Hildesheim - Seit Neuestem, liebe Leserinnen und Leser, gibt es das Knochenhaueramtshaus als Pasta. In der Tourist-Information am Marktplatz können Sie das Bauwerk, akkurat aus Hartweizengrieß geformt, in 250-Gramm-Tüten erwerben.
Zugegeben: zu einem Preis, als wäre jede einzelne Nudel handgeknetet: 7,95 Euro wird man Ihnen pro Tütchen abknöpfen. Was Sie dafür kriegen, ist allerdings in Cent und Euro nicht aufzuwiegen. Sollte nämlich eines Tages unverhofft lieber Besuch an Ihrer Tür klingeln, aus Cuxhaven zum Beispiel oder aus San Francisco, dann holen Sie als Gastgeber für ein kleines Welcome-Dinner einfach Ihre Nudeln aus der Kiste – und sind der Star des Abends.
15 Prozent der Geschenke werden sofort weggeschmissen
Oder angenommen, Sie sind selbst der liebe Besuch: Fachwerkhaus-Pasta als Geschenk, das ist mal was anderes als immer bloß Shirts mit „I love City XY“-Aufdruck oder der obligatorische Mini-Leuchtturm aus Cuxhaven. Tatsächlich sind Deko-Artikel die Nummer eins der unbeliebtesten Mitbringsel. Knapp 70 Prozent der Beschenkten finden sie blöd, 15 Prozent werfen sie direkt in den Müll. Hildesheimer Nudeln aber sind alles andere als Staubfänger oder zukünftiger Müll, sie haben nämlich Kalorien und deshalb einen Sinn.
Sie sind quasi Botschafter unserer Kultur. Sie erzählen, während sie im kochenden Wasser vor sich hinblubbern, leise von Genuss und alter Tradition. Davon, dass uns Hildesheimern für unsere Gäste und Gastgeber nichts zu teuer ist, selbst dann nicht, wenn sie uns umgekehrt immer wieder ihre dämlichen Leuchttürme als Schlüsselanhänger überreichen. Wir Hildesheimer sind da nicht nachtragend, sagen unsere Nudeln. Kann ja nun mal nicht jeder so tolle Ideen und so viel Geschmack haben wie wir.
