Kolumne Gefundenes Fressen

Liebe ist ein Wunder – besonders, wenn man mal schaut, wen und was und wie die Rechten lieben

Hildesheim - In der Liebe und im Krieg, sagt man, sind alle Mittel erlaubt. In der Liebe und der Politik offenbar auch – und wie man das eine mit dem anderen vermengt, bis wirklich gar nichts mehr an seinem Platz ist, das weiß keine besser als Alice Weidel.

Die Kolumne Gefundenes Fressen erscheint jeden Montag in der Hildesheimer Allgemeinen Zeitung. Foto: HAZ

Hildesheim - Liebe lässt sich nicht erzwingen. Nicht zum BVB, nicht zu einer Band, nicht zu einem Menschen. Nicht mal ein Ultimatum nützt da was: „So, mein Frollein, ich zähle bis drei! Entweder liebst du mich dann, oder es knallt!“ Kann man machen, wird aber schwierig.

Genauso, wenn es um die eher abstrakte Liebe zu einem Land geht. Was würden Sie sagen – lieben Sie Deutschland? Kann man ein Land lieben? Oder ist das büschn dicke aufgetragen? Klingt ja schon recht nationalistisch, so als Ansage: Ich liebe Deutschland! Apropos: Am meisten liebt Deutschland nach eigenem Bekennen ja die AfD. Deshalb lebt ihre Parteichefin auch seit Jahren in der Schweiz, nehme ich an: aus lauter Liebe zu Deutschland. Und aus lauter Liebe zu ihrer Frau Sarah Bossard hat Alice Weidel wohl im Oktober 2018 den „Entwurf eines Gesetzes zur Aufhebung des Gesetzes zur Einführung des Rechts auf Eheschließung für Personen gleichen Geschlechts“ unterzeichnet, über den der Bundestag wenige Tage später erstmals beriet. Wobei er befand, es könne sich lieben und heiraten, wer will. Doof. Naja.

Jeder kann selbst entscheiden, ob er Migrant ist oder nicht

Aber wo wir grad bei Frau Bossard sind: Die stammt aus Sri Lanka, fiele also als Person mit Migrationshintergrund unter eine von der AfD oft gezielt verbal attackierte Gruppe. Remigration ist das große Stichwort der Partei, Ausweisung im großen Stil. Bloß gut, dass Weidel stets betont, ihre Frau sei adoptiert worden und begreife sich nicht als jemand mit Migrationshintergrund. Anders gesagt: Jeder kann selbst entscheiden, ob er findet, er hat Migrationshintergrund oder nicht. Superpraktisch, davon machen sicher viele gern Gebrauch, sollte es hier tatsächlich irgendwann im Sinn einiger Rechtsextremisten zu millionenfachen Ausweisungen kommen. Ob diese Menschen Deutschland vielleicht auch lieben, will dann keiner mehr wissen. Weidels Familie kann es zum Glück nicht treffen – die lebt ja in der Schweiz.

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