea Hempen

Hildesheim/Söhlde - Was wäre aus Margitta Rudolph wohl geworden, wenn sie „Kai aus Brixholm“ nicht begegnet wäre? Würde Helga Wolf ohne „Aglikas Reise ins das Erdbeerdorf“ heute auch Kinder unterrichten? Und wie hätte sich das Leben von Renate Klute ohne die Romane von Astrid Lindgren wohl entwickelt? Rudolph leitet die Hildesheimer Volkshochschule (VHS), Helga Wolf die Grundschule in Söhlde und Renate Klute arbeitet ebenfalls für die VHS. Die Frauen sind überzeugt davon, dass das Lesen ihr Leben beeinflusst hat. Und weil das so ist, wollen sie Mädchen und Jungen auch an die Bücher bringen.

Lesen für alle

An der Grundschule Söhlde gibt es jetzt einen Leseclub für Kinder ab sechs Jahren. Eine Kooperation der Schule und der VHS mit der Stiftung Lesen. Mehrmals in der Woche treffen sich die Clubmitglieder mit ehrenamtlichen Betreuern. Die werden in Seminaren auf ihre Aufgabe vorbereite, denn es geht um mehr, als nur lesen. Und das Besondere: Es gibt keine Noten. Das Angebot ist losgelöst vom Unterricht. Mädchen und Jungen (vier bis 12 Jahre) von den Grundschulen Söhlde, Nettlingen, Hoheneggelsen und der Oberschule können sich beteiligen.

Kein Druck, keine Noten

Ziel ist, ohne Notendruck die Motivation zum Lesen zu steigern. Dafür wurden schon etliche Bücherkisten nach Söhlde geliefert. Sofas, Sitzsäcke, Regale, ein Tablet und Lizenzen für Zeitschriften gibt es obendrein. „Mir ist es wichtig, dass Kinder über Geschichten Zugang zu anderen Denkweisen bekommen“, sagt Wolf. Ebenso wichtig seien die Bilder, die beim Lesen im Kopf entstehen und die Fähigkeiten, die mit dem Lesen wachsen. Etwa Inhalte wieder zu geben. „Lesen vermittelt Wissen, fördert die Fantasie und die Kreativität und trainiert das Konzentrationsvermögen“, zählt Rudolph auf. In Söhlde wird es künftig verschiedene Angebote geben – die alle etwa mit lesen zu tun haben: Vom Theaterspiel bis zum Kochen. „Dafür suchen wir vier bis sechs ehrenamtliche Helfer, die an zwei bis drei Nachmittagen in der Woche Gruppen übernehmen“, sagt Schulleiterin Wolf.

Die Schulleiterin träume schon lange davon, einen Leseclub einzurichten. Nicht nur, dass sie bei ihren Schützlingen die Lesefreude wecken will. Sie möchte den Kindern auch ein breites Bücherangebot bieten. Schließlich gibt es in Söhlde keine Bibliothek, auch nicht im Umkreis und die Verkehrsanbindungen sind nicht so, dass ein Grundschüler mal eben zu einer Bücherei fahren könnte.

Bund fördert Projekt

Wolf hat sich für die Aufnahme im Leseclub beworben. Der wird mit Geld aus dem Förderprogramm „Kultur macht stark. Bündnisse für Bildung“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung finanziert. Die VHS, so Rudolph, unterstütze das Programm sehr gerne. Immerhin gebe es allein in Niedersachsen 700 000 Menschen, die kaum lesen oder schreiben können. „Manche erkennen ein paar Wörter, aber sie können den Inhalt nicht erfassen“, sagt Rudolph. Das soll den Kindern aus der Gemeinde Söhlde erspart bleiben.

Kontakt

Wer ehrenamtlich mit den Kindern arbeiten möchte, kann sich bei Helga Wolf unter 05129/7343 melden.

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