Hildesheim - Wo sind eigentlich all die Kinder hin? Das fragt sich mancher, der durch unsere Straßen läuft. Ich selbst bin in einem Haus aufgewachsen, das an einer Spielstraße steht. In meiner Erinnerung war eigentlich immer irgendjemand zum Spielen draußen. Deshalb hieß es in freier Zeit: rausgehen und schauen, wer so da ist. Ja, ich habe damals sogar spontan bei anderen Familien geklingelt und gefragt, ob Freundin X oder Freund Y zum Spielen rauskommt. An Anrufe kann ich mich kaum erinnern, das war gefühlt schon zu viel Planung.
Bildschirm statt Wald
Und heute? Der Schweizer Kinder- und Jugendarzt Oskar Jenni hat es jüngst in einem Interview auf den Punkt gebracht: Kinder seien aus dem öffentlichen Raum praktisch verschwunden. In vergangenen Zeiten schweiften sie durch Wälder und Straßen – mit genau einer Ansage von daheim: „Sei bitte um sechs zum Essen zurück.“ Und das funktionierte! Dabei hatten diese Kinder nicht mal Snacks, Wechselsachen oder Pflaster dabei. Heute findet Kindheit viel stärker drinnen statt, strukturierter, regulierter, irgendwie auch überwacht, gerne vor und mit Bildschirmen.
Einfach mal rauslassen?
Erwachsene planen den Alltag der Kinder durch, es geht zu Vereinsterminen, in Horte oder zu geplanten Playdates. Ein Kind einfach so nach draußen zu lassen, ohne Plan und Wissen, was da genau stattfinden wird, weckt Ängste, teils natürlich verständliche. Wir wollen unsere Kinder beschützen, heutzutage wohl vor mehr Dingen denn je. Das Traurige daran ist: Wir verhindern dadurch, dass sie eigenständig viel mehr Erfahrungen machen, die sie stärken – jetzt und in Zukunft.
