Begegnung im Wald

Luchs reißt Lamm bei Alfeld – und begegnet dann einer Frau mit Hund

Alfeld - Eine Spaziergängerin und ihr Hund standen in den Sieben Bergen plötzlich einem Luchs gegenüber. Das sagen Fachleute zu einer solchen Begegnung und zu Nutztierrissen durch Luchse.

Luchse werden öfter in den Wäldern zwischen Alfeld, Lamspringe und Freden gesichtet. Foto: Ole Anders

Alfeld - Als Henrike Kemmesies am Dienstagnachmittag mit ihrem Schäferhund Lucky auf dem Waldweg in der Nähe des Himmelbergturms in den Sieben Bergen oberhalb Alfelds unterwegs war, glaubte sie plötzlich, ihren Augen nicht trauen zu dürfen: Auf dem Weg, nur wenige Schritte entfernt, stand ein ausgewachsener Luchs unmittelbar vor ihrem Schäferhund und knurrte Hund wie Frauchen an.

Die Alfelderin bewahrte in der Situation kühlen Kopf, schrie den Luchs an und zog gleichzeitig ihren Vierbeiner langsam zurück. „Gott sei Dank hatte ich ihn an der kurzen Leine“, berichtet sie. Während Lucky den Rückzug antrat, sei der Luchs stehen geblieben und habe sich keinen Meter bewegt. Sie sei wirklich froh, dass alles so ausgegangen ist und ihr Hund die Begegnung unbeschadet überstanden habe.

Luchs reißt Lamm aus einer Herde mit 13 Schafen

Was sie zu diesem Zeitpunkt nicht ahnen konnte: Unmittelbar neben dem Weg graste eine Herde aus 13 Schafen auf einer Weide. Der Luchs hatte dort ein Lamm gerissen, dessen Kadaver er wohl in den angrenzenden Wald schleppen wollte – und dabei wurde das Tier offenbar von der Frau und ihrem Hund gestört. Seit etwa 2019 / 2020 sind Luchse in den Sieben Bergen „resident“ – das heißt, sie haben sich dort angesiedelt. Das bestätigt Ole Anders, Koordinator für das Luchsprojekt bei der Nationalparkverwaltung Harz in Sankt Andreasberg. Er hatte sich den Luchsriss auch sofort angeschaut und den Vorfall bestätigt.

Risse bei Nutztieren sind selten

„Luchsrisse kommen bei Nutztieren nicht so häufig vor“, sagt er. Der Halter der Herde bekomme den Verlust bei einem nachgewiesenen Luchsriss ersetzt. In einem solchen Fall sei es wichtig, dass sofort Experten benachrichtigt werden. Häufig komme es vor, dass er erst nach einer Woche informiert werde. Dann sei es oftmals nicht mehr zu klären, wie das Nutztier zu Tode gekommen ist. Es sei auch schon vorgekommen, dass wildernde Hunde Schafe gerissen haben. Allerdings nicht im Bereich der Sieben Berge.

Luchs will Beute verteidigen

Im vorliegenden Fall habe der Luchs ein typisches Verhalten an den Tag gelegt: Der Hund sei dem Luchs, der seine Beute verteidigen wollte, vermutlich zu nahe gekommen. Deshalb sei die Wildkatze nicht geflohen.

Unmittelbar nach dem Vorfall hatte Frederik Lietz, der das Jagdrevier betreut, sowohl Uwe Stave, den Luchsbeauftragten der Jägerschaft Alfeld, als auch Ole Anders informiert. Und auch Stave bestätigte auf Anfrage: „Luchsrisse kommen bei Nutztieren selten vor.“ Bei Rehwild sei das häufiger der Fall. Er rät: „Sollte einem ein Luchs im Wald begegnen, dann laut in die Hände klatschen, schreien und sich langsam rückwärts von der Stelle entfernen.“ Einen Menschen greife die Wildkatze nicht an.

Herde weidete am Waldrand

„Es waren 13 Tiere, die auf einer Weide am Waldrand standen. Alles wurde von einem etwa einen Meter hohen Zaun umgeben“, beschreibt Sebastian Kraus, der Eigentümer der Schafherde, die Situation. Das gerissene Lamm habe er noch innerhalb der Umzäunung gefunden. Vermutlich sei der Luchs beim Wegschleppen gestört worden. Soweit er wisse, sei das der erste Fall von einem Luchsriss an Nutztieren in den Sieben Bergen. Das bestätigte auch Luchsprojekt-Koordinator Anders. Andere Fälle seien ihm nicht bekannt.

von Thomas Jahns

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