Kolumne „Unter uns“

Liebe auf Instagram, Angst im Wohnzimmer: Vom Valentinstag – und der bitteren Realität

Hildesheim - Der Valentinstag steht vor der Tür – und sicher werden Social-Media-Nutzerinnen und -Nutzer auch in diesem Jahr wieder Zeuge davon, wie sich Menschen mit ihren Liebesgeschenken übertrumpfen, vermutet HAZ-Kolumnistin Katharina Brecht. Jedoch: In der Realität sieht es in vielen Beziehungen überhaupt nicht rosig aus.

In der neuen HAZ-Kolumne „Unter uns“ schreiben sich Katharina Brecht und Julia Haller zu Themen, die sie bewegen. Foto: HAZ

Hildesheim - Wer kriegt den größten Strauß Rosen? Wer das romantischste Dinner? Und wer direkt eine Reise in die Stadt der Liebe? Liebe Julia, das werden wir am Samstag erfahren, wenn wir Instagram öffnen. Denn Samstag ist Valentinstag – und viele Frauen neigen an diesem Tag dazu, die rosaroten Geschenke ihrer Partner aller Welt zu zeigen. Komischerweise sehe ich solche Posts nur am 14. Februar, dabei würden mir tausend bessere Gelegenheiten für Liebesbekundungen einfallen. Irgendwie ist es doch albern, dass Männer ausgerechnet an diesem Tag Unsummen für rote Rosen, Herzpralinen und Schmuck ausgeben. Es ist doch viel schöner, wenn der Partner mal zwischendurch die Lieblingsschokolade vom Einkaufen mitbringt oder durch eine andere Kleinigkeit zeigt, dass er an seine Liebste gedacht hat. Oder gern auch mal andersrum! Aber materielle Aufmerksamkeiten sagen ja grundsätzlich eh nichts darüber aus, wie gut oder schlecht eine Beziehung ist.

Apropos Beziehungen: Viel interessanter und wichtiger als der Valentinstag ist eine aktuelle Dunkelfeldstudie, die zeigen soll, wie viele Gewalttaten es tatsächlich gibt, die nicht bei der Polizei angezeigt werden. Die Ergebnisse sind erschreckend und zeigen einmal mehr, wie nah Liebe und Gewalt für viele beieinanderliegen. So erlebt der Studie zufolge fast jede sechste Person in Deutschland körperliche Gewalt in der Partnerschaft. Und nur eine von 20 zeigt die Tat an. Das muss man erst mal sacken lassen. Interessant ist auch, dass innerhalb der letzten fünf Jahre ähnlich viele Frauen wie Männer Gewalt durch ihre Partnerinnen und Partner erlebt haben – psychische oder körperliche. Allerdings werden Frauen häufiger und schwerer angegriffen, sie empfinden mehr Angst und schätzen die Lebensgefahr höher ein als betroffene Männer. Julia, ich bin nicht gut in Mathe – aber vermutlich dürfte am Samstag auch mancher in der Schlange im Blumenladen stehen, der seiner Partnerin schon einmal Gewalt angetan hat. Ich wünsche mir zum Valentinstag, dass Betroffene es schaffen, sich aus diesen Beziehungen zu lösen. Denn kein Rosenstrauß dieser Welt kann ein Ausgleich für Übergriffe und Gewalt sein, die insbesondere für Frauen im schlimmsten Fall mit dem Tod enden können.


Hier finden Betroffene Hilfe:

Das Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ richtet sich an Frauen, die Gewalt erleben oder erlebt haben. Unter der Nummer 116 016 können Frauen rund um die Uhr und kostenlos Kontakt zu Beraterinnen aufnehmen - vertraulich und anonym. Online können sie sich unter https://onlineberatung.hilfetelefon.de/ beraten lassen.

Von Gewalt betroffene Männer können sich telefonisch montags bis donnerstags von 8 bis 20 Uhr und freitags von 8 bis 15 Uhr beraten lassen – per Telefon unter der 0800 123 99 00, per E-Mail und Chat auf www.maennerhilfetelefon.de. Die Beratungen erfolgen vertraulich und auf Wunsch anonym.

In Hildesheim gibt es folgende Anlaufstellen:

Das Opferhilfebüro, eine Niederlassung der Stiftung Opferhilfe e.V.: www.opferhilfe.niedersachsen.de

Das Frauenhaus – eine Beratungsstelle für Frauen und eine Beratungs- und Interventionsstelle bei häuslicher Gewalt (BISS): www.frauenhaus-hildesheim.de

Wildrose e.V.,, eine Beratungsstelle gegen sexuelle Gewalt: www.wildrose-hildesheim.de


In der HAZ-Kolumne „Unter uns“ schreiben sich Katharina Brecht und Julia Haller zu Themen, die sie bewegen.

  • Hildesheim
  • Hildesheim
  • ArticleImport