Energiewende

Linienbusse im Osten der Region Hildesheim fahren nun mit Biokraftstoff statt Diesel

Baddeckenstedt - Eine Bahn-Tochtergesellschaft sucht sich eine Kommune östlich von Hildesheim aus, um den Einsatz eines Krfatstoffs aus Pflanzenöl und altem Fett zu testen.

Daniel Marx, Ralf Sygusch, Alexander Siems vor einem der Busse, die nun mit Biokraftstoff statt herkömmlichem Diesel unterwegs sind. Foto: Angelika Theidig/DB

Baddeckenstedt - In und um Baddeckenstedt sind die gleichen Busse unterwegs wie bisher – aber sie tanken jetzt Biokraftstoff statt Diesel. Erstmals in Niedersachsen hat eine Tochtergesellschaft der Deutschen Bahn ihre Linienbusse auf Treibstoff aus erneuerbaren Quellen umgestellt. Klappt alles, soll das Modell ausgeweitet werden.

90 Prozent weniger CO2

Der Regionalbus Braunschweig (RBB) hat sich dafür ganz bewusst die Samtgemeinde Baddeckenstedt ausgeguckt: „Der überschaubare Standort eignet sich hervorragend, um den Einsatz des neuen Kraftstoffs zu testen. Wenn wir gute Erfahrungen sammeln, hoffen wir, dass wir die Nutzung auf weitere Teile unserer Flotte ausweiten können“, sagt RBB-Niederlassungsleiter Alexander Siems.

Zwölf Busse des Unternehmens tanken jetzt den Biokraftstoff HVO. Das steht für „Hydrotreated Vegetable Oil“, zu Deutsch: hydriertes Pflanzenöl. Für die Herstellung werden neben Pflanzenölen auch Öle und Fette aus Reststoffen, wie beispielsweise gebrauchtes Speiseöl, eingesetzt. Der Kraftstoff kann ohne Umbauten in Dieselfahrzeugen eingesetzt werden, sorgt aber nach Angaben des RBB für rund 90 Prozent weniger CO2-Ausstoß. Der RBB betont, der Kraftstoff sei frei von Palmöl. Auch gebe es keine Konkurrenz zur Nahrungs- und Futtermittelherstellung.

Teurer als Diesel

Den Kraftstoff bezieht der RBB über eine andere Bahn-Tochter, DB Energie. Die lässt einen zuletzt leerstehenden Tank auf dem Gelände des Tankstellenbetreibers Jantzon & Hocke in Salzgitter-Lebenstedt damit befüllen, dorthin fahren die Baddeckenstedter Busse dann zum Tanken.

„Unsere Dieselbusse sind moderne Fahrzeuge, die noch eine recht lange Lebensdauer haben. Dass wir sie nun durch den Wechsel des Kraftstoffs ohne bauliche Veränderung klimafreundlicher betreiben können, ist ein großer Gewinn“, sagt Daniel Marx, Geschäftsführer beim Regionalbus Braunschweig. Möglich werde das durch die Unterstützung des Regionalverbands Großraum Braunschweig – denn HVO ist etwas teurer als normaler Diesel.

Keine Auswirkungen aufs Fahrverhalten

„Wir als Verantwortliche für den Öffentlichen Nahverkehr in der Region haben großes Interesse daran, dass Busse auf klimaneutrale Antriebe umgestellt werden“, erklärt Verbandsdirektor Ralf Sygusch dazu. Der Transformationsprozess zu vollständig klimaneutralen Antrieben erfolge schrittweise und werde noch etwas dauern. „Einige Verkehrsunternehmen stellen ihre Busflotten auf elektrische Antriebe um und erneuern auch ihre Betriebshöfe“, berichtet Sygusch. Es sei „ein hervorragendes Signal, dass praktische und kurzfristig wirkende Alternativen mit entsprechender CO2-Einsparung hier jetzt zum Einsatz kommen.“ Es könne ohne große Neuentwicklungen Vorhandenes genutzt und dabei eine hohe Wirkung erzielt werden. „Mit diesem Projekt wollen wir Erkenntnisse sammeln, ob der Ansatz auf andere Bereiche übertragbar sein kann“, so Sygusch.

Dieselfahrzeuge können ohne aufwendige Umrüstungen mit HVO betrieben werden. Auf Verbrauch, Betankungszeit und Fahrverhalten hat die Umstellung keine Auswirkungen. Und da RBB ohnehin eine Waschhalle in Lebenstedt zur Reinigung der Busse nutzt, konnte das Tanken unkompliziert in die bestehenden Fahrwege integriert werden.

„In Zügen ist die grüne Alternative bereits seit dem vergangenen Jahr in mehreren Regionen erfolgreich im Einsatz“ ergänzt die Deutsche Bahn.

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