Neue Corona-Verordnung

Mehr Einschränkungen für Ungeimpfte: Das ändert sich ab Donnerstag in Niedersachsen

Hildesheim - Mit einer neuen Corona-Verordnung wird das Leben für ungeimpfte Menschen in Niedersachsen unbequemer. Das betrifft etwa Veranstaltungen. Weitere Verschärfungen sind wahrscheinlich.

Die neue Corona-Verordnung des Landes Niedersachsen bringt im Landkreis Hildesheim wie auch im gesamten Bundesland zunächst nur wenige Veränderungen mit sich. Foto: Chris Gossmann

Hildesheim - Neue Corona-Regeln bringen für ungeimpfte Menschen in Niedersachsen von Donnerstag an mehr Einschränkungen. “Es geht uns darum, die kommenden kalten und nassen Monate so gut wie irgend möglich durchzustehen, eine Überforderung unseres Gesundheitssystems zu verhindern, und möglichst viele Menschen vor schweren Erkrankungen und Tod zu retten“, sagte Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) laut Mitteilung. Auch Bundesländer, die - wie Niedersachsen - noch weniger betroffen sind als andere Länder, müssten sehr vorsichtig sein. Die Situation in Süd- und Ostdeutschland sei ein warnendes Beispiel. In Bundesländern wie Sachsen oder Thüringen ist die Sieben-Tage-Inzidenz derzeit mehr als viermal so hoch wie in Niedersachsen.

Die Staatskanzlei teilte weiter mit, dass weitere Verschärfungen je nach Entwicklung der Pandemie in den kommenden Tagen und Wochen wahrscheinlich seien. Nähere Angaben wurden dazu am Dienstag nicht gemacht.

Die wichtigsten Fragen und Antworten zur neuen Corona-Verordnung:

Ändert sich durch die neue Corona-Verordnung grundsätzlich etwas, etwa bei Maßstäben wie der Sieben-Tage-Inzidenz und Warnstufen?

Grundsätzlich bleibt es bei dem bestehenden System mit mehreren Warnstufen. Eine Corona-Warnstufe wird in Niedersachsen erreicht, wenn der Hospitalisierungswert (Krankenhausaufnahmen) und mindestens eine der beiden anderen Maßzahlen (Neuinfizierte, Intensivbetten) die in der Verordnung definierten Schwellenwerte überschreiten. So muss beim Leitindikator Hospitalisierung der Wert sechs überschritten werden, damit möglicherweise Warnstufe eins ausgerufen werden kann. Dieser Wert liegt derzeit bei vier.

Kommt die flächendeckende 2-G-Regel?

Nein. Die neue Corona-Verordnung des Landes setzt zunächst weiter auf die 3-G-Regel, der vielfach geforderte Umstieg auf 2G kommt zumindest vorerst nicht.



Was ändert sich bei Veranstaltungen?

Bei Veranstaltungen in geschlossenen Räumen mit mehr als 1000 Menschen wird bereits ab der Corona-Warnstufe 1 in einem Landkreis auf das 2G-Modell umgestellt, somit könnten dort nur geimpfte und genesene Menschen Zutritt erhalten. Bisher galt dies erst ab Warnstufe 3. Kinder und Jugendliche bis zur Vollendung des 18. Lebensjahres sind hiervon ausgenommen. Veranstaltungen hätten sich zuletzt als besondere Corona-Verbreitungsorte erwiesen. Derzeit herrscht die Warnstufe 1 allerdings noch nirgends.



Und bei den anstehenden Weihnachtsmärkten?

Hier wird die neue Corona-Verordnung präziser. Klargestellt wird beispielsweise, dass die Vorgabe ‚3G‘ für alle gilt, die auf dem Weihnachtsmarkt essen oder trinken. Es muss also sichergestellt sein, dass nicht nur diejenige Person, die für alle Essen oder Getränke besorgt, geimpft, genesen oder aktuell negativ getestet ist, sondern alle Personen, die dann gemeinsam essen und trinken.



Erleichterung gibt es, wenn auf einem Weihnachtsmarkt 2G gilt: Sobald dies unabhängig von Warnstufen freiwillig festgelegt wird oder obligatorisch ab Warnstufe 3 gilt, dürfen nur noch Geimpfte und Genesene die Gastronomie und Fahrgeschäfte auf den Weihnachtsmärkten nutzen. Diese müssen dann keine Maske mehr tragen und auch keine Abstände mehr einhalten.

Ursprünglich waren Erleichterungen für Discos und Shisha-Bars ins Auge gefasst worden – kommen diese?

Nein. Die möglichen Erleichterungen für Diskotheken und Shisha-Bars, beispielsweise ein Wegfall zwingender Kapazitätsbegrenzungen, kommen nicht. Stattdessen empfiehlt die Landesregierung „ausdrücklich“ allen Betreibern, sich freiwillig für das 2-G-Modell zu entscheiden, auch wenn die Warnstufe 1 nicht gilt.



Gibt es Neuigkeiten zur Maskenpflicht in den Schulen?

Bei der Maskenpflicht im Unterricht ändert sich der überarbeiteten Verordnung zufolge nichts - Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufen eins und zwei müssen keine Maske tragen, die anderen hingegen schon. Eine Lockerung der Maskenpflicht stand vor wenigen Wochen noch im Raum.

Wie oft müssen sich Schüler und Lehrer testen?

Schüler und Lehrer, die nicht vollständig gegen das Coronavirus geimpft oder von einer Covid-19-Infektion genesen sind, müssen sich weiterhin dreimal wöchentlich testen - in der Regel montags, mittwochs und freitags. Rund die Hälfte der 12- bis 17-Jährigen in Niedersachsen sind nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) vollständig gegen das Coronavirus geimpft.

Was gilt beim Sport?

Eine Klarstellung hat die Landesregierung beim Thema Sport eingefügt – und die ist zum Beispiel für Fußballer relevant: Wer nämlich draußen Sport treibt, danach aber eine Umkleidekabine nutzen und vielleicht auch duschen will, muss geimpft, genesen oder getestet sein. Wer das nicht ist, darf sich auch nicht zum Beispiel im Klubhaus oder in der einer Sporthalle umziehen, sondern muss das draußen oder zu Hause tun.

Wie ist die Lage für Beschäftigte in Pflegeheimen?

Für ungeimpfte Beschäftigte in Alten- und Pflegeheimen gibt es schärfere Regeln: Sie müssen sich ab Donnerstag jeden Tag auf das Coronavirus testen, wie die Staatskanzlei am Dienstag in Hannover mitteilte. Zuvor war dies dreimal wöchentlich vorgeschrieben.

Wie geht das Land weiter mit Booster-Impfungen um?

Über 70-Jährige sollen im Bundesland einen Brief mit Informationen über die Corona-Auffrischungsimpfung erhalten. Darin soll etwa enthalten sein, wo sich Bürgerinnen und Bürger impfen lassen können, sagte Gesundheitsministerin Daniela Behrens (SPD) im Landtag. Wann und durch wen diese Briefe verschickt werden sollen, blieb zunächst offen. Nach RKI-Zahlen haben bislang rund 250 000 Menschen in Niedersachsen eine Corona-Auffrischungsimpfung erhalten.



Wie entwickeln sich die Corona-Zahlen derzeit in Niedersachsen?

In Niedersachsen stieg der Inzidenzwert nach einem Rückgang am Dienstag wieder leicht am Mittwoch von 103,1 auf 106,2. Besonders hohe Corona-Zahlen hat derzeit der niedersächsische Landkreis Cloppenburg. Das RKI gab die Sieben-Tage-Inzidenz der Neuinfektionen am Mittwoch mit 315,7 an - so viele Corona-Fälle pro 100 000 Einwohnerinnen und Einwohner in den vergangenen sieben Tagen wurden gemeldet. Damit hat der Landkreis den mit Abstand höchsten Wert in Niedersachsen. “Mittlerweile ist es so, dass es in allen beruflichen und gesellschaftlichen Bereichen angekommen ist“, sagte ein Sprecher des Kreises. Menschen aller Altersgruppen vom Säugling bis zur Seniorin seien von Corona betroffen. Das Virus habe sich in allen Gemeinden und Städten des Kreises ausgebreitet.

Und in Hildesheim?

Die Sieben-Tage-Inzidenz für Neuinfektionen mit dem Coronavirus ist am Mittwoch im Landkreis Hildesheim zurückgegangen. Der Kennwert sank von 84,6 am Dienstag auf nunmehr 79,9, wie das Robert-Koch-Institut am Morgen meldete. Das ist der beste Wert seit einer Woche. Hildesheim trotzt damit mehr denn je der bundesweiten Entwicklung mit ihren immer neuen Negativ-Rekorden.

von Katharina Brecht mit dpa-Material

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