Besonderes Hobby

Faible für gestrickte Frösche: Was hinter der Leidenschaft einer Hildesheimer tfn-Darstellerin steckt

Hildesheim - Musicaldarstellerin Lucia Bernadas Cavallini vom Hildesheimer tfn strickt Frösche, schickt sie auf Weltreise und widmet ihnen sogar einen Instagram-Kanal. Einer begleitet sie immer und überall. Warum nur?

Die Hildesheimer Musicaldarstellerin Lucia Bernadas Cavallini liebt Frösche – so sehr, dass sie einen nach dem anderen strickt. Foto: Julia Moras

Hildesheim - Während die kleine Vampirin auf ihren Einsatz wartet, strickt sie Frösche. „Es ist sehr beruhigend“, erklärt Lucía Bernadas Cavallini. Seit der Spielzeit 22/23 gehört sie zur Musical Company des Theaters für Niedersachsen. Gerade ist sie als Marilyn Monroe in „Goodbye, Norma Jeane“ und als Janet Weiss in der „Rocky Horror Show“ zu sehen, und in der Adventszeit war sie Anna von Schlotterstein in „Der kleine Vampir“. Ihren ersten Auftritt hatte sie in dem Stück nach etwa 15 Minuten. Da konnte es vorkommen, dass Bernadas Cavallini hinter der Bühne saß und strickte. Und zwar: Frösche.

„Frösche habe ich immer schon gemocht“, verrät die 26-Jährige. Woher die Leidenschaft für die Amphibien kommt, kann sie selbst nicht so genau sagen. Als sie klein war, hat ihr eine Tante einen Frosch aus Plastik geschenkt, der sie seitdem begleitet. Ihre Mutter trägt außerdem „Rana“ als Spitznamen, das spanische Wort für Frosch. „Wegen ihres olivfarbenen Teints“, erklärt Bernadas Cavallini. Geboren und aufgewachsen ist sie in Costa Rica. „Dort gibt es viele bunte Frösche“, erzählt sie mit strahlendem Gesicht. Eine kindliche Verbindung zu den Tieren besteht also.

Stricken hat sich Bernadas Cavallini hingegen erst vor einem Jahr selbst beigebracht. Mit Hilfe von Videos im Internet, freundlichen Damen im Strickwarenladen und netten Omis am Bahnsteig, wie sie erzählt. „Stricken in Zügen sorgt für viele Gespräche.“ Ihr erster Frosch ist während der Proben und der Premiere ihrer ersten tfn-Produktion entstanden.

In „Knockin‘ On Heaven’s Door“ spielte Bernadas Cavallini nur kleine Rollen – eine Krankenschwester hier, eine Bankangestellte da. Für Bernadas Cavallini trotzdem eine Herausforderung. Das Engagement am tfn ist ihr Start ins Berufsleben. Für jeden jungen Menschen eine Umgewöhnung. Bei ihr kommt hinzu, dass sie 10.000 Kilometer von der Heimat entfernt in einer fremden Sprache auf der Bühne steht.

Geschenke an Freunde

„Die Anfangszeit war schwierig“, gibt sie zu. Das Stricken war ein Ausgleich. Die Eingewöhnungszeit hat sie hinter sich gebracht, das Hobby behalten. Etwa 36 Frösche hat sie seitdem gestrickt. „Ich selbst besitze aber nur fünf oder sechs“, betont sie. Ihre Frösche bereisen Deutschland und die Welt. Denn sie verschenkt ihre Arbeiten an Freunde und Verwandte.

Die Tante in Costa Rica, die ihr in ihrer Kindheit den Plastikfrosch geschenkt hat, besitzt einen, genauso wie ihre Mutter. Die übrigen gehören inzwischen Freundinnen und Freunden in Berlin, Dortmund oder Soltau. Mittlerweile besitzen auch zahlreiche Kolleginnen und Kollegen vom tfn welche.

An einem Frosch strickt Bernadas Cavallini etwa acht Stunden. Garderobe und Accessoires können nochmal so viel Zeit brauchen. Ihre Frösche stattet sie so aus, wie es sich die Leute wünschen. Pullover und Schals, Latzhosen und Kleider, Rucksäcke oder Schwimmringe. Die Tiere sind aus Garn und tragen Puppenaugen, in ihnen steckt Kissenfüllung und ein Drahtgerüst. Dadurch können sie sich in Pose stellen. Deswegen haben die Frösche sogar einen Kanal auf Instagram. In Essen tanzt sogar eine Frosch-Ballerina.

Einen Frosch hat Bernadas Cavallini für Lena Poppe, selbst Musicaldarstellerin und Tänzerin, gestrickt. Die Freundin und ihr Partner – tfn-Kollege Samuel Jonathan Bertz – haben sich mit einer gehäkelten Marilyn-Puppe bedankt.

„Emotionale Stütze“

Die meisten Frösche sind Freundschaftsdienste. Auch auf Nachfrage fertigt sie aber Frösche an, dann gegen eine Aufwandsentschädigung. Ein paar Frösche würde sie jedoch nie hergeben. Den ersten Frosch zum Beispiel, mit all seinen Fehlern und Ungeschicktheiten, oder einen in Latzhose mit Herz darauf. „Der begleitet mich überall“, verrät Bernadas Cavallini. „Er ist meine emotionale Stütze.“

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