Kreis Hildesheim - Ende Januar kochte das Thema eines hohen Krankenstandes unter Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern in Deutschland wieder einmal hoch. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hatte sich dazu geäußert, den Krankenstand als im internationalen Vergleich zu hoch kritisiert und dafür unter anderem die Möglichkeit der telefonischen Krankschreibung verantwortlich gemacht. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CDU) sekundierte: „Das Blaumachen muss reduziert werden.“ SPD und Gewerkschaften übten Kritik an Merz’ Aussagen.
Psychische Erkrankungen als häufigster Grund
Nun liegen erste Zahlen für das vergangene Jahr vor. Mit der DAK-Gesundheit hat eine der großen deutschen Krankenkassen die Daten ihrer Mitglieder für 2025 ausgewertet, auch für einzelne Landkreise. Das Ergebnis: Mit 5,8 Prozent lag der Krankenstand geringfügig über dem Werten des Jahres davor (5,5 Prozent). Das bedeutet, dass pro Kalendertag im Durchschnitt 58 von 1000 Beschäftigten arbeitsunfähig geschrieben sind. Im Durchschnitt sind Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im vergangenen Jahr an 21 Arbeitstagen ausgefallen.
Die häufigste Ursache für Fehlzeiten waren psychische Erkrankungen. 2024 waren diese noch lediglich für die drittmeisten Fehltage ausschlaggebend, doch nun gab es einen gravierenden Anstieg. Psychische Erkrankungen machten durchschnittlich 4,41 statt zuvor 3,67 Fehltage je Arbeitnehmer aus. Es folgten Atemwegserkrankungen (4,28 statt 4,04 Tage je Arbeitnehmer). Muskel-Skelett-Erkrankungen wie der klassische „Rücken“ gingen hingegen zurück, sie machten nur noch 3,43 statt zuvor 3,71 Fehltage pro Arbeitnehmer aus. Insgesamt liegen die Fehlzeiten im Kreis Hildesheim leicht über dem niedersächsischen Durchschnitt. Dabei können aber auch Durchschnittsalter und Branchenmix in einer Region eine Rolle spielen.
Telefonische Krankschreibung gar nicht der Auslöser?
„Der Krankenstand hat sich auf einem hohen Niveau eingependelt“, kommentiert Ulrike Hagemann, stellvertretende Leiterin des DAK-Servicezentrums in Hildesheim. „Deswegen ist es richtig und notwendig, eine fundierte Ursachenforschung voranzutreiben.“
In der telefonischen Krankschreibung, die es bereits seit 2020 gibt, sieht die DAK-Gesundheit nicht die Hauptursache für den hohen Krankenstand. Deren Einführung habe keinen signifikanten Anstieg mit sich gebracht. Anders sehe es mit der Umstellung auf die elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung im Jahr 2022 aus. „Seit die Versicherten sie nicht mehr selbst an die Krankenkassen übermitteln müssen, werden Krankmeldungen vollständiger erfasst“, stellte die DAK im Januar fest. Das hieße: Vorher waren die Arbeitnehmer auch nicht seltener krank, aber die Statistik war noch nicht so genau.
Was Firmen tun können
Mit Blick auf den Krankenstand setzt die DAK-Gesundheit indes nicht zuletzt auf die Arbeitgeber: „Ein starkes betriebliches Gesundheitsmanagement schafft die Basis dafür, dass Mitarbeitende gesund, motiviert und leistungsfähig arbeiten können – somit ist es zugleich eine Investition in die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens“, sagt Ulrike Hagemann. „Wir unterstützen Arbeitgeber dabei, arbeitsbedingte Belastungen zu verringern und ein nachhaltiges Gesundheitsmanagement aufzubauen“, so Hagemann.
Im Landkreis Hildesheim hatte zuletzt zudem eine Firma für Aufsehen gesorgt, der es zumindest vorerst gelang, den Krankenstand mithilfe einer Anwesenheitsprämie zu reduzieren.
