Rad- und Freizeitmesse in Hildesheim

Kinderräder, Gravelbikes, Lastenräder: Die wichtigsten Fragen rund ums Rad – und die Antworten

Hildesheim - Was ist ein Gravelbike? Worauf sollte man beim E-Bike-Kauf achten? Und warum sind Kinderräder eigentlich so teuer? Hildesheimer Radexperten kennen die Antworten und beobachten zudem einen ganz klaren Trend.

Hildesheim - Mit Corona kam der große Fahrrad-Boom. Auch in Hildesheim waren die Händler nahezu ausverkauft, gab es große Lieferschwierigkeiten. Die Zeiten sind offenbar vorbei. Das Thema Radfahren steht aber bei den Menschen weiterhin hoch im Kurs. Mehr noch: Es nimmt sogar zu. Die Hildesheimer Radhändler stellen einen klaren Trend fest: Der Zweitwagen wird immer häufiger durch ein Rad ersetzt, ein ganz besonderes Modell. Welches das ist, und was es sonst noch für Neuigkeiten auf dem Markt gibt, hat am Sonntag der Allgemeine Deutsche Fahrradclub in Hildesheim (ADFC) zusammen mit vielen Partnern aus Stadt und Landkreis bei der Rad- und Freizeitmesse in der Andreaspassage verraten. Außerdem gibt es Antworten auf viele andere Fragen zum Thema Radfahren.

Warum muss ein Kinderfahrrad so teuer sein?

Wer ein neues Kinderrad kauft, legt schnell mal 500 Euro und mehr auf die Ladentheke, zumindest wenn Mama oder Papa ein Markenrad kaufen. „Es geht um Qualität und Sicherheit, und darum, dass ein Kind gerade bei seinem ersten Rad auch Spaß beim Fahren hat“, sagt Markus Oehlke von Räder Emmel. Heißt, so ein Kinderrad sollte leicht sein, gut und reibungslos laufen.

Es geht um Qualität und Sicherheit, und darum, dass ein Kind gerade bei seinem ersten Rad auch Spaß beim Fahren hat

Markus Oehlke

Er rät Eltern, zusammen mit dem Kind zum Fachhändler zu gehen und sich beraten zu lassen. Denn auch ein Markenrad muss letztlich zu seinem Besitzer passen. Was tun, wenn das Familienbudget partout nicht für ein teures Rad reicht? Dann doch ein Baumarktrad kaufen? „Nein, dann könnten sich Eltern zum Beispiel an die Fazze Fahrrad Selbsthilfewerkstatt wenden“, so Oehlke, der sich in der Einrichtung in der Moltkestraße 86 in seiner Freizeit engagiert. „Oder bei der Fahrradwerkstatt von Labora“, ergänzt Dietmar Nitsche, Vorsitzender des ADFC in Hildesheim. Beide Organisationen bereiteten gebrauchte Räder auf.

Radkauf im Internet – ein absolutes Tabu?

„Grundsätzlich ist es immer ratsam, zu einem Fahrradhändler zu gehen, sich dort beraten zu lassen und dann dort auch zu kaufen“, sagt Nitsche. Am besten zu einem Händler in der Nähe, der dann später auch im Falle einer Reparatur Ansprechpartner sein kann. „Ein Fahrrad muss passen“, sagt Nitsche. Das gelte nicht nur für Kinder. Wer aber genau wisse, was er kaufen wolle, der könne natürlich im Internet kaufen. Was sagt Nitsche dazu, dass sich in Hildesheim mit Cube, Lucky-Bike und Harzer E-Bike nun drei weitere Radhändler angesiedelt haben? „Das ist eine gute Entwicklung“, sagt der ADFC-Chef, wenngleich die eine Konkurrenz zu den lokalen Geschäften seien. „Am Ende muss jeder sehen, welches Rad zu ihm passt. Aber die Einkäufe bleiben in Hildesheim.“

Welche Räder stehen aktuell hoch im Kurs, und für wen eignen sie sich?

„Gravelbikes“, sagt Christian Fricke von Dynamo. Dahinter verbirgt sich eine Mischung aus Rennrad und Mountainbike mit minimalistischer Ausstattung. Besonders beliebt sei das leichte Rad bei den jungen Leuten, die früher Mountainbikes gekauft haben. Es biete sich als Rad in der Stadt an, aber auch für Touren im Wald. Ausgestattet mit Taschen für Lenker, Rahmen, Sattel oder Gabel eigneten sie sich sogar für Kurzurlaube. Auf Motorunterstützung braucht man beim Gravelbike ebenfalls nicht zu verzichten. Viel nachgefragt seien auch Lastenräder. Longtails oder Long Johns. Das Longtail-Rad hat quasi hinter dem Sattel spezielle Aufsätze, die sich entweder für den Transport von bis zu zwei Kindern oder auch für einen größeren Einkauf eignen. Das Lastenrad vom Typ Long John hat diese Möglichkeiten vor dem Lenker. Auch Michael Kracke von Kracke Zweirad verzeichnet eine steigende Nachfrage nach solchen Rädern. „Meist junge Familien interessieren sich für diese Modelle“, weiß Kracke. Mit Regenschutz und komfortablen Sitzbänken für die Kinder sind die Räder ein teures Vergnügen. 5000 bis 7000 Euro sind keine Seltenheit. Aber sowohl Kracke als auch Fricke stellen einen klaren Trend fest: Wenn diese Räder angeschafft werden, ersetzen sie meist den Zweitwagen, oder Familien verzichten ganz aufs Auto und sparen so viel Geld. Auch vor dem Hintergrund, dass immer mehr Arbeitgeber ihren Mitarbeitern Leasing-Modelle für den Radkauf anbieten, sei die Investition meist machbar.

Worauf achten beim E-Bike-Kauf? Und sind die Lieferzeiten noch immer lang?

„Der stärkste Motor und der ausdauerndste Akku müssen nicht zwangsläufig das beste Rad ausmachen“, sagt Andreas Neumann von Fahrrad Ritzel. Auch hier gelte: Es muss zu seinem Fahrer oder seiner Fahrerin passen. In der Größe und in der Nutzung.

Wenn jemand nur kürzere Strecken in der Stadt fährt, reicht meist eine geringere Motorunterstützung

Andreas Neumann

„Wenn jemand nur kürzere Strecken in der Stadt fährt, reicht meist eine geringere Motorunterstützung“, so Neumann. Letztlich beeinflusse die Ausstattung auch den Preis und das Gewicht des Rades. Wer sein Rad immer in der Keller tragen muss, der schaue auch, was es auf die Waage bringt. Zum Thema Lieferzeiten sagt Neumann: „Die haben sich grundsätzlich wieder deutlich verbessert.“ Er verkaufe beispielsweise ein Markenrad, das immer speziell erst für den Kunden gebaut werde. „Das ist nach sechs Wochen im Laden, in der Hauptsaison werden es vielleicht mal acht Wochen.“

Thema Diebstahlschutz – was kann und sollte man tun?

„Ein gutes Schloss kaufen“, sagt der ADFC-Vorsitzende Nitsche. Zehn Prozent vom Kaufpreis des Rades seien ein Richtwert für den Schlosskauf. Dabei empfiehlt Nitsche ein Bügelschloss, auch wenn das im Umgang etwas schwieriger (lieber ein längeres Schloss kaufen, damit das Rad später einfacher am Zaun oder an der Laterne angeschlossen werden kann). Was sagt der Experte zum Fahrradschloss vom Discounter? „Naja, man sieht einem Schloss ja nicht unbedingt an, ob es gut ist“, so Nitsche. Er rät ohnehin dringend dazu, immer ein zweites Schloss zu benutzen. Das sei umso wichtiger, wenn ein einfacheres Schloss beim Discounter gekauft werde. Nitsche rät auch, das Rad codieren zu lassen. Codierte Fahrräder seien als Diebesgut schwerer zu verkaufen. Die Codierung sei effektiver Diebstahlschutz. Zudem macht es die Codierung der Polizei leicht, aufgefundene Fahrräder ihren Besitzer und Besitzerinnen zuzuordnen. Der ADFC bietet eine solche Codierung an (Kontaktaufnahme über die Webseite des Vereins). 7 Euro kostet die Codierung pro Rad für ein ADFC-Mitglied, 10 Euro für alle anderen. Wer als Familie drei Räder zum Codieren bringt, zahlt 15 Euro.

Lokale Rad- und Wanderapps fürs Smartphone – was können die?

In den gängigen Portalen sind beispielsweise die Apps „Lamspringe erleben“, „Hildesheim Kultur und Freizeit“ und „Region Nette Innerste“ zu haben. Die bieten den Nutzern etliche Wanderrouten und Radtouren an. „Sie haben in erster Linie einen touristischen Hintergrund“, erklärt Birgit Ziemann von der Stadt Bad Salzdetfurth. Heißt, es seien keine Navigationsapps, sondern sie führen die Nutzer einzig auf ausgewiesenen Routen, dafür aber mit vielen Informationen zur Route selbst, zu Sehenswürdigkeiten oder gastronomischen Angeboten. „Alle Inhalte sind offline verfügbar, einzig GPS ist erforderlich“, erklärt Ralf Hoffmann von Foot Maps, der Hildesheimer Firma, die verantwortlich für etliche regionale Apps ist. Die haben aber noch einen anderen Hintergrund: Die Auftraggeber, meist die Kommunen, hätten ein hohes Interesse, dass die Radfahrer eben tatsächlich auf diesen Radwegen blieben und nicht beispielsweise quer durch den Wald fahren. „Es geht auch um Naturschutz“.

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