„Jung und Alt – Gemeinsam durchs Leben“

„Löwenzahn“-Folge ist für den Grimme-Preis nominiert – und das Drehbuch dazu hat ein Hildesheimer geschrieben

Hildesheim - Michael Demuth darf auf den renommiertesten Medienpreis Deutschlands hoffen. Regelmäßig schreibt der Hildesheimer für die beliebte Kindersendung. Nebenbei entwickelt er aber auch Stoffe, die gar nichts für Kinder sind.

Fritz Fuchs (Guido Hammesfahr), sein Patenkind Jakob (Manuel Santos Gelke) und Marie (Imogen Kogge) entdecken in "Jung und alt - gemeinsam durchs Leben", dass sie trotz unterschiedlicher Generationen einiges verbindet. Die Folge ist für den Grimme-Preis nominiert. Geschrieben hat sich Michael Demuth aus Hildesheim. Foto: Zia Ziarno (Rechte beim ZDF)

Hildesheim - „Jetzt Daumen drücken“, stand in der E-Mail. Michael Demuth war verwirrt und klickte auf den Link. Er landete auf der Seite vom Grimme-Preis – und las dort seinen Namen. „Ich hatte überhaupt nicht damit gerechnet“, gibt er zu. Aber tatsächlich steht dort: „Löwenzahn: Jung und Alt – Gemeinsam durchs Leben“ ist nominiert für den renommiertesten Medienpreis des Landes. Aus 750 Einreichungen hat sich die Folge der ZDF-Serie durchgesetzt. Das Drehbuch dazu hat der Hildesheimer geschrieben.

Der 58-Jährige schreibt seit elf Jahren für „Löwenzahn“. In der 36. Staffel lief seine erste Folge über Schuhe, mittlerweile läuft Staffel 45, und Demuth hat 18 weitere Drehbücher geschrieben. Es ging um Flöhe und Fischotter, Hornissen und Haie, Verpackungen und Seifenkisten. „Diese Bandbreite macht mir Spaß“, bestätigt der gebürtige Elzer. Einmal im Jahr bekommen alle Autoren von „Löwenzahn“ von studio.tv.film, der Produktionsfirma, eine Liste mit Themen für die neue Staffel. Dieses Mal stand „Generationen“ darauf – und Demuth hatte sofort Lust.

Oldtimer und Grabpflege

„Das verbindet Menschen, das mag ich“, erzählt er. In der Folge steckt viel Arbeit. Die erste Fassung gefiel dem Team aus Redaktion und Produktion zwar, war aber auch zu aufwendig. Demuth schrieb eine neue Fassung, die über weite Strecken mit drei Figuren auskommt. Fritz Fuchs, der, gespielt von Guido Hammesfahr, der Nachfolger von Peter Lustig ist, macht darin sein Patenkind Jakob mit seiner Freundin Marie bekannt. Der Schüler und die Seniorin entdecken, dass sie über analoge Fotografie ein Hobby teilen.

„Ich selbst liebe es, Platten aufzulegen“, erklärt Demuth. Tatsächlich reihen sich in seinem Wohnzimmer die Kisten mit Vinyl aneinander. „Retro ist ja auch für junge Leute wieder im Trend.“ So konnte er die Geschichte erzählen, die das junge Publikum von „Löwenzahn“ über Generationen aufklärt. Die Folge verbindet dabei komische und melodramatische Elemente. Mal staunt Marie darüber, dass ihr Oldtimer tauglich für Instagram ist, dann wiederum lernt Jakob auf einem Friedhof über das Leben und die Liebe.

Ein Grimme-Preis fehlt noch

„Wir sind kreativ sehr frei“, bestätigt Demuth über die Produktion von „Löwenzahn“. Für jede Folge denkt er sich eine eigene Herangehensweise aus. Für die Folgen über Ägypten und Kürbisse hat er kindgerechten Grusel eingebaut, Optiker hat er wiederum durch eine Detektivgeschichte erklärt. Zu jeder Folge gehören auch vier Erklärstücke, die der Autor selbst recherchiert und kindgerecht aufbereitet. Von Seiten der Produktion und des Senders gibt es zwar ein wissenschaftliches Korrektiv. Trotzdem lässt Demuth die Finger von Physik, Chemie oder Mathematik. „Das mochte ich in der Schule schon nicht“, verrät er und lacht. Er mag emotionale Themen und Tiere.

Schon die Nominierung sei jetzt eine Auszeichnung, findet er. Zuletzt war „Löwenzahn“ seines Wissens nach vor zehn Jahren nominiert. Demuth selbst war vor 20 Jahren für „Wer küsst schon einen Leguan?“, seinen ersten Spielfilm, im Rennen. Dafür gab es immerhin den Goldenen Spatz beim größten Festival für deutschsprachige Kindermedien. Ein Grimme-Preis „fehlt“ Demuth noch, in dessen Wohnung überall Andenken aus seiner Arbeit zu entdecken sind. Unter anderem ein Poster vom Kinofilm zu „Allein gegen die Zeit“ mit den Unterschriften der Darsteller hängt gerahmt in einer Ecke. An dem Drehbuch war Demuth ebenfalls beteiligt.

Idee für eine Haarmann-Serie

Kinofilme, Grimme-Preis, das klingt nach Hollywood-Glanz in Hildesheim. Demuth muss lachen. „Ich komme zurecht“, betont er. Aber reich mache das Leben als freiberuflicher Drehbuchautor auch nicht. Dass er regelmäßig für eine Produktion wie „Löwenzahn“ schreiben darf, sei ein Privileg, betont er. Dadurch hat er ein planbares Einkommen. Gerade nach Corona war die Auftragslage schwierig. Der Markt für Serien und Filme ist in Deutschland hart umkämpft. Neue Stoffe haben es schwer. Die populären Franchises wie „Schule der magischen Tiere“, „Ostwind“ oder aktuell „Woodwalkers“ sind indes einigermaßen sichere Bänke.

Neue Ideen bergen hingegen finanzielle Risiken. Trotzdem arbeitet Demuth gerade mit Junifilm an einer Serie über Fritz Haarmann. Die Produktion sucht derzeit nach Sendern und Geldgebern. Demuth hat außerdem noch eine Krimi-Serie, die er versucht, an den Mann zu bringen. Die Pilotfolge könnte er sich auch als „Tatort“ vorstellen. Daneben entwickelt er auch noch eine Kinderserie über KI. Darüber hinaus arbeitet er im Kinder- und Jugendtreff Ochtersum. „Das ist ein schöner Ausgleich“, sagt er. „Den möchte ich nicht missen.“

Hier gibt es die Folge

Ob sein Team den Grimme-Preis bekommt, erfährt er im März. „Ich würde es allen anderen auch gönnen“, sagt er. Die Nominierung sei ja schon Auszeichnung und Werbung. Aber die Anerkennung dadurch sei auch eine Motivation.

„Jung und Alt – Gemeinsam durchs Leben“ aus der 44. Staffel von „Löwenzahn“ ist kostenlos abrufbar in der ZDF-Mediathek.

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