Auto-Zulieferer in der Krise

Massive Einbußen für Betroffene in Hildesheim: Bosch streicht Extras für langjährige Beschäftigte

Hildesheim - Freie Tage und zusätzliche Gehaltszahlungen – das ist derzeit noch die Regel, wenn jemand lange bei Bosch arbeitet. Doch damit soll es bald vorbei sein. Um welche Leistungen geht es? Und wie erklärt das Unternehmen seinen Schritt?

Der Automobil-Zulieferer Bosch streicht Beschäftigten aller Bereiche in ganz Deutschland die Sonderleistungen zu Betriebsjubiläen. Foto: Julia Moras

Hildesheim - Neuer Tiefschlag für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Bosch in Hildesheim – vor allem für langjährige Beschäftigte: Der Automobil-Zulieferer hat bundesweit Betriebsvereinbarungen zu Sonderleistungen für Betriebsjubiläen gekündigt. Die Leistungen werden nach dem aktuellen Stand ab 1. Januar 2026 ersatzlos gestrichen. Das haben Unternehmen und Betriebsrat bestätigt.

„Dringend notwendig“

Die Leistungen sind im Vergleich zu anderen Unternehmen durchaus üppig. Wer 25 Jahre lang bei Bosch arbeitet, bekommt fünf freie Tage und ein Monatsgehalt extra. Nach 40 Jahren gibt es sogar zehn freie Tage und zwei Monatsgehälter als Bonuszahlung. Da Bosch eine Firma ist, in der viele Beschäftigte sehr lange, teilweise ihr ganzes Berufsleben, bleiben, trifft diese Entscheidung viele Beschäftigte. Gerade auch im Hildesheimer Elektromotoren-Werk, zu dessen Belegschaft viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gehören, die seit Jahrzehnten „beim Bosch“, wie es im Unternehmen heißt, arbeiten.

Bosch verspricht sich von dem Schritt jährliche Einsparungen im zweistelligen Millionenbereich, wie ein Firmensprecher auf Anfrage der Redaktion erklärte. „Die schwierigen konjunkturellen Rahmenbedingungen sowie der andauernde Wandel in unseren Branchen stellen Bosch – wie auch andere Unternehmen – vor große Herausforderungen“, betonte der Sprecher. „Um wettbewerbsfähig zu bleiben und weiter in die Zukunft investieren zu können, ist es für uns dringend notwendig, nachhaltig Kosten zu senken.“ In diesem Zuge würden „alle Kostenpositionen geprüft und bei Bedarf angepasst“.

„Schlag ins Gesicht“

Die Entscheidung gegen die Jubiläumsleistungen, die auch nicht durch ein anderes, kostengünstigeres Modell ersetzt werden sollen, habe Bosch sich „nicht leicht gemacht“. Das Unternehmen halte den Schritt aber für notwendig. „Unsere hohe Wertschätzung für langjährige Verbundenheit bleibt unverändert.“ Das wolle Bosch zum Ausdruck bringen, indem die Firma künftig Ausbildung und Qualifikation der Beschäftigten in den Mittelpunkt stelle: „Investitionen in die Zukunft, Qualifizierung und die Möglichkeit zur persönlichen Weiterentwicklung sind entscheidend für die Zufriedenheit und das Engagement unserer Beschäftigten – davon bin ich überzeugt“, sagt Stefan Grosch, Geschäftsführer und Arbeitsdirektor der Robert Bosch GmbH, dazu. Über die Ausgestaltung wolle Bosch mit dem Betriebsrat reden.

Die Arbeitnehmervertretung in Hildesheim reagierte am Mittwochabend allerdings erst einmal ziemlich empört auf die Kündigung der Jubiläumsleistungen: „Dass die ersatzlos gestrichen werden, lässt einen erstmal sprachlos zurück. Das ist ein neuer Schlag ins Gesicht der Beschäftigten“, sagte der Betriebsratsvorsitzende des Hildesheimer Elektromotoren-Werks, Stefan Störmer, auch mit Blick auf die ohnehin sehr unsichere Zukunft des Standorts.

„Emotional schwierig“

Störmer verweist auch darauf, dass im kommenden Jahr das 140-jährige Bestehen von Bosch ansteht – zurückgehend auf die Gründung der ersten „Feinmechanischen Werkstatt“ durch Robert Bosch im Jahr 1886. „Und zum Jubiläum gibt es dann keine Sonderleistungen mehr für langjährige treue Mitarbeiter – das ist für die Kolleginnen und Kollegen auch emotional sehr schwierig zu verarbeiten“, sagt Störmer. Zumal es nicht nur jene treffe, die vielleicht kurz vor einem Betriebsjubiläum stehen – sondern auch Jüngere, die auf eine lange Bosch-Karriere setzen.

  • Hildesheim
  • Hildesheim
Anmerkung zum Artikel

Sie haben einen Fehler im Artikel gefunden? Oder haben Sie weitere Informationen zu dem Thema für uns? Dann teilen Sie uns diese gerne mit.