Söhlde - Von außen wirkt es wie ein unscheinbares Häuschen irgendwo in Hoheneggelsen in der Gemeinde Söhlde. Doch beim Betreten fällt schnell auf, hier leben echte Lego-Fans. Überall sind die bunten Steine präsent. Sie stehen auf Kommoden, in Schränken oder in Vitrinen und selbst die Blumen in der Fensterbank sind größtenteils aus Lego.
„Ja, so bekloppt kann man sein“, sagt Michael Günther und muss lachen. Wie sich die ganze Familie mit dem Legofieber infizierte, warum seine eigenen Kreationen vielleicht eines Tages weltweit Legofans begeistern und warum er eine Anfrage fürs Fernsehen abgelehnt hat, erzählt er der HAZ bei einem Besuch.
Wie alles begann
Der Startpunkt liegt etwa vier bis fünf Jahre zurück. „Tim hatte in seinem Zimmer einen Haufen aus verschiedenen Star Wars Sets von Lego liegen und ich habe geholfen, die Teile zu sortieren und die einzelnen Figuren zusammen zu bauen“, erinnert sich der Vater des heute Zwölf-Jährigen. Dabei wurde ihm klar: „Etwas aus Lego zu bauen macht nicht nur unheimlich viel Spaß, es hilft auch abzuschalten und runterzukommen.“
Mit der Zeit wurde dann aus der Nerd-Ecke ein ganzer Nerd-Raum
Und so richtete sich der Familienvater in einem Büro im Keller eine kleine Hobbyecke ein. Neben Platz zum Bauen gehörten auch Fernseher, Playstation und Lego-Videospiele mit zur Ausstattung. „Mit der Zeit wurde dann aus der Nerd-Ecke ein ganzer Nerd-Raum“, erzählt Günther, während er in einem bunt beleuchteten Kellerraum voller Lego steht.
Der Weg zu Instagram
In diesem Raum verbringt er viel Freizeit, um an sogenannten Mocs (my own creation, zu deutsch: meine eigene Kreation), zu bauen und diese vor der Kamera in Szene zu setzen. Anfangs machte er die Fotos nur für sich, probierte viel aus. Doch Bekannte fanden es schade, dass die Bilder kaum jemand zu Gesicht bekommt, und so motivierten sie den Lego-Fan, seine Werke auf einer Instagramseite zu zeigen.
Als der Neu-Instagrammer am 4. März 2021 seinen ersten Post veröffentlichte, dachte er noch: „Wenn ich damit mehr als 100 Leuten erreichen und begeistern kann, wäre das echt cool.“ Mittlerweile folgen rund 5350 Personen seiner Seite „judgehoschi“, auf der er bereits über 1000 Beiträge gepostet hat.
Werke werden ausgestellt
Michael hat die ganze Familie nachgebaut und damit Alltagsszenen nachgestellt
Bei seinen Projekten kennt die Kreativität keine Grenzen, erzählt seine Frau Petra, während sie einen Rahmen mit Legofiguren in den Händen hält. „Das sind wir. Michael hat die ganze Familie nachgebaut und damit Alltagsszenen nachgestellt.“ Sie selbst war lange Zeit kein Fan, doch als die Blumen aus Lego in die Wohnung kamen, war es auch um sie geschehen. „Unser größter Erfolg“, sagt Sohn Tim.
Ähnlich erfolgreich war der Zwölf-Jährige, als er seinen Vater überzeugte, die Mocs bei den Hildesheimer Steinewelten zu präsentieren. Hierbei handelt es sich um eine zweitägige Messe in der Eventlocation Halle 39. Bei seiner dritten Teilnahme im Frühjahr 2024 plant Günther eine eigene Themenwelt auszustellen, die aus Elementen von ihm und von befreundeten Legobauern aus dem ganzen Land besteht. Diese sollen als Gemeinsamkeit alle über magisches Portal verfügen – eine Art Tor mit dem die Figuren zwischen den verschiedenen Welten wechseln können.
Eigene Ideen bald bei Lego?
Gerade während der Pandemie hatte der gelernte Elektroniker Zeit, sich seinem Hobby zu widmen und so baute er unter anderem Szenen von einem Terry Hoax Konzert nach. Er erstellte ein Video aus Fotos und Effekten, legte einen Song dahinter und schickte es der hannoverschen Rockband. Diese war total begeistert und bat ihn, das Video online zu stellen. Am 3. Juni 2021 veröffentlichte der Hobbyfotograf dann das Video auf Youtube – der Start des Kanals „Judgehoschi“, auf dem heute bereits über 200 Videos seine Welt der bunten Steine und Blicke hinter die Kulissen zeigen.
Die Fotos und Videos helfen Günther auch, seine Mocs festzuhalten, denn vieles, was er gebaut hat, gibt es schon gar nicht mehr. „Wir brauchen die Steine schlichtweg für andere Mocs“, sagt der kreative Bastler. Zwei seiner Projekte hat er sogar auf der Konzern eigenen Plattform Lego Ideas hochgeladen. Wenn diese dort von über 10.000 Personen unterstützt werden, guckt Lego sich den Vorschlag an und prüft, ob er ins offizielle Sortiment aufgenommen werden kann.
Und auch seine beiden Kinder Tim (12) und Lena (9) verbringen gerne Zeit im Keller, um eigene Welten zu kreieren. Deshalb haben sie mittlerweile einen eigenen Raum mit zwei Bauplätzen. Dahinter thront eine große Lego-Stadt auf einem Tisch, wo früher mal eine Märklin-Bahn ihre Runden zog. An den Schränken hängen Plakate – natürlich von Lego.
Produktionsfirma interessiert
Lego ist zum Spielen da und nicht bloß zum Angucken
Das Wichtigste ist der Familie aber bei all dem, Spaß mit einem gemeinsamen Hobby zu haben. „Lego ist zum Spielen da und nicht bloß zum Angucken. Da darf auch Mal was kaputt gehen oder dreckig werden“, sagt Günther. Und so entstanden auch schon Fotos mitten im Watt. „Normalerweise sind meine Models recht geduldig, aber wenn bei Außenaufnahmen der Wind dazu kommt, heißt es schnell sein, bevor die Figuren umfallen“, sagt der 48-Jährige.
Eines Tages erhielt Günther dann eine Anfrage von Endemol, die Produktionsfirma hinter der Fernsehshow Lego Masters. „Ich würde gerne aber das Ganze wäre sehr zeitaufwendig und die Teilnahme ist ab 18, sodass meine Kinder nicht mitkönnten. Da nutze ich meinen Urlaub lieber, um Zeit mit der Familie zu verbringen.“ Zwischenzeitig gab es sogar eine Anfrage von einer internationalen Produktion, aber auch die lehnte der Familienvater dankend ab.




