Hofbäckerei in Almstedt

Lennart Tietjen hat sich mit eigener Hofbäckerei in Almstedt einen Traum erfüllt – das ist sein besonderes Rezept

Almstedt - Lennart Tietjen betreibt auf dem elterlichen Hof in Almstedt eine Bäckerei – und setzt dabei auf seinen eigenen Natursauerteig. (mit Video)

Zeit spielt keine Rolle, die Qualität durchaus: Der Almstedter Bäcker Lennart Tietjen bei der Arbeit. Foto: Michael Vollmer

Almstedt - Wenn Lennart Tietjen den Teig zu einem Brot formt, dann ist der Almstedter voll in seinem Element. Doch zuvor spielen ganz andere Punkte für den Erfolg seiner Arbeit eine wichtige Rolle. „Beste Zutaten und genügend Zeit geben dem Teig die Möglichkeit zu reifen und sich zu entfalten“, erläutert der 25-Jährige, der sich mit seiner Hofbäckerei auf dem elterlichen Hof einen großen Traum erfüllt hat.

Bei allen ge­lernten Handgriffen darf natürlich ein gewisses Fingerspitzen­gefühl nicht fehlen, um ein besonderes Backwerk entstehen zu lassen. Dabei setzt der Almstedter auf seinen eigenen Natur­sauerteig und den Verzicht auf jegliche künstliche Zusatzstof­fe. Die Winzenburger Teichmühle liefert ihm das Mehl. Dass Lennart Tietjen später einmal einen handwerklichen Beruf ausüben möchte, stand für ihn schon sehr früh fest. Aufgrund von gesundheitlichen Problemen mit dem Gehör auf einem Ohr besuchte der Almstedter das Landesbildungszentrum für Hörgeschädigte in Hildesheim, wo er die Schule mit dem Realschulabschluss abschloss.

Die Karriere beginnt in einer Hildesheimer Bäckerei

„Das Bäckerhandwerk stand auf der Liste immer ganz weit oben“, erzählt der 25-Jährige, der darauf großen Wert legte, dass sein zukünftiger Ausbildungsbetrieb nicht allzu groß sein sollte. So begann er 2016 in der Hildesheimer Bäckerei Schwetje eine Lehre zum Bäcker. In dem Betrieb konnte er wegen der Geschäftsaufgabe die Ausbildung aber nicht beenden. Er wechselte zu Achim Drähne nach Sehlem. Als Geselle ging es dann für ihn im Betrieb Hesse in Grasle­ben weiter. Die zwei Jahre im Kreis Helmstedt waren vor al­lem durch Corona und den mit der Pandemie verbundenen Einschränkungen geprägt. „Es war dennoch eine sehr besonde­re Zeit“, blickt der Almstedter zurück.

Weitere berufliche Sta­tionen auf den Weg zur eigenen Backstube waren die Bäckerei von Frank Mierisch in Hildesheim und die Bäckerei Grube in Deinsen. Parallel zu seiner Arbeit gab es in eigener Regie aber schon einzelne Backtage in Almstedt. Mit großem Interesse hatte Lennart Tietjen in der Zeit an einem Informationstag eines Ofenherstellers in Süddeutschland teilgenommen. Doch seine erste Idee, sich einen Holzbackofen zuzulegen, hat Tiet­jen bereits nach kurzer Zeit verworfen. „Der Zeitaufwand wäre einfach zu groß gewesen. Allein drei Stunden hätte das Anfeu­ern gedauert“, so der 25-Jährige. Die Wahl fiel schließlich auf einen Steinbackofen. „Die Kruste ist im Vergleich zu einem herkömmlichen Ofen einfach ganz anders. Dazu erhält das Brot durch die sanfte Hitze einen kräftigeren Geschmack“, berichtet der Bäcker.

Mit einer Art Brot-Abo hat er einst angefangen

Begonnen hatte er übrigens mit einem kleineren Ofen, der auf dem Flur seines Elternhauses stand. Zunächst lieferte er mit einer Art Brot-Abo guten Bekannten Woche für Woche wechselndes Brot. „Doch dann bekam alles eine Eigendynamik. Es kamen kontinuierlich weitere Anfragen hinzu“, erzählt der Almstedter. Aufgrund der großen Nachfrage an seinen Backwaren nahmen die Pläne für Len­ni’s Hofbäckerei immer mehr Fahrt auf. Innerhalb eines Jah­res wurde eine Bäckerei im vorderen Gebäude des Hofes ge­baut. Vor dem vergangenen Weihnachtsfest haben sich dann die Türen der Backstube zum ersten Mal geöffnet. Mittlerwei­le ist Len­ni’s Hofbäckerei sozusagen in aller Munde.

Dazu hat auch im vergangenen Jahr die „Tour de Flur“ beigetragen. Zahlreiche Radler haben dabei auch das Brot des Almstedter Bäckers probiert. Die Teilnehmer interessierten sich auch für die Bauarbeiten, die damals in vollem Gange waren. „Die Leu­te haben ein großes Interesse daran, zu wissen, woher ihre Grundnahrungsmittel kommen“, erzählt der 25-Jährige. Auch Mutter Tietjen, die ihren Sohn in Spitzenzeiten unterstützt, weiß aus zahlreichen Gesprächen, dass das Konzept der Hof­bäckerei gut ankommt. „Es gibt einem ein gutes Gefühl zu wissen, dass sie es toll finden“, meint Marion Tietjen.

Produziert wird nur, was auch bestellt wird

Dazu zählt ohne Frage auch das Thema Nachhaltigkeit. Denn Lenn­art Tietjen produziert nur das, was die Kunden bestellen. Für den einen oder anderen spontanen Kauf behält er aber immer einige Backwaren in Reserve. „Damit vermeiden wir, dass wertvolle Lebensmittel im Abfall landen“, erklärt der Bäcker. Das Angebot der Hofbäckerei ist groß. So stehen zum Beispiel Kürbiskruste, Roggenmisch-, Zwiebelbrot und noch viele mehr auf der Liste. Auch die Brötchen kommen ohne künstliche Zusatzstoffe aus. Auch Kuchenfreunde kommen auf ihre Kosten.

Um die Bestellungen zu koordinieren, wird der Bäcker durch ein spezielles Computerprogramm unterstützt. Die Öfen werden montags, mittwochs und freitags angeheizt. Bestellungen müs­sen am Vortag bis 15 Uhr vorliegen. Der Verkauf erfolgt von 14.30 bis 18 Uhr. Informationen gibt es unter der Rufnummer 05060 / 60 88 98.

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