Kreis Hildesheim - Die Spuren des Hebelwerkzeugs, vielleicht war es ein Schraubenzieher, sieht man erst auf den zweiten Blick. Die beiden Polizeioberkommissare Harald Neumann vom Polizeikommissariat Sarstedt und Bernd Hoppe von der Polizeistation Harsum begutachten den Schaden an einem Einfamilienhaus in Algermissen.
Daneben steht der 65-jährige Hausbewohner. Bei im versuchten Einbrecher, Ende August einzubrechen. Die Täter scheiterten damals an dem Fenster. Möglicherweise war das Hebelwerkzeug zu klein. Vielleicht wurden die Täter auch gestört. Der Fall ist längst aufgenommen. Einen Tatverdächtigen konnten die Beamten wie oft in solchen Fällen nicht ermitteln.
„Ganz schlimm ist es, wenn die Täter ins Schlafzimmer kommen“
Dass die beiden Polizisten am Mittwoch bei dem Algermissener zu Besuch sind, geschieht im Rahmen der Prävention. „Nachsorge“ nennen die Beamten das. Dabei sprechen die Polizisten auch darüber, welche psychsischen Auswirkungen eine Tat hat. Die sind bei Einbrüchen nicht zu unterschätzen, wie Hoppe berichtet. Schließlich dringen die Täter in den intimen Lebensbereich der Menschen ein. „Ganz schlimm ist es, wenn die Täter ins Schlafzimmer kommen“, erklärt Polizeioberkommissar Hoppe. Aber auch sonst sorgt eine solche Tat oft für seelische Beeinträchtigungen.
Und auch wenn es sich bei dem Fall in Algermissen nur um einen Versuch handelt, nimmt sich der 65-Jährige Hausbewohner die Sache doch zu Herzen: „Man fühlt sich jetzt nicht mehr so sicher.“ Er will nun sein Haus besser vor Einbrechern schützen – und bekommt von den beiden erfahrenen Polizisten wertvolle Tipps. So hat er schon länger über eine Kamera-Überwachung nachgedacht, dies aber wegen zu hoher Kosten und eines fehlenden Stromanschlusses bislang verworfen. Doch Neumann kann ihn beruhigen. Eine Kamera sei schon für 80 Euro zu bekommen, betrieben mit Solarenergie. Noch wichtiger sei aber, dass der 65-Jährige eine Sicherung an den Gitterrosten seiner Kellerfenster anbringt. Und im Garten, von wo die Täter kamen, will er auch Beleuchtung mit Bewegungsmelder anbringen.
Beamte auf Präventionstour
Der Besuch bei dem 65-Jährigen, der seinen Namen nicht öffentlich genannt haben möchte, ist Teil einer Präventionstour zum Thema Einbruchsschutz. Überall im Landkreis sind Beamte derzeit im Einsatz und informieren Bürgerinnen und Bürger in Sachen Einbruchsschutz. Und der Zeitpunkt ist natürlich nicht zufällig gewählt. „Es ist der Beginn der dunklen Jahreszeit und das wird von den Einbrechern genutzt“, erläutert Hoppe. Im Schutz der Dunkelheit fühlen sich die Täter sicher.
Jetzt fahren die beiden Beamten durch die Straßen von Harsum und gucken dabei, wo es Einbrechern besonders leicht gemacht wird. Das wäre etwa eine Leiter, die von der Gartenarbeit noch im Vorgarten steht. Ganz so offensichtliche Fälle finden die Beamten diesmal nicht. Aber auch Mülltonnen neben einer Garage mit Zugang zu einem Hausfenster können den Tätern schon leichtes Spiel machen. An einem anderen Haus steht ein Gerüst, von dem aus man direkt die Fenster im Obergeschoss erreichen kann. Manche Risikofaktoren lassen sich nur schlecht vermeiden.
Nicht Villen sind bei den Tätern das bevorzugte Objekt
Auf der Fahrt berichten die Polizeibeamten, wo die Einbrecher besonders gerne zuschlagen. Das sind nicht etwa die Häuser, die besonders edel und nach viel Geld aussehen. Der 57-jährige Neumann hat in seiner langen Polizeikarriere erst einmal einen Einbruch-Einsatz in einer Villa erlebt. Denn solche Gebäude sind meist gut gesichert, das wissen natürlich auch die Täter. Ganz normale Einfamilienhäuser sind das Beuteschema der meisten Einbrecher.
Und deren Besitzer können auch ohne aufwendige Alarmtechnik einiges tun, um sich zu schützen. Für Polizist Hoppe sind es vor allem drei wichtige Punkte. Zum einen sollte man draußen eine Beleuchtung mit Bewegungsmelder installieren. Das schreckt die meisten Täter, die etwa über die Terrassentür eindringen wollen, schon ab. Wichtig sei es zum zweiten, die Haustür bei Abwesenheit immer abzuschließen und nicht nur zuzuziehen. Und schließlich sollte man in keinem Fall – auch bei kurzer Abwesenheit – ein Fenster auf Kipp lassen, wie Hopp erklärt: „Ein gekipptes Fenster ist für Einbrecher wie ein offenes Fenster.“
