Deinsen - Alex schüttelt immer wieder den Kopf: „Also, unsere Gruppe ist ja seit 18 Jahren in Europa unterwegs“, erzählt der fröhliche Niederländer. „Aber so etwas habe ich noch nie gesehen und noch nie mitgemacht. Großartig.“ Dann klemmt er sich seine Luftmatratze in Krokodilform unter den Arm und stapft wieder den Westhang des Külf hinauf. „Bei uns geht das auch gar nicht, mein Wohnort Lelystad am Ijsselmeer liegt ja sogar unter dem Meeresspiegel“, erzählt er noch. Der nächste Berg, selbst der nächste Hügel ist dort weit weg.
Geocaching-Fans in Aktion
Ohne einen gewissen Höhenunterschied ist aber nicht möglich, was eine Initiative aus dem Leinebergland auf die Beine gestellt hat. Vom Waldrand auf dem Külf bis hinunter an den Ortsrand haben die rund 50 Helfer eine etwa 250 Meter lange Wasserrutsche installiert – als größte Attraktion eines Treffens von Menschen aus ganz Deutschland und mehreren Nachbarländern, die eigentlich die Liebe zum Geocaching eint. Für den Lauf des Wochenendes haben sich sogar Gleichgesinnte aus den USA und Kanada angekündigt, die gerade auf Europareise sind.
Es ist die dritte und letzte Auflage der „verrückten Rutsche“, wie die Organisatoren um den Gronauer Ralf Deppe das Ganze nennen. Vor der Corona-Pandemie gab es die erste Auflage, damals noch mit notdürftig aneinander gestückelten alten Folien. Inzwischen sieht das Ganze weitaus professioneller aus. Denn die lokale Geocaching-Szene kann auf Fachleute aus verschiedenen Bereichen zurückgreifen.
Erinnerung in Listringen
Das beginnt mit dem Deinser Landwirt Martin Mundhenke, in Geocaching-Kreisen bekannt als „Der Külftaler“. Er hat vor gut zwei Wochen noch schnell den Weizen abgeerntet – womit der Weg für einen befreundeten Baggerfahrer frei war. Der baggerte die Fahrrinne aus. Darin wurde zunächst ein Rübenvlies verlegt, dann kamen dicke Gummiplanen darüber. Zwei Pumpen – beide fallen zum Start aus, können aber schnell repariert werden – sorgen dafür, dass das Wasser aus dem Auffangbecken am Fuß der Strecke mithilfe von Feuerwehrschläuchen wieder nach oben transportiert wird.
Der Aufbau erinnert stark an eine Aktion junger Listringer vor genau zehn Jahren. Sie hatten damals eine etwa 170 Meter lange Rutsche von ihrem Dorf aus ins Tal geführt und damit überregional für Furore gesorgt. In Deinsen ist die Rutsche nun noch länger – und das Konzept anders: Die Rutsche steht nicht über einen längeren Zeitraum, sondern nur an einem Tag zur Verfügung. Und sie ist nicht für jedermann offen, sondern nur für Geocaching-Freunde, die sich über interne Netzwerke angemeldet haben oder wie die Niederländer eingeladen wurden. „Der Andrang würde uns sonst völlig überrollen, das wäre dann auch den Menschen, die hier wohnen, nicht mehr zuzumuten“, erklärt Mitorganisator Fabian Pensky.
38 Stundenkilometer
Tatsächlich kommen am Samstag dennoch mehr als 1000 Menschen nach Deinsen. Auf dem zum Parkplatz umfunktionierten Ackerstück finden sich Autokennzeichen aus der ganzen Bundesrepublik und darüber hinaus. Viele sind mit Wohnmobilen gekommen wie die Niederländer, die das ganze Wochenende in der Region verbringen. Auch zahlreiche Zelte stehen auf der Fläche. Dort herrscht Volksfest-Stimmung. Natürlich gibt es Caches zu finden, Interessierte können sich mit einer Hebebühne auf 33 Meter hochfahren lassen, um über das Külftal zu blicken, Anbieter von Geocaching-Produkten haben Stände aufgebaut. Überall tauschen Besucherinnen und Besucher Erfahrungen und Anekdoten aus.
Und immer wieder zieht es sie zur Rutsche. Dort wird sogar das Tempo gemessen. Spitzenwert: 38 Stundenkilometer. Da wird Alex daheim am Ijsselmeer einiges zu erzählen haben.



