Hildesheim - Rund 300 Einkaufswagen hat der ZAH in sechs Monaten in der Nordstadt eingesammelt. Und nicht nur die: Selbst Sofas stellen manche Leute einfach vor die Tür, wenn sie nicht mehr gebraucht werden.
„Baumscheiben sind sehr beliebte Müllabladeplätze“, ergänzt Katja Matzke nüchtern. Sie ist seit März für den ZAH (Zweckverband Abfallwirtschaft Hildesheim) in der Nordstadt unterwegs, um Menschen auf den Müll auf Gehwegen und in Büschen anzusprechen und zu erklären, wie richtiges Entsorgen geht. Inzwischen hat sich ihr Wirkungskreis auf das Stadtfeld und Fahrenheitgebiet ausgeweitet.
Immer wieder Beschwerden
Matzkes Einsatz ist Teil eines Modellversuchs, der Wege aus der Vermüllung der Umwelt zeigen soll. Denn die Beschwerden von Bürgerinnen und Bürgern, die sich über eine dreckige Stadt ärgern, reißen nicht ab. Außerdem gehörten Beratung und Vermeidung ohnehin zu den Aufgaben des ZAH, erklärt Stefan Grampe, stellvertretender Geschäftsführer des Verbands. Der hatte daher die Ideen eines Konzeptes aufgegriffen, das in den Gemeinwesenvereinen der drei Stadtteile erarbeitet wurde.
Zum Konzept gehört, Müll aus dem Straßenbild zu entfernen, die Verantwortlichen anzusprechen und die Verursacher zu ermitteln. Den Einwand, Müllsündern werde auf Kosten aller ihr Dreck hinterher geräumt, finden Grampe und Matzke unangemessen. Eine saubere Umgebung sei ein Mehrwert für alle. Außerdem wirke sich ihre Arbeit bereits sichtbar aus.
Briefe an die Hauseigentümer
Konkret bedeutet der Modellversuch zum Beispiel, dass die Mitarbeiter des ZAH nach Müll auf den Gehwegen Ausschau halten und ihn gleich mitnehmen, wenn sie unterwegs sind, um die Containerstandorte zu reinigen. Das sei im Schnitt eine halbe Stunde Mehrarbeit täglich, schätzt Grampe. Die Bewohner der Häuser, vor denen der Abfall lag, bekommen einen Zettel in den Briefkasten. Der weist darauf hin, dass und warum Müll auf dem Fußweg nicht sein soll.
Fällt ein Haus mehrmals auf, wird der Eigentümer ermittelt und angeschrieben. Denn der sei dafür zuständig, Müll vor der Tür zu beseitigen – auch wenn das mancher als ungerecht empfindet, weil der Abfall von Passanten herrührt. Ob in solchen Fällen die Gemeinschaft künftig einen Teil der Kosten mittragen sollte, darüber müsste nach Abschluss des Modells diskutiert werden, sagt Grampe.
„Die Leute sind sehr zugänglich“
Gleichzeitig ist Katja Matzke in den Stadtteilen unterwegs, geht Anrufen und Beschwerden nach, spricht mit Nachbarn: „Die Leute kennen mich ja schon.“ Wer auf seine Verantwortung und drohende Kosten hingewiesen wurde, melde sich auch schon mal von selbst. Aggressive Reaktionen gebe es gar nicht. „Im Gegenteil, die Leute sind sehr zugänglich.“
Manchmal sei es Unwissenheit, die zum falschen Verhalten führt, oft Bequemlichkeit oder Gleichgültigkeit. Die direkte Ansprache, so meinen beide, zeige jedenfalls Wirkung: „Man muss irgendwie in die Köpfe kommen“, sagt Grampe. Die Unterstützung der Profis sei auch Ermutigung für Ehrenamtliche: „Das Engagement in der Nordstadt ist Wahnsinn.“
Besser in die Tonne als ins Gebüsch
Im Friedrich-Nämsch-Park hat der ZAH zusätzlich große Mülltonnen aufgestellt. „Die werden sehr gut angenommen“, sagt Grampe. Klar könne es vorkommen, dass Leute in den Tonnen ihren Hausmüll entsorgen. „Aber das ist doch besser, als wenn sie den in die Büsche werfen.“
Und auch mit den Supermärkten sei der Verband im Gespräch, um eine Lösung für die Einkaufswagen zu finden. Von Lidl zum Beispiel seien keine dabei, dort gebe es Wegfahrsperren.
