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Leistenbruch: Ursachen, Symptome, Behandlungsmöglichkeiten

Der Leistenbruch ist vor allem bei Männern eine häufig auftretende Erkrankung. Knapp ein Drittel erleidet einmal im Leben einen Leistenbruch, bei Frauen sind es hingegen lediglich drei Prozent.

Prof. Dr. Jörg Pelz ist Chirurg am St. Bernward Krankenhaus. Mit seinem Team operiert er regelmäßig Leistenbrüche.

Auf die leichte Schulter nehmen sollte man die Erkrankung nicht – im schlimmsten Fall kann ein Leistenbruch zu einem Absterben des Darms führen. Deshalb sollte jeder, bei dem der Verdacht auf einen Leistenbruch besteht, sich zeitnah ärztlich untersuchen lassen.

Prof. Dr. Jörg Pelz ist Chirurg am St. Bernward Krankenhaus, leitet die Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Onkologische Chirurgie und operiert mit seinem Team regelmäßig Leistenbrüche. Er erläutert Ursachen und Symptome eines Leistenbruchs und erklärt, welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt.

Wie entsteht ein Leistenbruch?

Bei vielen Menschen ist die Neigung, einen Leistenbruch zu erleiden, tatsächlich angeboren – quasi wie eine „Sollbruchstelle“. Männer sind hierbei etwa zehnmal häufiger betroffen als Frauen. Das liegt daran, dass bei ihnen der Samenstrang durch die Bauchdecke verläuft und sie deshalb anfälliger sind.

Generell kann ein Leistenbruch aber auch „erworben“ werden und dadurch entstehen, dass ein erhöhter Druck im Bauchraum vorherrscht und zusammen mit einer Bindegewebsschwäche auftritt. Ursachen für den erhöhten Druck können eine chronische Verstopfung, eine Vergrößerung der Prostata oder eine Schwangerschaft sein. Aber auch häufiger, heftiger Husten (etwa bei COPD oder Rauchen), das Heben schwerer Lasten oder Übergewicht können zu einem Leistenbruch führen. Auch bei Sportlern kommt die sogenannte „weiche Leiste“ vor – dies ist eine beginnende Vorwölbung in der Hinterwand des Leistenkanals, die in einem Leistenbruch resultieren kann.

Was passiert bei einem Leistenbruch?

Auch wenn die Bezeichnung etwas anderes vermuten lässt: Ein wirklicher „Bruch“ wie zum Beispiel ein Knochenbruch ist ein Leistenbruch nicht. Vielmehr handelt es sich um eine Lücke im Leistenkanal, die zum Teil durch anatomische Besonderheiten von Geburt an besteht oder die sich im Laufe der Jahre aufgrund eines schwachen Bindegewebes in der Leistengegend bildet. Durch diese Lücke kann sich das Bauchfell – der sogenannte Bruchsack – schieben.

Und warum ist dies so gefährlich?

Gefährlich ist nicht die Öffnung an sich. Aber mit dem Bauchfell können auch Bauchorgane, meistens der Darm, durch diese Lücke treten und darin eingeklemmt werden. Dies kann sehr schnell zu Notfallsituationen führen, da dadurch im schlimmsten Fall Organe absterben können – zum Beispiel kann ein Darmverschluss entstehen. Daher ist der Leistenbruch ein nicht zu unterschätzendes Krankheitsbild.

Wie erkenne ich, ob ich einen Leistenbruch habe?

Wer über längere Zeit an immer wiederkehrenden Schmerzen in der Leistengegend leidet, sollte sich ärztlich untersuchen lassen. Diese Schmerzen können bei bestimmten Tätigkeiten auftreten, zum Beispiel beim Heben von Gegenständen, beim Sport oder bei der Gartenarbeit – sie können aber auch ohne wesentliche körperliche Betätigung beim Gehen oder Stehen spürbar sein. Häufig sind die Schmerzen morgens besser und verschlimmern sich im Laufe des Tages. In Ruhe und beim Liegen dagegen lassen die Leistenbruch-Symptome nach.

Es gibt auch Leistenbrüche, die asymptomatisch, also ohne Schmerzen auftreten. Betroffene berichten eher von einem unbestimmten Druckgefühl oder einem Ziehen. Manchmal beklagen sie auch geringfügige Bauchschmerzen oder ein Fremdkörpergefühl in der Leistengegend. Bei einigen Menschen ist eine Wölbung in der Leistengegend oder auch eine Schwellung am Hodensack mit dem bloßen Auge erkennbar. Auch wer dies bei sich feststellt, sollte nach Möglichkeit zeitnah einen Arzt zurate ziehen.

Wenn es zu einer Einklemmung der Organe durch den Leistenbruch kommt, merken Betroffene das hingegen sehr deutlich, da sie dann starke Schmerzen haben, oft kommt es auch zu Fieber, Übelkeit und Erbrechen. In diesem Fall gilt es, sofort ins Krankenhaus zu kommen oder den Notarzt zu rufen.

Was für Möglichkeiten gibt es, einen Leistenbruch zu behandeln?

Nicht jeder Leistenbruch muss operiert werden. Es gibt Patienten, die leben seit 30 Jahren damit und können dies, da sich die Lücke nicht vergrößert. Natürlich muss das aber regelmäßig untersucht und überwacht werden.

Um Komplikationen zu vermeiden, rate ich den meisten Betroffenen aber schon zu einer Operation. Gerade bei jüngeren Patienten können wir minimalinvasiv operieren, das heißt mit nur kleinen Schnitten. Dies hat den Vorteil, dass sich die Patienten schnell von dem Eingriff erholen und auch keine großen Narben zurückbleiben.

Bei der Auswahl der geeigneten Operationsmethode spielen viele Faktoren eine Rolle: zum einen natürlich das Alter des Patienten, zum anderen aber auch die Lage und die Größe des Bruchs. Hier müssen wir jeden Patienten individuell beraten und gemeinsam entscheiden, welche OP-Variante am geeignetsten ist und das beste Ergebnis liefert.


Bei der Veranstaltungsreihe „Themen-Donnerstag digital“, die am 20. Mai, 17.30 Uhr, online über Zoom stattfindet, spricht Prof. Dr. Jörg Pelz über das Thema „Leistenbrüche – wann muss operiert werden?“ und stellt verschiedene Operationsmöglichkeiten vor.

Einfach zum Veranstaltungszeitpunkt auf folgenden Link klicken: https://zoom.us/j/95229984891?pwd=Z2xXd3BGTGVHang2TzhjWkJGSUJJQT09

Weitere Informationen rund um das Thema Leistenbruch gibt es auch hier.

Anmerkung zum Artikel

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