Neuorganisation

Künftig drei Arten von Wagen: So wird der Rettungsdienst im Kreis Hildesheim neu aufgestellt

Kreis Hildesheim - Bisher werden Rettungswagen im Kreis Hildesheim für ganz unterschiedliche Aufgaben eingesetzt. Künftig soll es ein differenziertes System mit drei verschiedenen Wagen und Besatzungen unterschiedlicher Qualifikation geben.

Ein Rettungswagen im Einatz. Foto: Chris Gossmann

Kreis Hildesheim - Anstelle der Mehrzweckfahrzeuge für den Rettungsdienst will der Landkreis Hildesheim künftig mit einem differenzierten System von verschiedenen Einsatzfahrzeugen die jeweiligen Fachkräfte entsprechend ihrer Qualifikation fokussierter einsetzen. Während die Rettungswagen heute nach einem Mischsystem Aufgaben von der Notfallversorgung bei einem Verkehrsunfall bis zum Krankentransport nach einer ärztlichen Einweisung erfüllen, sollen mit dem Beginn der neuen Ausschreibungsperiode ab 2026 drei Arten von Fahrzeugen eingeführt werden.

Die erste Kategorie sind die Rettungstransportwagen (RTW) mit Notfallsanitätern, die bei akuten Erkrankungen oder Verletzungen eingesetzt werden. Die zweite Kategorie sind Notfallkrankentransportwagen (NKTW), auf denen meist Rettungssanitäter oder Rettungsassistenten eingesetzt sind. Sie werden für Fahrten genutzt, bei denen die Patienten während der Fahrt von qualifiziertem Personal medizinisch überwacht werden müssen.

Hochqualifiziertes Personal oft bei Fahrten, bei denen es nicht nötig ist

„Mit der Neuregelung müssen wir weniger Rettungstransportwagen vorhalten“, sagte Rouven Lauenstein-Wagner vom Amt für Bevölkerungsschutz beim Landkreis in der jüngsten Sitzung des Kreisverkehrssicherheitsausschusses, „bisher schicken wir das hochqualifizierte RTW-Personal zu jedem Krankentransport.“ Dritte Kategorie sind die Krankentransportwagen (KTW), die lediglich mit grundlegender medizinischer Ausrüstung versehen sind. Die KTW verlegen Patientinnen und Patienten zwischen Krankenhäusern oder befördern sie bei geplanten Krankenfahrten.

Der neue Rettungsdienstbedarfsplan dient der Ausschreibung des Rettungsdienstes für den neuen Vergabezeitraum von 2026 bis 2030. Die Erste Kreisrätin Evelin Wissmann wirbt für das neue Konzept. „Es soll nicht der Eindruck entstehen, dass wir uns verschlechtern“, sagt Wissmann, „wir wollen vermeiden, dass die RTW aufgrund von Transportfahrten nicht für Rettungseinsätze zur Verfügung stehen.“ Das unterstützt auch Prof. Georg von Knobelsdorff, Leitender Notarzt im Landkreis Hildesheim: „Die Notfallsanitäter sind hochqualifiziertes Personal. Für sie ist das ein Sprung nach vorne.“ Er berichtet davon, dass die Motivation der Notfallsanitäter für ihre Arbeit sinkt, wenn sie häufig unterhalb ihrer Qualifikation als Transportfahrer eingesetzt werden.

Tätigkeit als Notfallsanitäter soll attraktiver werden

Die Fokussierung der Mitarbeiter im Rettungsdienst gemäß der jeweiligen Qualifikation ist dabei auch eine Frage der Kosten und der Verfügbarkeit von Personal. Wissmann dazu: „Für eine größere Anzahl an Fahrzeugen haben wir nicht das Geld und wir haben auch zu wenig Notfallsanitäter.“ Die Tätigkeit als Notfallsanitäter soll für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auch attraktiver werden, wenn sie vermehrt gemäß ihrer Qualifikation eingesetzt werden.

Die CDU-Fraktion des Kreistages lässt am neuen Rettungsdienstbedarfsplan kein gutes Haar. „Wir stimmen dem Beschlussvorschlag nicht zu, weil wir höhere Anforderungen anstreben“, sagt der CDU-Fraktionschef Friedhelm Prior. Ihn stört vor allem, dass es keine Daten darüber gibt, um welche Zeit die Rettungswagen die gesetzlich vorgeschriebenen Eintreffzeiten überschreiten. Daher möchte er eine Erfassung der Zeitüberschreitungen in den Ausschreibungsbedingungen für die Rettungsdienste sehen. Dem widerspricht Wissmann: „Das ist Aufgabe der Leitstelle, wenn man die Zeiten ermitteln möchte.“

Der Ausschuss stimmt mit den Stimmen der Mehrheitsgruppe um SPD und Grüne der Neufassung des Rettungsdienstbedarfsplans zu. Das letzte Wort hat das Kreistagsplenum am kommenden Donnerstag, 28. November.

Von Andreas Mayen

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