Kreis Hildesheim - Die Landwirte in Niedersachsen sind sauer – und gehen aus Protest gegen geplante Subventionskürzungen auf die Straße. Mit Traktoren sind sie am Montag auf zahlreichen Straßen unterwegs und blockieren auch im Landkreis Hildesheim den Verkehr.
Gleich an mehreren Orten starteten um 6 Uhr die Proteste: Die Traktoren, aber auch Lastwagen-Fahrer, die sich ebenfalls an dem Protest beteiligen, rollen vor allem über die Hauptstraßen. So trafen sich Teilnehmende beispielsweise in Alfeld am Hauptbahnhof und rollten über die Bundesstraße 3 in Richtung Holzminden. Aus Sibbesse ging es für die Landwirte in Konvois über drei verschiedene Routen nach Alfeld. Auf der Bundesstraße 243 fuhren die Landwirte zwischen Bockenem und dem Weinberg hin und her.
Konvois auf B1, B3 und B6
Auch im Bereich Elze mussten alle, die über die dortigen Bundesstraßen fahren wollten, am Montagmorgen zum Teil deutlich mehr Zeit einplanen. Ein Konvoi aus insgesamt 70 Fahrzeugen war in dem Bereich auf der B 1 unterwegs, rund 50 Fahrzeuge waren es bei einer Schleichfahrt über die B 3.
Im Bereich rund um Bad Salzdetfurth war die Bundesstraße 6 zwischen Grasdorf und Wendhausen ebenso betroffen wie die Bundesstraße 1 im Bereich Schellerten. Östlich von Hildesheim, auf der B 1 rund um Groß Escherde, kam es auch am späteren Morgen gegen 9 Uhr noch zu Verkehrsbehinderungen – dort waren Konvois noch einmal auf dem Weg in Richtung Hildesheim, dazu kamen Landwirte, die sich in kleineren Gruppen von Hildesheim aus wieder auf den Rückweg machten. Einige Verkehrsteilnehmer versuchten dort, umzukehren und auf anderen Wegen schneller voran zu kommen. Aktuell gilt hier noch: Wer den Bereich umfahren kann, sollte das möglichst tun.
„Der komplette Landkreis ist betroffen“
Allerdings könnte das je nach Fahrtziel nicht ganz leicht werden: „Der komplette Landkreis ist betroffen“, betont Polizeisprecher Makowski. Er spricht von 13 Versammlungen mit rund 450 Fahrzeugen, die es bis 9.20 Uhr in Stadt und Landkreis Hildesheim gab. Dabei sei bislang alles friedlich geblieben: Die Teilnehmenden hätten sich durchweg kooperativ verhalten, es sei zu keinen Vorfällen mit anderen Verkehrsteilnehmern oder Verkehrsteilnehmerinnen gekommen.
Blick auf die Lage in Hildesheim
Auch in der Stadt Hildesheim waren am Montagmorgen vor allem die Bundesstraßen von den langsam fahrenden Konvois betroffen: Gegen 6.30 Uhr trafen die ersten in der Stadt ein. Gut 30 Fahrer starteten vom Hagebaumarkt in Ochtersum aus, einige davon fuhren über die Scharfe Ecke an Itzum vorbei auf die Marienburger Straße, um von dort in die Stadt zu kommen.
Andere wählten den Weg über die Bundesstraße 243 auf die Alfelder Straße, um dann an der Schützenwiese auf die Bundesstraße 1 zu fahren. Dort konnte Polizeisprecher Makowski von seinem Büro aus sehen, wie die Autos an der Schützenwiese standen. Er dürfte auch das Hupen gehört haben, das den Protest begleitete.
Auf der B 1 waren zudem mehr als 20 Protestler seh-, hör- und spürbar zwischen Sorsum und dem Berliner Kreisel unterwegs und brachten den Verkehr mitunter komplett zum Stehen. In Hildesheim konzentrierten sich die Teilnehmer der Proteste am Morgen vor allem auf den Berliner Kreisel: Dort fuhren sie Runden auf der rechten Spur – und das sehr langsam, noch langsamer als in Schrittgeschwindigkeit. Dadurch konnten andere Fahrzeuge sehr schlecht bis gar nicht in den Berliner Kreisel einfahren. Auf allen Zufahrtsstraßen kam es dort zu langem Rückstau.
Auch gegen 9.30 Uhr waren dort noch mehrere Fahrzeuge, die auf der rechten Spur stehen. Es komme aktuell zu einer Art „Stop & Go“, schildert Makowski. Die Fahrzeuge lassen am Kreisel die Zu- und Abfahrten aber frei, so dass der Verkehr auf der inneren Spur fahren kann.
Erneute Fahrten am Vormittag
Ab 9 Uhr entspannte sich die Lage generell zeitweise etwas, an mehreren Orten legten Landwirte Pausen ein, so Makowski. Ab 10.30 Uhr waren sie dann noch einmal unterwegs: zunächst mit 15 Fahrzeugen auf einer Stadtrunde durch Alfeld, bei einer zweiten Runde waren es dann schon 50 Fahrzeuge, die sich danach zum Teil über die Wernershöhe, zum Teil über Wettensen auf den Weg nach Sibbesse machten. Auch von Bockenem nach Bad Salzdetfurth war erneut ein Konvoi mit 30 Traktoren und Lastwagen unterwegs.
Auch in der Stadt Hildesheim ging es mit Schleichfahrten weiter: 15 Fahrzeugen fuhren auf der B 1 von Einum kommend, 15 auf der B 6 von Achtum kommend Richtung Stadt. Auch über die B 243 und die Alfelder Straße waren es noch einmal 14, die anschließend auch auf die B 1 fuhren.
Man habe die Verkehrslage weiterhin im Blick. In einigen Bereichen könne es auch am Nachmittag noch einmal zu Schleichfahrten kommen. Nicht auszuschließen, dass es dann auch in den genannten Bereichen erneut zu Verkehrseinschränkungen kommt.
Zum Auftakt der Bauernproteste in Niedersachsen hat Ministerpräsident Stephan Weil am Montagmorgen derweil die Rücknahme der geplanten Subventionskürzungen für die Landwirtschaft gefordert. Die Bundesregierung solle reinen Tisch machen und den Konflikt beenden, sagte der SPD-Regierungschef im ZDF-Morgenmagazin. „Ich glaube, dass die beiden Vorschläge eine Branche doch stärker treffen als andere.“
Von Manuel Lauterborn und Roland Weiterer


