Schneller Abschluss

Krise? Welche Krise? Alfelder Firma zahlt vier Prozent mehr Lohn

Alfeld - Bei Nutella-Zulieferer Meyer Seals gibt es neben der Tariferhöhung auch noch Sonderzahlungen – weil das Unternehmen trotz Corona kräftig wächst.

Das bekannteste Produkt von Meyer Seals in Alfeld sind Deckeleinlagen für Nutella-Gläser. Sie sorgen für das typische "Klack". Foto: HAZ-Archiv

Alfeld - Keine Entgelterhöhung bis zum Jahresende – darauf haben sich die IG Metall und und die Arbeitgeber der niedersächsischen Metall- und Elektroindustrie geeinigt. Die Priorität der Gewerkschaft lag darauf, in der Corona-Krise Arbeitsplätze zu erhalten. Doch bei einzelnen Unternehmen kann das ganz anders aussehen: Beim Alfelder Dichtungs-Hersteller Meyer Seals bekommen die rund 250 Mitarbeiter von Juni an vier Prozent mehr Gehalt, zudem gibt es Sonderzahlungen, vorab wurde noch eine Extra-Prämie vereinbart.

Umsatz steigt

Das 1879 gegründete Familien-Unternehmen aus dem Hildesheimer Südkreis bekommt die Corona-Krise bisher nur in Form verschärfter Hygiene-Vorkehrungen zu spüren. Von Umsatzeinbußen oder gar Kurzarbeit ist hingegen keine Rede, im Gegenteil. Im Vorjahr stieg der Umsatz auf 67 Millionen Euro, in diesem Jahr sollen es noch einmal 5 Millionen Euro mehr werden.

Geschäftsführer Ulrich Behre wollte nach eigenen Angaben „ein Signal an die Belegschaft“, einen schnellen Abschluss und Planungssicherheit. Auch, weil er nach der Corona-Krise eine Inflation fürchtet. Der neue Tarifvertrag gilt bis Juni 2022. „So langfristig haben wir das noch nie gemacht“, sagt Behre und klingt froh, sich nun wieder voll aufs Geschäft konzentrieren zu können.

Fürs Nutella-Glas

Das läuft zu 70 Prozent im Lebensmittel-Bereich und ist wohl auch deshalb wenig krisenanfällig. „Gegessen und getrunken wird immer“, sagt Geschäftsführer Behre. In der Branche bekannt sind die Alfelder vor allem für jenes Deckeleinlagen-Patent, das dafür sorgt, dass beim ersten Öffnen eines Nutella-Glases das charakteristische „Klack“ ertönt.

Meyer Seals liefert in alle Welt, forciert derzeit sein Engagement auf dem südamerikanischen Markt. In Alfeld arbeiten deshalb inzwischen unter anderem ein Brasilianer, eine Kolumbianerin, demnächst kommt eine Frau aus Ecuador hinzu. „In Lateinamerika sehen wir großes Potenzial“, sagt Geschäftsführer Behre.

Zwei Sonderzahlungen

Neben vier Prozent mehr Lohn und Gehalt gibt es eine Einmalzahlung von 150 Euro pro Mitarbeiter. Für Mai gibt es zudem auf Basis einer separaten Betriebsvereinbarung einmalig 1500 Euro dazu, Auszubildende bekommen jeweils die Hälfte. Die IG Metall zeigte sich ihrerseits hochzufrieden: „Die Abschluss zeigen, dass Beschäftigte bei Meyer Seals auch finanziell für die zusätzlichen pandemiebedingten Belastungen einen würdigen Ausgleich erhalten“, sagte der zweite Bevollmächtigte im Bereich Hildesheim-Hameln-Alfeld, Mathias Neumann.

  • Region
  • Alfeld
Anmerkung zum Artikel

Sie haben einen Fehler im Artikel gefunden? Oder haben Sie weitere Informationen zu dem Thema für uns? Dann teilen Sie uns diese gerne mit.