Aus Menschlichkeit

Lichtblick zur Weihnachtszeit: Unermüdlich näht eine Frau aus dem Kreis Hildesheim für Sternenkinder

Groß Förste - Helga Eckert liebt es, Menschen ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern, wie sie selbst sagt. Jeden Tag näht die Rentnerin ein bis vier Stunden lang Kleidung und andere Dinge für Sternenkinder. Geld verlangt sie dafür nicht. Zu Besuch in ihrer Hauswerkstatt.

Helga Eckert zeigt ein Schnittmuster für eine Mütze, die ein Sternenkind bekommen soll. Foto: Werner Kaiser

Groß Förste - Sechs Quadratmeter. So klein ist die Werkstatt von Helga Eckert in ihrer Wohnung in Groß Förste. In dem Zimmer in der Burgstraße näht sie täglich ein bis vier Stunden lang nur wenige Zentimeter große Kleidungsstücke, Bettchen, Mini-Decken oder auch winzige Stoff-Schuhe für Sternenkinder, Babys die vor, während oder bald nach der Geburt sterben. Es ist eine Herzenzsache für die 56-Jährige, durch ihre ehrenamtliche Arbeit Eltern in ganz dunklen Stunden zu helfen, ihnen so Mitgefühl zu zeigen. „Indem ich ihnen Sachen für ihre Kinder nähe“, sagt die Groß Försterin, die allein aus freien Stücken arbeitet – ohne Verein im Hintergrund.

Ihre Handarbeit-Produkte liefert sie mit dem Auto ins Helios-Klinikum Hildesheim. Kontakt mit den Vätern oder Müttern hat sie nicht, doch Eckert weiß, dass ihre Arbeit für die Eltern und auch das Klinikpersonal ein Akt der Menschlichkeit sind. Und das tut auch ihr sehr gut.

Gedanke, Stütze zu sein, füllt sie aus

Helga Eckert ist zu 80 Prozent schwer behindert, sie steht mitunter Depressionen durch und wird von einer Spezialistin behandelt. Doch ihre Arbeit und der Gedanke daran, Menschen in größter Not eine Stütze zu sein, füllt sie aus. Es ist Balsam für ihre Seele, aktiv zu sein. „Es lenkt mich ab. Das ist auch eine Art von Therapie“, sagt die 56-Jährige.

„Ihre Arbeit ist der Wahnsinn“, meint ihr Mann Mario (51). Solch ein Lob motiviert die Groß Försterin, sich immer wieder an eine ihrer fünf Nähmaschinen zu setzen, um etwa eine Mini-Hose in rund 30 Minuten oder ein Bettchen in drei Stunden anzufertigen. „So lange es körperlich geht und meine Finger nicht steif werden, mache ich weiter“ – da gibt es für die dreifache Mutter keinen Zweifel. Auch weil sie so viel Zuspruch zum Beispiel aus dem Freundeskreis bekommt und etliche Unterstützer ihr Material liefern. Aus Flanell etwa entstehen Liegen für die Sternenkinder. Polsterstoffe kann sie jedoch nicht gebrauchen.

Seit gut drei Jahren dabei

Und dann geht’s wieder ran an die Maschine. Millimeter für Millimeter sorgt Helga Eckert in Feinarbeit dafür, dass Eltern in großer Not Anteilnahme spüren – und dies schon seit gut drei Jahren. „Vor Corona habe ich damit angefangen.“ Das Nähen hat sie sich selbst beigebracht, sie liebt dieses Hobby einfach. Dass davon auch noch Menschen profitieren, war der Wunsch der Groß Försterin. Also rief die gelernte Kellnerin, die es aus Köln in die Region Hildesheim verschlug, einfach im Helios Klinikum an. Ihr Angebot, für Sternenkinder zu nähen, kam gleich gut an. „Immer gern“ – lautete die Antwort.

Inzwischen hat sich die Zusammenarbeit vollauf bewährt. „Wir schätzen das Engagement von Helga Eckert sehr. Der Umgang mit Sternenkindern ist immer etwas besonders Emotionales“, sagt Helios-Sprecher Marc Pingel. „Wir begleiten Eltern und Kinder in unserer Klinik mit viel Einfühlungsvermögen. Die Arbeit von Menschen wie Frau Eckert ist dabei ein wichtiger Baustein.“

Zur Weihnachtszeit näht sie besonders viel

Und zur Weihnachtszeit, die sie besonders genießt und dazu ihre Wohnung reich dekoriert, lässt Helga Eckert erst Recht ihre Nähmaschinen surren. Manchmal kommt von Spendern oder Spenderinnen abgeschickt sogar ein Brautkleid an, dass die 56-Jährige dann Stückchen für Stückchen verarbeitet.

Einzelkämpferin will sie aber nicht auf ewig sein. „Es gab schon Leute, die mich unterstützen wollten. Doch dann habe ich nichts mehr gehört.“ Mit Partnern noch mehr Kleidung und Nützliches für Sternenkinder zu schaffen, kann sie sich durchaus vorstellen. Und das eben möglichst noch etliche Jahre. Warum sie das noch so lange leisten will? Da nimmt Helga Eckert kein Blatt vor den Mund. „Ich will nicht, dass ein Kind nackt in die Erde kommt.“

Wer Helga Eckert unterstützen will, erreicht sie online unter helga1966@online.de.

Was sind Sternenkinder?

Sternenkinder sind Babys, die bei der Geburt unter 500 Gramm wiegen, wurden ursprünglich als Tot- oder Fehlgeburten bezeichnet. Aber weil diese Bezeichnungen der tiefen Bindung, die viele Mütter und Väter bereits zum ungeborenen Kind haben, nicht gerecht wird und den Prozess des Sterbens des Babys in den Vordergrund stellt, hat sich der Begriff „Sternenkind“ etabliert. Der vermittelt das Bild, dass das Kind den Himmel erreicht hat, noch bevor es das Licht der Welt erblicken durfte. Manchmal werden diese Kinder auch als Schmetterlings- oder Engelskind bezeichnet.

Heutzutage werden nicht nur Tod- und Fehlgeburten Sternenkinder genannt, sondern auch jene, die bereits kurz nach der Geburt versterben. Kinder, die nach der 24. Schwangerschaftswoche still geboren werden oder bei der Geburt über 500 Gramm wiegen, werden in Statistiken als Totgeborene aufgeführt. 2021 wurden Angaben des Bundesamtes für Statistik zufolge 3.420 Sternenkinder geboren.

Statistisch nicht erfasst werden Sternenkinder, die vor der 24. Schwangerschaftswoche still geboren werden oder bei der Geburt unter 500 Gramm wiegen.

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