Nominierung

Lüder hängt Bettels ab: So lief die Wahl des Bundestagskandidaten bei der Hildesheimer CDU

Kreis Hildesheim - Justus Lüder geht bei der Bundestagswahl für die Hildesheimer CDU ins Rennen. Er setzte in seiner Rede in der Parteiversammlung andere Schwerpunkte als Konkurrent Dirk Bettels. Das Votum der Mitglieder war schließlich deutlich. (mit Video)

Justus Lüder wartet in der Hildesheimer Halle 39 auf das Ergebnis der Abstimmung. Foto: Julia Moras

Kreis Hildesheim - Die Schlange der Gratulanten reicht am Ende der Versammlung quer durch die per Vorhang halbierte Halle 39. Eine Viertelstunde lang schüttelt Justus Lüder Hände, nimmt Umarmungen und Schulterklopfen entgegen. Aus den Lautsprechern erklingt Popmusik. Kurz vorher hat er den klaren Auftrag erhalten, für die CDU im Landkreis Hildesheim bei der Bundestagswahl ins Rennen zu gehen: 208 Mitglieder stimmen für ihn, nur 77 für Mitbewerber Dirk Bettels. 73 zu 21 Prozent der gültigen Stimmen. Ein deutliches Ergebnis – deutlicher, als kurz vorher noch zu erwarten war.

Schließlich bekommt auch Bettels mehrfach Applaus, als er sich als Erster vorstellt. Zum Beispiel, als er eine konsequentere Migrationspolitik fordert: „Wir sind gute Gastgeber. Aber Gäste haben sich zu benehmen, sonst werden sie vor die Tür gesetzt.“ Oder als er das Bemühen von Kanzlerkandidat Friedrich Merz lobt, weder Cannabiskonsum noch Schwarzfahren zu legalisieren.

Bettels: „Ich habe es nicht immer allen recht gemacht“

Bettels gibt sich staatsmännisch, als er seine Qualifikationen aufzählt: Unternehmer auf unterschiedlichen Feldern, früherer Vizepräsident der Industrie- und Handelskammer, Honorarkonsul der Slowakischen Republik. „Ich sage das nur“, stellt Bettels klar, „um zu zeigen: Ich habe viele Kontakte und Einblicke.“

Bettels polarisiert. Auf dieses Image geht er zum Schluss seiner Rede selbst ein: „Ich habe es nicht immer allen recht gemacht“, sagt der 59-Jährige. Doch er sei jemand, der für seine politischen Ansichten eintritt. „Mit Streit, gelegentlich auch mit Provokation.“

Lüder: „Ich kann Stadt und Landkreis“

Dann tritt Lüder ans Mikrofon. Er zog einst aus Neuhof bei Hildesheim nach Neuhof bei Lamspringe. Dieses biografische Detail wird zum Symbol einer Botschaft, die er in seiner Rede gleich zweimal betont: „Ich kann Stadt und Landkreis.“ Der 55-Jährige wirft vor allem seine Erfahrung als Unternehmer in die Waagschale: Als Selbstständiger müsse er sich jeden Tag neu erfinden. Das fordert er auch von der Politik, von der Gesellschaft: „Einfach mal machen.“ Leistung und Einsatz müssten sich wieder lohnen und dürften nicht durch einen „Helikopterstaat“ gebremst werden. Wirtschaftspolitik nennt er als einen persönlichen Schwerpunkt – denn die sei letztlich auch die Grundlage eines funktionierenden Sozialstaates.

Ansonsten geht Lüder kaum auf konkrete politische Themen ein, verweist zunächst auf das Grundsatzprogramm seiner Partei. „Ich will ein starke Stimme für die bürgerliche Mitte in der Region sein“, kündigt er an, erklärt den Wahlkampf für eröffnet und setzt auf Geschlossenheit: „Ich brauche Sie alle.“

Wie Bettels macht auch Lüder deutlich, dass die CDU im Hildesheimer Wahlkreis etwas aufzuholen hat – schließlich ist sie aktuell überhaupt nicht im Bundestag vertreten, weder durch ein Direktmandat noch über die Landesliste. „Wir brauchen endlich wieder eine verlässliche Stimme in Berlin“, sagt der frisch gebackene Kandidat. Im Kampf um das Direktmandat konkurriert Lüder vor allem mit Daniela Rump, die bereits als Kandidatin der Hildesheimer SPD feststeht.

  • Region
  • Kreis Hildesheim
Anmerkung zum Artikel

Sie haben einen Fehler im Artikel gefunden? Oder haben Sie weitere Informationen zu dem Thema für uns? Dann teilen Sie uns diese gerne mit.