Konzert

Mehr als nur Italo-Schlager: Brazzo Brazzone & The World Brass Ensemble in der Hildesheimer Bischofsmühle

Hildesheim - Die Hildesheimer Bischofsmühle war ausverkauft und Brazzo Brazzone & The World Brass Ensemble lieferten ein buntes Potpourri. Der Bassist musste ein wenig improvisieren – und das Publikum sich mitunter auf einen Sprachenmix einstellen.

Brazzo Brazzone & The World Brrass Ensemble kommen in Hildesheim gut an. Foto: Dana Dietrich

Hildesheim - Der Legende nach gründete Daniel Zeinoun seine Band Brazzo Brazzone & The World Brass Ensemble, nachdem ihm sein italienischer Urgroßvater, sein “Nonno”, im Traum erschien.

Dieser sprach mit ihm auf Italienisch – wundersamerweise verstand ihn Daniel “Daniele Brazzone” Zeinoun und beschloss, der Musik seines Nonnos “Brazzo Brazzone” aus den Zwanzigern nachzuforschen. Auf seinem Dachboden entdeckte er ein verstaubtes Sousaphon sowie Originalnoten – die er von da an mit seinem „World Brass Ensemble“ aufführte.

Bassist muss neben der Bühne spielen

Die hannoversche Band aus Palermo war Freitag in der vollverkauften Bischhofsmühle in Hildesheim zu Gast. Die „einzige Italo-World-Groove Brass Band ihrer Art weltweit“ lieferte ein wirklich abwechslungsreichen Konzertabend, mit viel mehr als nur Italo-Schlagern. Auf der Bühne standen vier Musiker in knallbunten Anzügen, jeweils mit Hut und Sonnenbrille.

Ein weiterer stand daneben. Für den Bassisten Raimund „Raimondo Brazzone“ Lippok und sein Sousaphon war die Decke des Kellergewölbe zu niedrig, sodass er neben der Bühne spielen musste. Zusammen mit dem Schlagzeug, gespielt von Tim „Timolito Brazzone“ Nicklaus bildete er das Fundament der Band. Eine funky Disco-Stimmung erzeugt Gitarrist Steven „Stevolito Brazzone“ Malekas. Mit seinem Wah-Pedal unterstütze er die Rhythmusgruppe und spielte gekonnte Soli.

Buntes Potpourri

Das Programm des Abends war ein buntes Potpourri verschiedener Einflüsse – eine Mischung aus Covern und Originalkompositionen, aus „neuen und alten Canzone“, laut Daniele. Die „neuen Canzone“ stammen vor allem aus dem aktuellsten Album „Flash Attack“, welches Ende 2024 erschien. Titel wie „Mr Wong in the House“, „Flash De Mops“ (ein Stück, das sie für einen Flashmob komponierten), sowie „Bambule Tabouleh“, standen auf der Setlist.

Die Melodien dazu lieferten Daniele an der Trompete und Cocolito Brazzone am Tenorsax. Mit virtuosen Licks im Unisono, sowie improvisierten Soli begeisterten sie das Publikum. Zusammen mit dem Rest der Band erzeugten die Jazzmusiker eine beeindruckende Klangfülle, an der nichts mangelte.

Songtexte auf Denglisch

Die Songtexte waren oft auf Denglisch, die Moderationen von Daniele auf Ditalienisch, mit sehr viel Witz, Humor und Fantasie. Ihre Songauswahl bezeichnete der Frontman selbst als „Salsa-Polka-Jazz-Mash-Mix-Crossover“, eine Beschreibung, die dem Abend durchaus gerecht wird. Und jeder Song brachte dabei etwas Neues fürs Publikum: Mal Disco-Grove oder Swing, mal Smooth-Jazz mit perfekt kitschigem Saxophon-Solo, und dann auch noch eine Balkan-Polka.

Gegen Ende spielte die Band den Adrian Celentano-.Klassiker „Azzurro“ als Abschluss des Konzerts – die Zuhörerinnen und Zuhörer elektrisierte dies – und sie sangen begeistert mit. Es gab auch noch zwei Zugaben: „September“ (von Earth, Wind & Fire) und als unerwarteten Rausschmeißer: Sam Smiths „I´m not the only one“ in einem sehr stimmungsvollen, originellen Arrangement.

Ob dieses aus der Feder des legendären Urgroßvater Brazzo Brazzone stammt, ist ungewiss. Gewiss ist aber, dass sein Enkel und seine Band Brazzo Brazzone & The World Brass Ensemble ihm alle Ehre machen.

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