Hildesheim - Freitag in einer Woche hätte es losgehen sollen. Doch das Late-Night-Shopping in der Hildesheimer Innenstadt am 10. September fällt aus. Einstimmung beschlossen vom Vorstand der „Freundlichen Hildesheimer“. „Ich bin absolut enttäuscht“, sagt Senab Özkan, die Vorsitzende der Werbegemeinschaft und Inhaberin des Handelshauses Schlegel in der Schuhstraße. Seit mehr als einem Jahr stand der Termin bereits fest, spätestens Anfang des Jahres hätte auch der Letzte ihn dem Veranstaltungskalender von Hildesheim Marketing entnehmen können.
Doch als die Werbegemeinschaft am Montag vor einer Woche die mehr als 350 Kaufleute, Gastronomen und Dienstleister in der Innenstadt anmailte, kamen gerade einmal 15 Zusagen sowie eine einzige Absage zurück. Nicht einmal alle 64 Mitglieder der Werbegemeinschaft hatten es demnach für nötig erachtet, hinter der Aktion zu stehen und sich zu erklären. Ganz zu schweigen von den Marktteilnehmern, die von den Aktivitäten des Vereins profitieren, sich selbst aber fern halten und die Mitgliedsbeiträge sparen.
„Langsam ist das Fass voll“
Die maßlose Enttäuschung über die fehlende Resonanz ist Senab Özkan anzumerken. „Der Vorstand buttert aus Liebe zur Hildesheimer Innenstadt jede Woche 15 bis 20 Stunden ehrenamtliche Arbeit rein. Langsam ist das Fass voll.“
Über Jahre hinweg war das Veranstaltungsduo aus Pflasterzauber, das von Hildesheim Marketing veranstaltet wird, und dem Late-Night-Shopping der Werbegemeinschaft ein Quotenbringer und Selbstläufer. Selbst zu später Stunde bekam man in der Fußgängerzone oftmals kaum ein Bein auf die Erde.
Im vergangenen Jahr wendete sich das Blatt: Wegen Corona wurde der Pflasterzauber nicht mehr durch die halbe Innenstadt gezogen, sondern auf dem Parkdeck der Galeria Kaufhof konzentriert. Zudem trauten sich wegen der Virusgefahr augenscheinlich deutlich weniger Menschen in die Stadt als sonst üblich.
Kunden vor verschlossenen Türen
Die Folge war, dass viele Kaufleute nicht, wie angekündigt, bis 22 Uhr ihre Läden offen hielten, sondern einfach dicht machten und damit auch die noch verprellten, die eigens zum Shoppen zu später Stunde in die Stadt gefahren waren.
In diesem Jahr soll der Pflasterzauber sich wieder über mehrere Orte verteilen. Zudem sind inzwischen so viele Leute geimpft, dass die Gefahrenlage bei Einhaltung der vertrauten Hygieneregeln deutlich geringer wäre als 2020. Doch augenscheinlich steht der Mehrzahl der Kaufleute nicht der Sinn nach Mondschein-Shopping.
Stelzenläufer abgesagt
Özkan und Team blieb damit gar nichts anderes übrig, als die gebuchten Stelzenläufer wieder auszuladen und die vorbereitete Werbekampagne zu stoppen. Zwischen 3000 und 5000 Euro wollten die Freundlichen Hildesheimer investieren, um sich und ihre Waren und Dienstleistungen mal wieder vor großem Publikum ins Gespräch zu bringen. Doch daraus wird nun nichts. „Es tut mir leid für diejenigen, die gerne mitgemacht hätten. Aber bei so wenig Resonanz hätten wir letztlich mehr Schaden als Positives erzielt“, so Özkan.
Ende Oktober, am Freitag, dem 29., soll dann das Light-Night-Shopping mit der illuminierten Innenstadt starten. Und auch dann wollen die Kaufleute, so jedenfalls der Plan, ihre Geschäfte bis 22 Uhr öffnen. Özkan ist gespannt, wie die Resonanz tatsächlich wird. „Wir rennen uns hier im Vorstand die Hacken ab, und von den anderen kommt einfach nichts zurück.“
