Erste Reaktionen

Levonens Doktortitel: SPD-Kreistagschef will Klarheit und baut Druck auf

Kreis Hildesheim/Alfeld - Landrat Olaf Levonen soll einen wertlosen Doktortitel führen, es gibt Vorwürfe wegen einer Auftragsvergabe. SPD-Kreistagsfraktionschef Klaus Bruer hat klare Erwartungen an seinen Genossen. Und was sagt Levonens Stellvertreterin?

SPD-Kreistagsfraktionschef Klaus Bruer. Foto: Chris Gossmann

Kreis Hildesheim/Alfeld - Es sollte eigentlich ein großer Tag für die SPD im Landkreis Hildesheim werden: Am Sonnabendmittag kamen die Sozialdemokraten zusammen, um Bernd Westphal erneut zum Bundestagskandidaten zu küren, der Hildesheimer SPD-Fraktionschef und Landtagsabgeordnete Bernd Lynack wurde als Landratsbewerber nominiert.

Doch die Zusammenkunft auf der Alfelder Hackelmasch, dem Schützenplatz der früheren Kreisstadt, wurden von den Nachrichten über Landrat Olaf Levonen überschattet: Nach Recherchen der Alfelder Zeitung soll der Sozialdemokrat einen wertlosen Doktortitel führen; er habe seine Dissertation bei einer Titelfabrik aus dem Internet eingereicht, sein Doktorvater soll ein Hochstapler sein.

Der Artikel hatte sich am Sonnabendmorgen in Windeseile verbreitet, auch Lynack, der wie Levonen aus Alfeld stammt, bekam ihn über das Internet mehrfach zugeschickt. „Ich bin sprachlos“, sagte der 51-Jährige gegen 12 Uhr auf dem Weg zur Nominierungsveranstaltung der HAZ. Er erwarte von Levonen, dass er den Sachverhalt komplett aufkläre und alle Fragen dazu beantworte.

Inhaltlich wollte sich Lynack ausdrücklich nicht zu den Vorwürfen äußern: „Ich kenne nur, was in der Zeitung steht.“ Er habe mit Levonen noch nicht gesprochen. Die HAZ hat den Landrat am Sonnabend per E-Mail um eine Stellungnahme gebeten; bis Sonntagmorgen blieb diese Bitte ungehört. Auch auf Anrufe der Redaktion gab es bis dato keine Reaktion. Levonen hatte zuvor bereits auch auf entsprechende Anfragen der Alfelder Zeitung nicht geantwortet.

SPD-Chef Sven Wieduwilt findet die Vorgänge „total ärgerlich“

Als „total ärgerlich“ bezeichnete der SPD-Unterbezirksvorsitzende Sven Wieduwilt die Vorgänge um Levonens Doktortitel: Natürlich überschatte das Thema die Nominierungen von Westphal und Lynack. Vom Landrat erwartet der Chef der Kreis-SPD „klare Aufklärung – auch darüber, ob er dienstlich Sachen vermengt hat, die nicht zusammengehören“.

Er selbst habe in der Sache am Sonnabend nicht das Gespräch mit Levonen gesucht, sagte Wieduwilt der HAZ – aus guten Gründen: Er erinnere sich noch gut daran, wie der Landrat den SPD-Vorstand im Zuge der Gespräche über eine erneute Kandidatur habe auflaufen lassen, „da war er für uns einfach nicht erreichbar“. Er erwarte nun, dass Levonen sich darum bemühe, die Sache und alle Zusammenhänge aufzuhellen, erklärte Wieduwilt.

Bernd Westphal: Gelegenheit zur Stellungnahme geben  

Etwas zurückhaltender äußerte sich Westphal gegenüber der HAZ. Levonen müsse die Gelegenheit bekommen, Stellung zu den Vorwürfen zu beziehen: „Darum bitte ich ihn“, sagte der Bundestagsabgeordnete, wie Lynack stellvertretender SPD-Kreis-Vorsitzender. Die Öffentlichkeit habe ein Recht zu erfahren, wie Levonen zu seinem Doktortitel gekommen sei und wie er diesen führe. „Ich jedenfalls habe noch nie einen Brief von ihm erhalten, der mit Dr. Levonen unterschrieben war“, betonte Westphal.

Grundsätzlich würde er das Thema „nicht so hochhängen“. Es überschatte weder seine Nominierung noch habe es Einfluss auf den kommenden Wahlkampf, meint der SPD-Politiker.

Klaus Bruer sieht Levonen auch als Opfer seiner Eitelkeit

Der Chef der SPD-Kreistagsfraktion, Klaus Bruer, hält grundsätzlich große Stücke auf Levonen, er gilt als dessen Förderer und politischer Ziehvater. Der Landrat habe herausragende Fähigkeiten, allen voran seine äußerst schnelle Auffassungsgabe, sagte der Sarstedter der HAZ. Für Bruer ist Levonen „erstens ein Opfer eines betrügerischen Hochstaplers und zweitens ein Opfer seiner eigenen Eitelkeit“.

Es gelte nun, alle Vorwürfe juristisch aufzuarbeiten, sagte der SPD-Fraktionschef. „Wenn Herr Levonen das nicht selber veranlasst, dann wird die Kreisverwaltung dies veranlassen.“ Denn es müsse jeglicher Schaden vom Landkreis abgewendet werden.

Konkret müsse geklärt werden, welchen Zusammenhang es zwischen einem Auftrag des Landkreises an die Braunschweiger Firma Opti-So und Levonens Tätigkeit als Dozent der Fernuni Pegaso auf Malta gebe. Opti-So Chef André Schubert hatte erklärt, Levonen auf diese hingewiesen zu haben. „Warum hat Opti-So den Zuschlag bekommen, ist die Ausschreibung extra so gestaltet gewesen? Das muss geklärt werden“, fordert Bruer gegenüber der HAZ.

Stellvertreterin Wißmann erwartet am Montag Erklärung

Evelin Wißmann, Levonens Stellvertreterin im Kreishaus, sagte der HAZ, sie wolle erst dessen Stellungnahme abwarten, bevor sie sich äußere. Sie gehe davon aus, dass sich der Landrat am Montag gegenüber seinen Führungskräften erklären werde.

Wißmann ist Erste Kreisrätin. Der CDU-Kreisvorstand empfiehlt die parteilose 55-Jährige der Basis der Christdemokraten als Landratskandidatin; die Entscheidung darüber fällt Ende April.

Das sagt der Hildesheimer
CDU-Politiker Dirk Bettels

Der Hildesheimer CDU-Politiker Dirk Bettels, Ortsbürgermeister in der Stadtmitte und dort auch Ortsverbandsschef der Chrsitdemokraten, äußerte sich auf der HAZ-Facebookseite wie folgt zu dem Thema: „Ein Landrat, der die überwiegende Zeit wegen Krankheit abwesend sein musste, findet die Zeit (und wohl auch das Geld) für eine ‚Promotion‘. Bis zu dieser Veröffentlichung hat kein Genosse daran Anstoß genommen. Jetzt, da es aufploppt, überschlagen sich die Aufklärungsforderungen. Reichlich spät und opportunistisch. Wohl auch disqualifizierend!“

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