Seltenes Schauspiel

Komet zieht über die Region Hildesheim – und ist noch mehrere Nächte lang zu sehen

Hildesheim - In der vergangenen Woche waren es erneut Polarlichter, nun ist ein Komet am Nachthimmel über der Region Hildesheim zu sehen: Die HAZ zeigt beeindruckende Aufnahmen und verrät, wo und bis wann man den Kometen noch beobachten kann.

Es sieht nahezu unwirklich aus: Schloss Marienburg und ein Komet! Aber Mario Konang hat beides zusammen auf einem Foto festgehalten. Foto: Mario Konang

Hildesheim - Er ist ein echter Zungenbrecher – und ein ganz besonderer Hingucker am Nachthimmel: Der Komet „C/2023 A3 Tsuchinshan-Atlas“ bewegt sich schon seit Langem auf die Sonne zu, Astronomen entdeckten ihn im Januar 2023. Am 12. Oktober diesen Jahres kam er der Erde bis auf etwa 70 Millionen Kilometer nahe – das entspricht knapp der halben Entfernung der Erde zur Sonne. Aufgrund seiner günstigen Flugbahn kann man Tsuchinshan-Atlas derzeit auch über der Region Hildesheim beobachten. Wer den Blick in Richtung Westen richtet, braucht mitunter nicht einmal ein Fernglas, um den Kometen und womöglich auch seinen Schweif zu sehen.

Tsuchinshan-Atlas gibt, ähnlich wie in der vergangenen Woche die Polarlichter, auch wieder zahlreichen Fotografinnen und Fotografen die Chance auf tolle Aufnahmen. Eine, die diese Chance am Montagabend eher unverhofft genutzt hat, ist die Hildesheimerin Benita Heldmann. „Was soll ich sagen?!“, berichtet sie der HAZ: „Ich wollte eigentlich nur den schönen Wolkenhimmel fotografieren.“ Dafür nutzte sie ihr Smartphone und stellte eine Belichtungszeit von drei Sekunden ein. Als sie die Aufnahme vom Galgenberg mit Blick in Richtung Moritzberg, die gegen 19.40 Uhr und damit rund eine Stunde nach Sonnenuntergang entstanden ist, kurz darauf in ihrem Whatsapp-Status teilte, dauerte es nicht lange, bis sich ein Freund mit einem Kommentar meldete: „Den habe ich doch vor 80.000 Jahren schon mal gesehen.“ Heldmann schaute sich ihre Aufnahme noch einmal genauer an – und entdeckte ihn auf der linken Seite, dort wo die Wolken aufgerissen waren: den Kometen samt Schweif. „Ohne den Kommentar wäre mit der Glücksschuss gar nicht aufgefallen“, gibt sie zu.

Aufnahmen auch aus dem Landkreis

Ganz bewusst auf die Suche nach dem Kometen hat sich dagegen Ralph Behrens gemacht. Der Mann aus Schellerten erspähte am Montagabend von Farmsen aus den Kometen. Kurz nach Sonnenuntergang waren auch dort die Wolken abgezogen und ermöglichten so den Anblick – und das über einem Sonnenblumen-Feld.

Und auch Mario Konang ging die Sache systematisch an: Er wusste, dass der Komet im Westen zu sehen sein würde, schaute sich in der App „Stellarium“ virtuell den Nachthimmel an und bekam dann einen Zeitraum, in dem Tsuchinshan-Atlas zu sehen ist: von 19.15 bis 20.30 Uhr. Doch es sollte nicht bloß ein Foto vom Kometen am Nachthimmel werden, es brauchte auch noch ein zusätzliches Motiv: „Ich habe mir dann angeschaut, von wo ich einen Blick von Osten auf Schloss Marienburg bekomme, und war dann ungefähr in der Nähe der Zuckerfabrik“, verrät der Duinger Astrofotograf, von dem auch die NASA schon ein Foto auf ihrer Webseite zeigte.

Konang nutzte für seine Aufnahme zudem einen Kniff: Durch die lange Brennweite von 125 Millimetern wird das Bild komprimiert – und Vordergrund und Hintergrund sehen so aus, als ob sie näher beieinander sind. Deshalb wird beispielsweise der Schweif des Kometen so lang und bildfüllend. Und dass es so aussieht, als schlage der Komet gleich ins Schloss ein? „Ja, die Marienburg macht was mit“, sagt Konang und lacht.

Wer den Kometen C/2023 A3 Tsuchinshan-Atlas ebenfalls sehen möchte, sollte sich nicht mehr zu viel Zeit lassen: Wenn die Bedingungen stimmen und es einen klaren Himmel gibt, kann man ihn mit Glück noch bis kommende Woche Samstag, 26. Oktober, beobachten.

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