Giesen/Hildesheim - Kann Volleyball-Erstligist Helios Grizzlys Giesen kontern und im Playoff-Halbfinale gegen den VfB Friedrichshafen erneut in Führung gehen? Diese Frage haben sich am Mittwochabend viele der 2589 Zuschauer in der Hildesheimer Volksbank-Arena gestellt.
Wie berichtet verloren die Giesener am vergangenen Samstag die zweite Partie der Best-of-Five-Serie sang- und klanglos mit 0:3. Vor acht Tagen hatten sie dagegen Spiel eins in eigener Halle mit 3:2 gewonnen – es stand also 1:1 nach Spielen. Nach dem dritten Halbfinale haben nun wieder die Grizzlys die Nase vorn. Das Tollhaus Volksbank-Arena trieb die Mannschaft einmal mehr nach vorn. „Geil!“, ließ Mittelblocker Noah Baxpöhler seine Freude mit nur einem Wort heraus.
Perfekte Antwort auf den ersten Dämpfer
Das 0:3 vom vergangenen Wochenende war der erste echte Dämpfer für die Grizzlys während der kompletten bisherigen Liga-Runde gewesen. Egal, ob Hauptrunde oder Playoffs – bis dahin lief es für sie eigentlich fast immer wie geschnitten Brot. Aber die Mannschaft von Trainer Itamar Stein kann mit solchen Leistungsdellen offensichtlich umgehen. Sie meldete sich durch den 3:0-Erfolg am Mittwoch zurück. Und wie: Diesmal düpierten die Giesener den Rekordmeister beinahe – gewannen die Sätze 27:25, 25:18 und 26:24. Jetzt benötigen sie nur noch einen Sieg, um ins Finale um die Deutsche Meisterschaft einzuziehen.
Obwohl zunächst die Friedrichshafener in dieser dritten Partie den besseren Start erwischten. Sie lagen lange Zeit zwei oder drei Punkte vorn, einmal sogar mit 15:10. Doch die Giesener kämpften. Gegen Ende des Durchgangs bauten sie ein echtes Block-Bollwerk auf: Der leicht angeschlagene Jori Mantha und Baxpöhler machten zunächst den Laden am Netz dicht – 19:19. Danach kam der VfB nicht an Jakob Günthör (21:20) vorbei, und bei der 23:22-Führung blockte erneut Mantha. Trotzdem hatten in der Folge die Gäste zwei Satzbälle, die jeweils abgewehrt wurden.
Diesmal drehen die Grizzlys in Satz zwei richtig auf
Beim ersten Satzball für die Grizzlys versagten dann Friedrichshafens Diagonalangreifer Michal Superlak die Nerven. Er verschlug, der Punkt zum 27:25 ging an die Giesener und damit auch die 1:0-Satzführung.
Was die Giesener ab Satz zwei am Bodensee erlebten, das erlebte der VfB am Mittwochabend in Hildesheim. Die Grizzlys bauten mit Iliya Goldrin und Michiel Ahyi enormen Aufschlagdruck auf. Ahyis Aufschlagserie brachte sein Team mit 10:3 in Führung, gleich drei Asse waren dabei. Beim Stand von 14:6 wechselte VfB-Trainer Mark Lebedew ordentlich durch – er schickte Sergio Carillo, Simon Tabermann Uhrenholt und Ben-Simon Bonin für Aleksa Batak, Superlak und Jan Fornal auf das Feld.
Große Emotionen in der Satzpause
Ändern sollte es wenig, die Gastgeber brachten den Durchgang über 18:11 und 22:14 souverän nach Hause. Dank eines Aufschlagfehlers von Severi Savonsalmi endete der Satz mit 25:18.
In der Pause zwischen den Durchgängen zwei und drei gab es dann große Emotionen. Grizzlys-Geschäftsführer Sascha Kucera verabschiedete José Ferrero aus dem Aufbau-Team der Giesener. Kucera musste sichtlich um Worte kämpfen und sagte mit Tränen in den Augen: „Vielen, vielen Dank für all deine Arbeit über die letzten Jahre.“ Auch Ferrero selbst hatte nasse Augen und erhielt großen Applaus aus dem Publikum.
VfB hat Antworten, aber Grizzlys kontern immer wieder
Zu Beginn des dritten Satzes spielten sich die Gastgeber in einen kleinen Rausch. Diagonalangreifer Ayhi mit seine humorlosen Angriffen und gefährlichen Aufschlägen sorgte für eine 4:1-Führung. Aber Friedrichshafen wollte sich nicht so einfach abfertigen lassen. Die Baden-Württemberger hatten in diesem Durchgang nach Rückständen meist eine Antwort parat.
Einer, den der VfB überhaupt nicht in den Griff bekam, war an diesem Abend Grizzly Jori Mantha. Der Mann war irgendwie überall präsent, ob nun bei seinen Aufschlägen, beim Block, im Angriff oder auch in der Annahme. Er wurde anschließend auch zum wichtigsten Mann der Partie gekürt.
Immer wieder Mantha
Der Satz stand bis in die Schlussphase Spitz auf Knopf. Am Ende war es einmal mehr Jori Mantha, der die Partie entschied – wie erwähnt war er nicht ganz fit ins Spiel gegangen. „Das Geheimnis ist viel Ibuprofen und eine gute medizinische Abteilung“, sagte der Kanadier nach der Partie mit einem Lachen. „Sie haben mich zusammen gehalten. Manchmal fällt man ein wenig auseinander, aber man erholt sich auch wieder und schlägt zurück.“
Trainer Itamar Stein dazu: „Wir haben über die Osterfeiertage viel mit Jori gearbeitet – aber nicht nur mit ihm, sondern mit dem ganzen Team. Diese Saison und die Playoffs sind doch eine echte Werbung für den Volleyball und ein echter Gewinn für Hildesheim.“
Von: Ulrich Hempen und Maximilian Willke

