Hildesheim - Es muss 1981 gewesen sein. Ich hatte meine liebste Freundin Kerstin überredet, mit mir ins Jolly Joker in Braunschweig zu gehen. Zum Konzert von Heinz-Rudolf Kunze. Ich hatte ihn gerade für mich entdeckt. Seine Stimme, die Musik, die Texte und seine Wortgewandtheit begeisterten mich. Wie der Mann aussah, wusste ich nicht. Das fand ich spannend. Ich war irre aufgeregt, fühlte mich so erwachsen und freute mich riesig auf den Abend.
Warten vorm Joker
Ich wartete vor der Tür vom Joker auf Kerstin. Lange. Sehr lange. Sie kam nicht. Wie ich später erfuhr, hatte ihr Vater Kalle unser Date für nichtig erklärt. Also nur Heinz-Rudolf und ich und ein paar hundert andere Gäste. Es wurde dunkel, da kam er auf die Bühne. Schlechtsitzende Jeans, Hosenbeine gekrempelt, kariertes Hemd, Schnurbart. Na, den hatte ich mir nun wirklich anders vorgestellt. Ein bisschen schöner. Aber egal, was zählt ist die Musik, ich wollte ihn schließlich nicht heiraten. Dafür entschied ich mich erst viel später, und zwar für meinen Mann, der mir natürlich viel, viel besser gefällt.
Ein Geschenk!
Der beste Ehemann schenkte mir zum meinem Geburtstag im Februar Konzertkarten für Juli. Heinz-Rudolf Kunze im Bergtheater in Thale. Seit Wochen freute ich mich auf diesen Abend. Bereitete mich vor, in dem ich die Musik aus 40 Jahren Kunze hörte. Die Texte sitzen immer noch 1a. Am Konzert-Tag dann ist mein Mann krank. Nein, er könne unmöglich mitkommen. Also fahre ich allein in den Harz. Heinz-Rudolf, ich komme! Während der Fahrt fällt mir die Geschichte von Kerstin und dem Jolly Joker ein. Als er später das Lied „Noch hab ich mich an nichts gewöhnt“ singt, zücke ich mein Handy, nehme es auf und schicke es Kerstin. Da fühle ich mich fast wieder wie mit 14. Naja, ein winziges bisschen. Ach, war das schön. Es wird sicher nicht das letzte Kunze-Konzert gewesen sein. Vieleicht frage ich Kerstin noch mal, ob wir 1981 nachholen wollen.
