Ausbreitung des Coronavirus

Land erklärt Inzidenz-Chaos – so soll es künftig vermieden werden

Hildesheim/Hannover - Das Land Niedersachsen erläutert, wie die unterschiedlichen Inzidenzwerte zustande kommen - und zieht Konsequenzen. Klar ist: Die RKI-Daten werden weiter oft eher niedriger sein.

Die Zahlen des Robert-Koch-Instituts sind maßgeblich für die Lage im Landkreis Hildesheim - warum sind sie oft so anders als die vom Land? Foto: Chris Gossmann

Kreis Hildesheim - Das Land Niedersachsen will künftig keine eigenen Zahlen zur Sieben-Tage-Inzidenz für Neuinfektionen mit dem Coronavirus mehr veröffentlichen. Das hat das Landesgesundheitsamt am Montag auf HAZ-Nachfrage angekündigt. Zuvor hatte es große Verwirrung bei vielen Bürgerinnen und Bürgern und selbst bei vielen Behörden gegeben, weil die Landesbehörde meist andere Daten veröffentlicht als das Robert-Koch-Institut (RKI).

Das Problem dabei: Bis Mitte vergangener Woche waren die vom Land veröffentlichten Inzidenzwerte entscheidend dafür, ob es in einem Landkreis zu Verschärfungen oder Lockerungen von Corona-Maßnahmen kam. Mit Einführung der bundesweiten Corona-Notbremse am Sonnabend wurden aber durch das neue Infektionsschutz-Gesetz die RKI-Daten offiziell zur maßgeblichen Richtgröße.

Notbremse verhindert

Die von beiden Institutionen veröffentlichten Werte unterschieden sich allerdings meist erheblich. Von Mittwoch bis Sonntag vergangener Woche lagen sie an vier von fünf Tagen jeweils um die 20 Punkte auseinander. Nur an einem Tag waren die Daten von Landesgesundheitsamt und RKI gleich. Ansonsten lagen die Werte des Robert-Koch-Instituts stets deutlich niedriger.

Gerade im Kreis Hildesheim hatte das erhebliche Auswirkungen: Nach den Inzidenzwerten des Landes hätten Kitas und Schulen bereits in der Vorwoche wieder schließen müssen – weil die Inzidenz dreimal hintereinander über 100 lag. Weil das RKI jedoch jeweils viele besonders aktuelle Corona-Fälle nicht berücksichtigte, lagen seine Zahlen meist darunter – und so musste der Landkreis die Notbremse bislang nicht ziehen, obwohl die Voraussetzungen offenkundig gegeben waren.

So arbeitete das Land

Wer auf der Internetseite des Landesgesundheitsamtes nachschaute, wurde bereits am Montagnachmittag auf das Dashboard des RKI weitergeleitet. „Dessen Zahlen sind ausschlaggebend für etwaige Maßnahmen. Zudem wird dadurch auch möglichen Missverständnissen durch unterschiedliche Fallzahlen vorgebeugt“, erklärte ein Sprecher des Landesgesundheitsamtes.

Doch wie kam es zu den meist so deutlich unterschiedlichen Zahlen? Die HAZ kann nach Rücksprache mit Landkreis, Land und RKI die Meldewege nachzeichnen. Um bei den jüngsten Tagen zu bleiben: Am Samstag zwischen 16 und 18 Uhr sendete der Landkreis eine Datei mit aktuellen Fallzahlen an das Landesgesundheitsamt. Dort wurde die Datei am Sonntag um 9 Uhr ausgelesen. Andere Kreise meldeten noch weit später. Die Landesbehörde veröffentlichte dann alle Fallzahlen, die ihr am gleichen Tag bis 8.30 Uhr gemeldet wurden, noch am Vormittag.

So arbeitet das RKI

Das RKI nimmt hingegen nur die Daten, die ihm bis zum vorhergehenden Abend aus den Ländern vorlagen. Fälle, die von 19 Uhr am Abend bis 8.30 Uhr am Morgen hinzukamen und vom Landesgesundheitsamt noch berücksichtigt worden wären, fließen beim RKI nicht mehr ein. „Und das sind gerade derzeit und an Tagen mit insgesamt hohem Aufkommen sehr viele Fälle“, heißt es beim Landesgesundheitsamt.

Am jeweils aktuellsten der sieben zu wertenden Tage berücksichtigt das RKI also oft nur einen Bruchteil der tatsächlichen Fälle, so dass insgesamt auch die Inzidenz niedriger ausfällt. So läuft es an vielen Tagen, aber nicht immer: Am Samstag etwa stimmten die Zahlen von Land und RKI überein, am Sonntag schon wieder nicht. Am Montag gab es keine Landes-Zahlen mehr.

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