Kreis Hildesheim - Die Lage ist ernst, aber stabil – so bringt es Kreisbrandmeister Mathias Mörke am frühen Montagmittag auf den Punkt. Die Hochwassergefahr sei noch nicht gebannt, „aber kommunal händelbar“, sagt Mörke. Am Samstagabend war beim Landkreis der zentrale Krisenstab vorerst aufgelöst worden, und wird es auch vermutlich bleiben. Dass heiße aber nicht, dass nicht alle kritischen Stellen im Blick behalten würden und der Stab innerhalb kürzester Zeit erneut am Start sein könne. Dafür sei alles vorbereitet. Derzeit hätten die Kommunen aber alles im Griff und würden sich gegenseitig gut unterstützen.
Lage weiter angespannt
Dabei ist auch die Berufsfeuerwehr aus Hildesheim, die am frühen Montagmittag beispielsweise in Alfeld aushilft. Dort ist auch Mörke gerade angekommen und schaut sich unter anderem die Regenrückhaltebecken an, die die Warne entlasten. Wie in Alfeld stellt sich die Situation an fast allen Hochwasser gefährdeten Stellen im Landkreis dar: Die Lage ist ausgesprochen angespannt. „Wir gegen derzeit davon aus, dass das auch die nächsten 24 Stunden so bleiben wird“, sagt Mörke und rechnet in den kommenden Stunden mit Pegelständen von weiterhin 4,20 Meter für die Leine an der Poppenburg und 6,20 Meter für die Innerste bei Heinde.
Das sei natürlich viel, aber akute Gefahr bestehe dennoch nicht. Am Sonntagabend seien alle Dämme mit Drohnen abgeflogen worden. Schadstellen, die ihm Sorgen machen, gibt es danach nicht. „Aber klar, wir können natürlich nicht reinschauen“, sagt er. Fakt sei aber auch, die wirklich kritischen Stellen der Dämme lägen noch trocken. „Das sind die letzten 60 bis 80 Zentimeter“, erklärt der Kreisbrandmeister und erinnert an 2017, als die Innerste noch einen guten Meter höher stieg. Auch Deichexperten des THW seien an der Innerste vor Ort gewesen und hätten kontrolliert. Deren Ergebnis: Die Durchnässung der Dämme sei noch nicht kritisch.
Aber der Kreisbrandmeister sagt auch „die Lage ist dynamisch.“ Heißt: Das Blatt kann sich schnell wenden. Zum Beispiel, wenn die im Harz angekündigten Regenfälle tatsächlich 60 bis 90 Liter pro Minute bringen und die volle Innerstetalsperre stärker abgelassen werden muss. „Da blicke ich schon sorgenvoll hin“, sagt Mörke.
Er steht in engem Kontakt mit dem Niedersächsischer Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN). Er hält über den Polder Salzderhelden auch die Leine noch einigermaßen im Zaum. Das werden die Anwohner in Sarstedt und vor allen Dingen in Ruthe natürlich etwas anders sehen. Die haben nämlich dennoch bereits jetzt mit Überschwemmungen zu kämpfen.
Eingespielte Teams
Mit Blick auf die vergangenen zwei Tage ist Mörke ganz zufrieden mit den Abläufen. Die Teams seien überall ausgesprochen eingespielt. „Seit 2017 hat sich viel getan“, sagt er. Und meint Kooperationen wie auch Investitionen in Material. „Bad Salzdetfurth hat eine Sandsackfüllmaschine angeschafft, der Landkreis zwei, die in Sarstedt und Holle im Einsatz waren, das hat es 2017 nicht gegeben und war jetzt eine große Hilfe“, nennt Mörke ein Beispiel. Auch sei die Zusammenarbeit deutlich konstruktiver geworden.
Am heutigen Montag wird Mörke seine Rundreise durch den Landkreis weiter fortsetzen. Gegen Abend wird sich das Team auf Kreisebene noch einmal austauschen. Dann will er noch eine Prognose für die Nacht abgeben.
Auch am Montag informiert die HAZ wieder per Liveticker über die aktuellen Entwicklungen.
