Von Andrea Hempen
Söhlde. Nicht einen Tag hat Britta Poloczek daran gezweifelt, dass ihre Entscheidung richtig war. Vor zehn Jahren zog die Ingenieurin nach Söhlde und eröffnete dort das Kunstcafé „The Barn“ (zu deutsch: Die Scheune). Ein Familienunternehmen, Betreiber ist der Verein zur Förderung kooperativer Erziehung, den Poloczek gegründet hat. Das Geld, das im Café verdient wird, fließt in den Verein. Damit bezahlt Poloczek Fachleute, die verschiedene Kurse geben, etwa malen oder nähen anbieten. Vier bis fünf Kurse gibt es in der Woche. Die Adressaten sind ausschließlich Jugendliche und Kinder. Deswegen wird im Café auch kein Alkohol ausgeschenkt. „Das passt nicht zusammen“, sagt Poloczek. Was passt, ist Kunst an den Wänden, Musik an Sonntagen und selbstgebackener Kuchen, der viele Fans hat. Ein ungewöhnliches Konzept für ein Dorfcafé.
„,The Barn’ hat sich zu einer Institution in Söhlde entwickelt“, sagt Thomas Schwarz, Vorsitzender der Dorfgemeinschaft Söhlder Vereine und SPD-Ortsratsmitglied. Das Café lief von Anfang an gut. Einzig die Söhlder ließen etwas auf sich warten. „Es dauerte wohl so fünf Jahre, bis die zu uns kamen“, sagt die Frau mit den signalroten Haaren. Mittlerweile sind die Öffnungszeiten des einzigen Lokals im Ort ausgeweitet und das Personal aufgestockt. Poloczek, die in Sarstedt bei Kelvion ihren Lebensunterhalt verdient, hat ihre Arbeitszeit reduziert, um auch mal einen freien Tag in der Woche für sich zu haben. Eine feste Kraft, Schüler und Studenten unterstützen Poloczek, ihren Ehemann Roland, ihren Bruder Björn Bettlewski und Mutter Birgit im Service. Denn in die Straße Im Sinke ist vor zehn Jahren nicht nur ein neues Café eingezogen, sondern eine ganze Familie in ein Mehrgenerationenhaus. Auch das habe sich absolut bewährt, sagt Poloczek. Ihre Mutter, die damals von Hamburg nach Söhlde zog, arbeitet mit – so wie es ihre Kräfte zulassen.
Poloczek ist eine leidenschaftliche Bäckerin – das bekommen ihre Gäste zu spüren. „Wir haben mit Rezepten von Oma angefangen und sie immer weiter verfeinert“, erzählt die Wahl-Söhlderin. Die gesammelten Werke hat sie in einem Backbuch (ISBN-13: 9783748171133) zusammengefasst. Ihr Mann ist Fotograf und setzte die Torten ins rechte Licht. „Mein Lieblingskuchen ist der Blaue Heinrich“, schwärmt Thomas Schwarz, der zu den Stammgästen gehört.
Am 1. Mai ist das Café von 12 bis 17 Uhr geöffnet. Eine halbe Stunde später startet die vom Verein Dorfgemeinschaft und „The Barn“ organisierte Maifeier. „Wir haben ein tolles Programm zusammengestellt“, kündigt der Chef der Dorfgemeinschaft an. Ab 17.30 Uhr spielen im Garten der Posaunenchor, der Kirchenchor singt und die Prinzengarde vom Theaterverein ist auch mit von der Partie. Es wird Fischbrötchen geben, Gegrilltes, der Irish-Pub-Wagen rollt an, für die Bewohner des Altenheimes gibt es Sitzplätze. Ab 19 Uhr spielen Cherry Casino & the Gamblers. Beim Aufbau wird die Feuerwehr mit anpacken. Die Retter richten am Abend zuvor den Tanz in den Mai im Feuerwehrgerätehaus aus. „Das Tolle an Söhlde ist die Dorfgemeinschaft. Dass man zusammen etwas auf die Beine stellt“, sagt Poloczek. Klar, dass sie auch Mitglied im Verein ist.
Öffnungszeiten: mittwochs, donnerstags, Freitags von 14 bis 18 Uhr, samstags und sonntags von 10 bis 18 Uhr.
