Deal in Ostfriesland

Knut Bettels kauft europaweit aktives Bahn-Unternehmen

Hildesheim/Aurich - Der Hildesheimer Unternehmer hat sich eine Tochterfirma des Windrad-Herstellers Enercon gesichert, die Güter auf dem ganzen Kontinent transportiert.

DIe Bahngesellschaft Egoo, die der Hildesheimer Unternehmer Knut Bettels jetzt erwirbt, transportiert Güter in mehreren Ländern Europas. Foto: Christian Stavermann

Hildesheim/Aurich - Das ist selbst für den Hildesheimer Multi-Unternehmer Knut Bettels Neuland: Seine Firmengruppe, die auch auf Transportlogistik spezialisiert ist, hat erstmals ein Bahn-Unternehmen gekauft. Zum 1. Dezember übernimmt Bettels die Güterzug-Firma Egoo, die Transporte in ganz Deutschland sowie in mehreren Ländern Europas anbietet.

Das Unternehmen mit Sitz in Aurich ist eine Tochtergesellschaft des Windrad-Herstellers Enercon und fungierte ursprünglich als dessen Werksbahn. Aufgrund der Krise in der Windbranche versucht Enercon derzeit, alles abzustoßen, was nicht zum Kerngeschäft gehört.

Täglich nach München

Darunter ist auch die Bahn-Spedition. Die fährt zwar immer noch viel für Enercon, hat zuletzt aber zunehmend auch andere Kunden gewonnen. „Egoo ist kein Sanierungsfall“, betont Bettels denn auch. „Die Firma ist operativ profitabel, hat in den vergangenen Jahren stets Gewinn gemacht.“

Nach Angaben von Egoo (der Name steht für „Eisenbahngesellschaft Ostfriesland-Oldenburg“) rollen täglich mehr als 25 Frachtzüge der Firma unter anderem zwischen den Knotenpunkten Emden/Aurich, Magdeburg, Lippstadt/Bönen und München mit Weiterverbindung nach Portugal, Frankreich, Italien, Österreich, Griechenland und in die Türkei. Mit zehn Lokomotiven und 450 Waggons transportiert Egoo demnach rund 1,6 Millionen Tonnen an Gütern pro Jahr. Neben dem normalen Frachtgeschäft hat sich die Auricher Firma mit ihren derzeit knapp 50 Mitarbeitern auf Schwerlast-Transporte und Ladungen mit außergewöhnlichen Maßen spezialisiert.

Kombi-Angebote

Bettels will Egoo weiter für Enercon fahren lassen, das Unternehmen aber auch ausbauen: Zum einen glaube er an das langfristige Potenzial des Güterverkehrs auf der Schiene: „Die Politik fordert ja auch immer wieder, solche Verkehre von der Straße auf die Schiene zu verlagern, gerade auch vor dem Hintergrund des Klimawandels.“ Gerade kleinere, flexiblere Anbieter hätten da gute Chancen.

Zum anderen sehe er die Möglichkeit, vor allem größeren Kunden künftig Komplett-Angebote für Transporte zu machen, die zum Teil auf der Straße und zum Teil auf der Schiene erfolgen sollen: „Da sehe ich in Kombination mit unseren inzwischen rund 200 Lastwagen ebenfalls großes Potenzial, noch bessere Leistungen anzubieten.“

Auch innerhalb der eigenen Unternehmensgruppe könne Egoo eine Rolle in der Logistik spielen, sagt Bettels unter anderem mit Blick auf den Bahnanschluss der kürzlich erworbenen Firma Harzmetall bei Goslar.

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