Hildesheim - Die Kulturfabrik Löseke deckt ab sofort etwa die Hälfte ihres Strombedarfs über eine Photovoltaik-Anlage. 110.000 Euro haben die 172 Module auf dem Dach des soziokulturellen Zentrums gekostet. Insgesamt schlagen alle nötigen Arbeiten mit knapp 175.000 Euro zu Buche. Geschäftsführer Stefan Könneke hofft, durch die Investition etwa 15.000 Euro an Stromkosten jedes Jahr einsparen zu können.
Bevor die Sonnenlichtkollektoren überhaupt aufs Dach am Langen Garten konnten, musste die Dachhaut erstmal erneuert werden. 35.000 Euro hat Firma Löseke als Eigentümerin des Gebäudes dafür ausgegeben. Nach 20 Jahren konnten in dem Zuge auch Dachrinnen erneuert und andere kleine Arbeiten vorgenommen werden. Das Land hat danach 12.000 Euro für ein Geländer an der Nordseite gegeben. 18.000 Euro wiederum hat die Kulturfabrik in Eigenleistung aufgebracht, um 1200 Quadratmeter Fassade neu zu verfugen.
70.000 Kilowattstunden verbraucht die Kufa im Jahr
„Da hatten wir zehn Zentimeter tiefe Fugen“, erinnert sich Könneke. „Durch die konnten wir schon durchgucken.“ Überhaupt waren die Arbeiten an dem Gebäude abenteuerlich. Auch einen neuen Verteilerkasten brauchte es, bevor die Anlage ans Netz gehen konnte. Das bisherige Modell stammte aus den 50ern, verfügte dementsprechend über Keramiksicherungen. „Es war ein größeres Projekt als gedacht“, gibt Könneke zu. Die PV-Anlage selbst konnte sich sein Haus auch nur durch Zuschüsse vom Land (60.000 Euro) und der Stadt (50.100 Euro) leisten.
Rechnen soll sie sich aber. 70.000 Kilowattstunden Strom hat die Kulturfabrik im vergangenen Jahr verbraucht. Eine „erwartbare Summe“ für ein Veranstaltungszentrum, findet Floyd Janning, Geschäftsführer der Hildesheimer Firma Sonnentaler, die die Anlage installiert hat. In einer Einrichtung wie der Kulturfabrik tragen zum einen die Verbrauchsspitzen vom Abendprogramm zum Verbrauch bei, wenn die Boxen wummern und die Scheinwerfer leuchten. Aber auch tagsüber zieht zum Beispiel die Kühlung für die Gastronomie ordentlich Strom.
26 Tonnen CO2 pro Jahr werden eingespart
Deswegen habe Sonnentaler ein hochpreisiges Modell verbaut, erläutert Janning. „Das System kann, gestützt durch Künstliche Intelligenz, pro Tag 600 bis 800 Entscheidungen treffen.“ Auf Basis von Wetterdaten, Pausenzeiten und dem Börsenpreis kalkuliert die Anlage, wann wie viel Leistung nötig ist. Etwa 65.000 Kilowattstunden produzieren die Module im Jahr. 45 Prozent davon kann die Kulturfabrik selbst verbrauchen. Der Rest speist sich ins Stromnetz ein, bei einer Vergütung von 6 bis 8 Cent pro Kilowattstunden. Etwa 3000 Euro verdient die Kulturfabrik dadurch im Jahr, schätzt Könneke.
Mehr zu Buche soll die Einsparung bei den Stromkosten schlagen. 30.000 Euro waren dafür im Vorjahr fällig, 12.000 Euro weniger sollen es dank der Anlage sein. Macht zuzüglich der Vergütung die angepeilten 15.000 Euro und damit die Hälfte. Nebeneffekt sind 26 Tonnen eingespartes CO2 pro Jahr. Vorerst haben sich Janning und Könneke gegen einen Speicher in der Kulturfabrik entschieden. Unter anderem sei der schlicht zu teuer. „Da warten wir noch drei bis fünf Jahre“, bestätigt Könneke. Zumindest zu warten kann sich das strukturell unterfinanzierte Haus leisten. Die Photovoltaikanlage hat eine Leistungsgarantie von 86 Prozent über 25 Jahre.

