Bad Salzdetfurth - Wo einst Menschen Urlaub machten, haben seit Oktober 2022 viele Geflüchtete aus der Ukraine ein vorübergehendes Zuhause gefunden. Das leerstehende ehemalige Relexa-Hotel in Bad Salzdetfurth dient dem Landkreis Hildesheim seit gut anderthalb Jahren als Flüchtlingsunterkunft – doch nun bahnt sich eine wesentliche Veränderung an: Der Landkreis Hildesheim fordert Flüchtlinge zum Auszug auf.
In Spitzenzeiten lebten in der Unterkunft an der Peesel, die im Auftrag des Landkreises vom Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) betreut wird, mehr als 150 Frauen, Männer und Kinder aus der Ukraine. Viele von ihnen nur für kurze Zeit. Die einen zog es wieder zurück in die Heimat, die anderen entschieden sich zu bleiben und suchten sich in der Region Hildesheim eine eigene Wohnung. Rund 1800 Frauen, Männer und Kinder aus der Ukraine leben derzeit in der Region Hildesheim – und 77 von ihnen noch immer im Relexa.
Es werden mehr Geflüchtete erwartet
Seit Januar dieses Jahres leben aber nicht nur im dortigen Oberhaus Familien, sondern sind auch im Unterhaus Menschen untergekommen: Stand Mittwoch sind es 38 Personen aus der Türkei, aus China, Syrien, Afghanistan, Kolumbien, Iran und dem Südsudan. Und der Landkreis Hildesheim erwartet noch deutlich mehr Gefüchtete.
Vor wenigen Wochen hat die Landesaufnahmebehörde die neue Verteilquote von Asylbewerbenden mitgeteilt. Demnach muss der Landkreis Hildesheim bis Ende September 713 Asylbewerbende aufnehmen. Gegenwärtig erreichen den Kreis Hildesheim wöchentlich zehn Personen über die Landesaufnahmebehörde. Trotz der im Vergleich zum vorherigen Halbjahr (803 Personen) leicht rückläufigen Quote sei damit keine Entspannung in der Unterbringungsproblematik gegeben. „Der Landkreis sucht nach wie vor geeignete Liegenschaften und richtet insbesondere jetzt den Blick auf das ehemalige Relexa-Hotel“, so Birgit Wilken, Pressesprecherin des Landkreises. Eben auch auf das Oberhaus, in dem gegenwärtig noch die 77 Ukrainer leben. Da dieser Personenkreis nicht unter das Asylbewerberleistungsgesetz falle, sei der Landkreis nicht verpflichtet, ihnen Wohnraum zur Verfügung zu stellen. Übergangsweise konnten die Menschen zwar in der Unterkunft bleiben, „doch perspektivisch muss der Landkreis im Zusammenwirken mit den Städten und Gemeinden auf die von ihnen belegten Kapazitäten zurückgreifen“. Heißt: Die Betroffenen erhalten die Aufforderung, bis zum 30. September aus dem Relexa auszuziehen. Das sei mit der Kreispolitik abgestimmt und auch Bad Salzdetfurths Bürgermeister Björn Gryschka wurde über die Maßnahme informiert. Nach dem Auszug der Ukrainer und Ukrainerinnen könnten also insgesamt in beiden Hotelgebäuden knapp 300 geflüchtete Weltbürger leben.
Schwierige Suche nach Wohnraum
Die Suche nach Unterkünften für Asylbewerbende sei noch immer das beherrschende Thema im wöchentlich tagenden Arbeitsstab des Landkreises zur Unterbringungskrise, so Wilken. „Wir gehen jedem Angebot nach und recherchieren selbst. Aber nicht jede Liegenschaft ist auch tatsächlich geeignet“, erklärt Landrat Bernd Lynack. Was manchmal auf den ersten Blick wie eine gute Lösung wirke, könne sich etwa aufgrund mangelnden Brandschutzes, Beschränkungen durch die Lage oder den immensen Aufwand zur Ertüchtigung einer Immobilie zerschlagen. „Mittlerweile diskutieren wir auch – wie die Stadt Hildesheim – Containerstandorte. Bevor wir aber darauf zurückgreifen, müssen wir das Relexa in unsere Kapazitäten für Asylbewerbende einbeziehen. Die Entscheidung für den Auszug der Ukrainerinnen und Ukrainer ist nach reiflicher Überlegung und intensiver Diskussion gefallen und wir haben es uns nicht leicht gemacht. Doch die Unterbringung von Asylbewerbenden, zu der wir gesetzlich verpflichtet sind, muss Priorität haben“, erklärt Lynack.
Die Geflüchteten aus der Ukraine haben nun einige Monate Zeit, sich eigenen Wohnraum zu suchen. Dabei sind sie nicht auf die Stadt Bad Salzdetfurth beschränkt, sondern frei in der Wohnortwahl. „Wer bis zum Auszugsdatum keine Wohnung gefunden hat, muss aber keine Obdachlosigkeit befürchten. Wir werden uns dann um eine Lösung bemühen“, versichert der Landrat.
