Energiewende

Knapp 60 Windräder in nur einer Kommune im Kreis Hildesheim? Nun regt sich Widerstand

Bockenem - Nirgendwo im Kreis planen Investoren und Grundeigentümer so viele Windräder wie im Bockenemer Stadtgebiet. Die Kommune ist groß – und ein Gerichtsurteil ebnet den Planern den Weg. Wie viel Unterstützung gewinnen die Kritiker?

Windräder überragen ein Dorf - das findet im Ambergau nicht jeder gut. Foto: Patrick Pleul/dpa

Bockenem - In keiner anderen Kommune im Kreis Hildesheim planen Investoren und Grundeigentümer derart viele Windparks wie in Bockenem. Nun regt sich Widerstand im Ambergau. Welches Ausmaß er annehmen wird, ist aber noch unklar.

Mehr als anderswo geplant

Gegen den Ausbau der Windkraft in der Region zumindest im aktuell möglichen Ausmaß wollen sich Moreen und Mathias Kook aus Hary wehren. Sie sprechen nach eigenen Angaben für eine Arbeitsgruppe aus Bürgern mehrerer Ortsteile. „Wir haben regelrecht Angst vor dem, was auf uns zurollt“, erklären die Kooks. Und klagen: „Ohne Rücksicht auf unsere Natur, auf uns Bürger und auf die hiesigen fruchtbaren Ackerböden wird der Ambergau durch auswärtige Investoren zu einem riesigen Strompark verplant.“

Tatsächlich ist in Bockenem deutlich mehr angedacht als anderswo im Landkreis. Bislang gibt es nur einen eher kleinen Windpark bei Groß und Klein Ilde. Genehmigt ist zudem ein Projekt mit sieben Windrädern zwischen Bockenem und Bornum an der Autobahn 7, die Errichtung der Anlagen soll im nächsten Jahr beginnen.

Größtes Projekt bei Hary

An mindestens sechs weiteren Stellen im Bockenemer Stadtgebiet planen Windkraft-Unternehmen zurzeit – gemeinsam mit einheimischen Flächenbesitzern – ohne dass sie bisher Genehmigungsanträge gestellt hätten. In einigen Fällen haben sich die Investoren bereits zu erkennen gegeben, zum Teil öffentliche Informations-Veranstaltungen angeboten.

So auch beim größten dieser Vorhaben, der Errichtung von zehn oder elf Windrädern – zwischenzeitlich war sogar von 13 Anlagen die Rede – am Nordhang der Harplage bei Hary, wo das Ehepaar Kook wohnt, und Störy.

Block wünscht sich mehr Ausgeglichenheit

„Es geht hier inzwischen um sage und schreibe 59 Windräder, verteilt im relativ kleinen Ambergau“, schreibt das Ehepaar. „Dazu erwarten uns eine weitere Stromtrasse, Umspannwerke für die Windparks, Freiflächen-Photovoltaikanlagen, ein großes Autoreisecenter, eine riesige Gewerbehalle für Coca-Cola und so weiter.“ Ihre Sorge: „In ein paar Jahren werden wir den Ambergau wohl nicht mehr wiedererkennen.“ Sie wollten, „dass alles in verträglichem Maß vonstatten geht“.

Bockenems Bürgermeister Rainer Block bestätigt die genannte Zahl potenzieller Windräder. Er sei für die Energiewende, betont der Verwaltungschef. Es könne aber nicht Sinn der Sache sein, dass in Bockenem oder Schellerten weit mehr Windräder gebaut würden als andernorts. „Ich wünsche mir eine gerechtere Verteilung.“ Der Landkreis müsse laut Landesgesetz 1,38 Prozent seiner Fläche für Windkraft ausweisen. Nur bezogen auf Bockenem wären es nach seinen Angaben auf Basis der aktuellen Planungen 6,8 Prozent der Fläche. Und die Frage, wie der Strom überhaupt ins Netz eingespeist werden solle, sei nicht beantwortet.

Mehr in die Öffentlichkeit

Doch Block betont auch, dass die Stadt wenig Einfluss bei dem Thema habe. Seitdem das Oberverwaltungsgericht Lüneburg den Flächennutzungsplan der Kommune gekippt hat, in dem Konzentrationsflächen für Windkraft definiert waren, können Unternehmen für jeden beliebigen Standort im Stadtgebiet die Genehmigung von Windrädern beantragen. Und der Landkreis kann diese nicht nach Gutdünken ablehnen.

Das Ehepaar Kook möchte mit seiner Arbeitsgruppe nun stärker in der Öffentlichkeit auftreten. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass solche Initiativen sehr unterschiedlich erfolgreich sein können. Vor einigen Jahren gewann eine Protestgruppe im Despetal mehr als 1500 Unterstützer, andernorts blieb es bei kleinen Gruppen – wie bei den Gegnern des inzwischen genehmigten Windparks am Königsturm zwischen Bockenem und Bornum.

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