Musicalpremiere

Kleine Sensation: Hildesheim bekommt Aufführungsrechte für „Rocky Horror Show“ – und das Kultmusical ist schon fast ausverkauft

Hildesheim - Intendant Oliver Graf ist es gelungen, das Kultmusical am tfn in Szene setzen zu können. Bereits vorab ist das Stück ausverkauft und tourt bis nach Bayern. Ein erster Einblick in die Proben.

Großer Auftritt für Daniel Wernecke in der Rolle der Kulfigur Frank’n’Furter (hier in einer Szene mit Samuel Jonathan Bertz als Riff-Raff). Foto: Tim Müller

Hildesheim - Das ist schon eine kleine Sensation: Das Theater für Niedersachsen (tfn) hat die Rechte ergattern können, um das Kultmusical „Rocky Horror Show“ selbst in Szene setzen zu dürfen. Premiere in Hildesheim ist am Montag, 30. Oktober, im großen Haus.

Eine Menge Arbeit und vor allem Ausdauer ist nötig gewesen, bis Intendant Oliver Graf das Musical tatsächlich auf den tfn-Spielplan schreiben konnte. „Seit meinem Amtsantritt wollte ich dieses Stück nach Hildesheim holen – und jetzt ist es uns endlich gelungen.“ Graf, er leitet das tfn seit der Spielzeit 2020/21, hat sich riesig gefreut, als die finale Zusage dann endlich doch auf seinem Schreibtisch landete. Das längst weltbekannte Stück von Richard O’Brien wird nämlich bewusst nur sehr dosiert freigegeben. „Die Tatsache, dass es auch eine Tour-Produktion gibt beziehungsweise gab, hatte konkrete Exklusivitätsrechte und somit Sperrgebiete zur Folge“, erläutert der 41-jährige Geschäftsführer. Da das tfn als Landesbühne viele Abstecher absolviert, führte das dazu, dass das Theater die Rechte nicht bekommen konnte. „Weil wir örtlich zu nah an Aufführungsorten der Tourproduktion lagen. In diesem Jahr hat sich aber dann alles glücklich gefügt – wir haben sofort zugegriffen.“

Musical wird 50 Jahre alt

Zu dieser glücklichen Fügung gehört auch, dass das Musical rund um den exzentrischen Wissenschaftler Frank’n’Furter vom Planeten Transexual in diesem Jahr seinen 50. Geburtstag feiert. Was 1973 einst auf der kleinen Studiobühne des Royal Court Theatre in London begann, ist längst ein weltweiter Kassenschlager – besonders nach der erfolgreichen Verfilmung im Jahr 1975.

Schon jetzt hat das „Rocky-Horror-Fieber“ in Hildesheim erneut eingesetzt: Noch vor der Premiere sind bereits die ersten drei Vorstellungen im Theater nahezu ausgebucht. Und das tfn hat die Inszenierung sehr gut verkauft: Mehr als 40 Aufführungen sind fest eingeplant – nicht nur in Niedersachsen, sondern bis nach Schweinfurt in Bayern. „Das hat seinerzeit noch nicht mal Lovestory geschafft“, freut sich Gastregisseur Oliver Pauli über die Vorschusslorbeeren.

Was ist eigentlich das Besondere an dem Musical – dieser Show, die bewusst zwischen Science Fiktion, Horror, Extravaganz, sexueller Freiheit und Klischees changiert? „Das ist wohl der besondere Mitmach-Effekt“, sagt Pauli. Dieser einzigartige Ritus soll natürlich hier auch bedient werden. Neben den obligatorischen Schlüsselworten, die das Publikum live reinruft, gibt es vor der Vorstellung einen Extra-Fanbag zu kaufen. „Aber nicht mit Reis und Wasserpistolen, um den frisch renovierten Theatersaal nicht zu gefährden.“ Natürlich dürfen Fans auch gern in „Rocky-Horror“-Kostümierung zur Vorstellung kommen.

Inspiriert von Salvador Dali

So viel wird schon verraten: Die Bühne (Ausstattung: Sebastian Ellrich) in Hildesheim ist inspiriert von Salvador Dali und seinem Wohnzimmer der Mae West – ein Raum mit zwei überdimensionalen, beweglichen Augen. Dort spielt sich die surreale Story um das biedere Paar Brad und Janet ab, das zufällig auf den extrovertierten Grenzgänger-Wissenschaftler trifft. „Wir müssen uns exakt an Buch und Dialoge halten – haben am Text kein Wort geändert“, betont Regisseur Pauli. Lediglich in der Aktion darf er etwas kreativ werden.

Aber nur in Maßen: Zur Premiere oder auch zu einer späteren Vorstellung wird jemand von B.B.-Entertainment nach Hildesheim kommen und die Inszenierung quasi überprüfen. „Das ist streng, aber verständlich. Wir wollen die Erwartung des Publikums natürlich so gut wie möglich erfüllen“, sagt der Regisseur. Vorab musste das tfn bei der Produktionsgesellschaft Besetzung und Bühnen-Idee einreichen. Und: Erfinder O’Brian behält sich sogar das Recht vor, dass für ihn immer eine Karte reserviert ist – falls er denn zur Vorstellung kommen möchte.

Faszination für die 70-er Jahre-Musik

Gespielt wird mit deutschen Dialogen. „Aber die Songs sind natürlich auf Englisch“, sagt Andreas Unsicker, der die musikalische Leitung der Hildesheimer Aufführung hat. Er findet faszinierend, wie vielfältig die Show ist: „Die Musik ist so großartig, ich bin mit dem Film sozialisiert worden. Ich hatte immer eine Faszination für Musik aus den frühen 1970ern, finde diese Mischung aus ein bisschen angeschrabbeltem Glam-Rock mit Verweisen auf den Rock’n’Roll der 1950er und noch ein bischen Psychedelic dahinter toll – das passt total.“

So kommt man an Karten

Die Vorstellungen am 30./31. Oktober und 1. November sind in Hildesheim fast ausverkauft. Restkarten gibt es noch am 19. November sowie am 4. und 31. Dezember (Silvester zwei Vorstellungen).

Zum Inhalt

Das junge Paar Brad und Janet ist frisch verlobt und auf dem Weg zu ihrem gemeinsamen Freund Dr. Everett Scott. Unterwegs haben sie jedoch plötzlich eine Autopanne. In der Nähe ist gerade ein altes Schloss, in dem sie in der Nacht Unterschlupf suchen. Der bucklige Diener Riff Raff und das Hausmädchen Magenta lassen sie herein und führen sie zu ihrem noch unheimlicheren Herrn. Dr. Frank N. Furter experimentiert gerade damit, einen Menschen künstlich herzustellen. Brad und Janet erleben eine alles verändernde Horrorshow, die auch ihren Blick auf Normen, auf die Welt, auf den Kopf stellt.

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