Nie dagewesene Preisdynamik

Sporthallen nicht mehr heizen? Die Überlegungen von Kommunen im Kreis Hildesheim zur Energiekrise

Kreis Hildesheim - Gas und Strom werden immer teurer: Darauf müssen sich Städte und Gemeinden im Landkreis Hildesheim einstellen. Das sind ihre Überlegungen.

Auch die Kommunen im Landkreis Hildesheim müssen sich etwas einfallen lassen, um beispielsweise Heizkosten zu senken. Denn die drohen in ungeahnte Höhen zu klettern. Foto: Alexander Raths

Kreis Hildesheim - Eine noch nie dagewesene Preisdynamik haben auch die Städte und Gemeinden im Landkreis Hildesheim zu erwarten. Sie müssen Ideen entwickeln, um einer Kostenexplosion entgegenzusteuern. Die Gemeinde Giesen gehört zu den Kommunen, die nun erste Überlegungen anstellen – Heizkosten in öffentlichen Gebäuden zu senken ist eine davon.

Wenn der Giesener Verwaltungschef an die Zukunft denkt, wird ihm mulmig. Was, wenn Energie immer teurer wird? „Wir müssen uns jetzt Gedanken machen, welche Sparmaßnahmen sinnvoll sind“, sagt Bürgermeister Frank Jürges. Er fürchtet, dass sich die jährlichen Ausgaben für Energie verfünffachen. Mit 1,25 Millionen Euro müsste der Kämmerer dann in etwa kalkulieren. Das kann auch eine finanziell solide Gemeinde auf Dauer nicht stemmen. Also muss sie auf die Kostenbremse treten, meint Jürges.

In der Schule nur 18 Grad?

Er denkt dabei an die fünf Sporthallen und erwägt, diese nur eingeschränkt oder gar nicht zu heizen – falls dies der Zustand der Gebäude erlaubt. Zudem könnte die Temperatur in den Grundschulen auf 18 Grad begrenzt werden. Krippen und Kita bleiben aber aus Sicht von Jürges außen vor. Und klar ist: „Der Gemeinderat muss die Entscheidung mittragen.“



Auch in anderen Kommunen wird das Thema immer drängender. „Überlegungen wie in Giesen gibt es bei uns derzeit nicht. Jedoch lassen wir unsere Liegenschaften aktuell überprüfen“, so Wolfgang Schurmann, Bürgermeister von Elze. Auf den Gebäuden könnte Fotovoltaiktechnik infrage kommen.

Was andere Kommunen erwägen

Auch in Holle gibt es Überlegungen, um sich für die Zukunft zu wappnen. „So werden wir auch prüfen, welche kommunalen Gebäude zum Beispiel mit Fotovoltaikanlagen ausgerüstet werden können“, berichtet Bürgermeister Falk-Olaf Hoppe. Und: „In unserer Grundschule werden wir in den Ferien Raumlüftungsanlagen installieren. Diese filtern die Luft, sorgen für Frischluftzufuhr und sollen bis zu 95 Prozent der Raumwärme erhalten.“



In Sarstedt laufen zurzeit Gespräche mit dem in den städtischen Liegenschaften zuständigen Personal, um Einsparmöglichkeiten für die Heizperiode auszuloten. „Das ist bei einer Kita sicher eine andere Diskussion als bei einer Turnhalle“, meint Bürgermeisterin Heike Brennecke. „Insbesondere das Innerstebad mit seinem Energieverbrauch steht dabei im Fokus. Genauso werden auch die weiteren städtischen Gebäude genau auf Sparmöglichkeiten beim Gas- und Stromverbrauch untersucht.“

Bewusstsein der Bürger schärfen

Die Gemeinde Algermissen beschäftigt sich nach eigenen Angaben ständig mit diesem Thema – „im Kleinen wie im Großen.“ So hat der Gemeinderat etwa die Umrüstung der Straßenbeleuchtung auf LED beschlossen, um möglichst viel Strom zu sparen. „Im Rat werden wir uns heute mit dem Beitritt zur Energiegenossenschaft Lehrte/Sehnde befassen, die im ersten Anlauf drei große Fotovoltaik-Anlagen auf öffentlichen Gebäuden errichten soll“, erklärt Verwaltungschef Wolfgang Moegerle. Für die Gemeinde gelte es, im Dialog die Bürger als Nutzer von öffentlichen Gebäuden und Einrichtungen dafür zu sensibilisieren, sparsam mit Energie umzugehen.

Andere Gemeinden wie etwa Sibbesse, Nordstemmen und Söhlde wägen ebenfalls ab, was sie möglicherweise in der Krise unternehmen. „Überlegungen gibt es in der Verwaltung und in den politischen Gremien“, so René Marienfeldt, Bürgermeister von Söhlde. „Mittlerweile liegen Anträge von Ratsmitgliedern vor, die Sofortmaßnahmen beim Verbrauch oder alternative Energien fordern.“ Es gebe jedoch noch nichts Greifbares. Auch die Stadt Hildesheim prüft, wie sie den Energieverbrauch reduzieren kann.

Wozu der Deutsche Städte- und Gemeindebund rät

Der Deutsche Städte- und Gemeindebund rät unterdessen dringend dazu, den Verbrauch zu senken. Wenn sich die Lage weiter zuspitzt, sollten in den Kommunen „konkrete Einsparpläne“ entwickelt werden, so Hauptgeschäftsführer Gerd Landsberg. Im Einzelnen nannte er etwa eine Absenkung der Temperaturen in den Verwaltungsgebäuden, eine Reduzierung der Temperatur in Schwimmbädern, möglicherweise auch die zeitweise Schließung einzelner Einrichtungen.

Umgekehrt müsse aber auch festgelegt werden, wo eine Temperaturreduzierung nicht möglich sei, etwa in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen. Landsberg verlangt, dass Bürgerinnen und Bürger über Eingriffe regelmäßig informiert werden. „Wir kommen nur gemeinsam durch die Krise, das heißt die Menschen müssen das Mittragen“, so Landsberg weiter.

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