Hannover - Große Sorge in Hannover-Hainholz: Mehrere Anrufer meldeten am Dienstagmorgen der Polizei, dass sie dort einen Wolf gesichtet hätten. Der jungen Auszubildenden Lola Appuhn (22) gelang es sogar, das Tier kurz zu filmen. Die Polizei ist informiert, ebenso Umweltministerium und auch der Wolfsbeauftragte des Landes Niedersachsen. Alle nehmen die Beobachtungen sehr ernst.
Es war am Dienstag gegen 7.20 Uhr. Lola Appuhn erzählt: „Ich war mit dem Auto gerade auf der Schulenburger Landstraße unterwegs zu meiner Arbeit. Dann sah ich dieses Tier. Ich dachte erst an einen herrenlosen Hund und fuhr vorsichtig, weil ich dachte, läuft noch jemand hinterher. Aber es kam niemand.“ Sie machte schnell ihre Handykamera an und filmte geistesgegenwärtig.
„Tier hatte kein Halsband“
Was ihr sofort auffiel: „Das Tier hatte überhaupt kein Halsband. Da dachte ich sofort an einen Wolf.“ Später informierte sie sich bei Google, verglich ihre Bilder mit Fotos aus dem Internet: „Da wusste ich, dass konnte nur ein Wolf sein.“ Sie informierte sofort die Polizei.
Appuhn: „Die Beamten sagten mir, dass schon mehrere Meldungen von anderen Zeugen reingekommen seien. Aber niemand habe das Tier bislang fotografiert. Und sie sagten mir auch, dass sie sehr sicher seien, dass es sich um einen Wolf handele.“
Polizei nimmt Beobachtungen sehr ernst
Die Polizei nimmt die Beobachtungen sehr ernst. Sprecher Markus Schmieder: „Wir stehen in engem Austausch mit dem Umweltministerium und dem Wolfsbeauftragten. Wir halten es durchaus für möglich, dass es sich um einen Wolf handelt.“ Die Besatzungen der Streifenwagen würden jedenfalls die Augen offen halten. Auch das Niedersächsische Umweltministerium äußerte sich am Dienstag: Auch in deren Mitteilung heißt es, dass mehrere Personen von einer Sichtung eines Wolfs berichtet haben. Über eine Videoaufnahme konnte ein Wolfsrüde bestätigt werden.
„Das Vorkommen eines Wolfs in dicht besiedelten Bereichen wie der Innenstadt von Hannover zeigt, dass wir mit zunehmendem Wolfsbestand auch in dicht bebauten Bereichen mit Wölfen rechnen müssen“, sagte Umweltminister Olaf Lies (SPD) der Deutschen Presse-Agentur. „Junge Wölfe, die ihr Rudel verlassen und den Menschen nicht als Gefahr erfahren, können jedoch keine Scheu vor dem Menschen lernen.“
39 Wolfsrudel in Niedersachsen
Erst im September vergangenen Jahres hatten Zeugen im Hermann-Lönspark in Hannover mehrere Wölfe gemeldet. Das Ministerium stufte die Meldungen in der vergangenen Woche als grundsätzlich glaubwürdig ein. Ob es sich bei den Sichtungen aber tatsächlich um einen oder mehrere Wölfe gehandelt habe, war damals noch fraglich. Jedoch sei die Unterscheidung von Hunden und Wölfen auch recht schwierig, so ein Sprecher des Ministeriums. Trotz des Einsatzes von Wildtierkameras gab es keinen Beweis für die Existenz der Tiere im Lönspark.
Vor einer Woche erst hatte es im Bereich Hambühren bei Celle einen großen Polizeieinsatz gegeben. Dort hatten zwei artverwandte Wolfshunde mehrere andere Hunde gebissen. Mehrere Beamte waren mehr als fünf Stunden im Einsatz, auch ein Jäger mit einem Betäubungsgewehr. Die Wolfshunde seien zum Abschuss freigegeben worden, deshalb mussten mehrere Straßen gesperrt werden. Doch die Tiere konnten flüchten.
In Niedersachsen leben derzeit 39 Wolfsrudel und vier residente Einzelwölfe, was etwa 350 Wölfen entspricht. Die Jährlinge verlassen in der Regel ihr Rudel und suchen sich eigene Territorien. Rechtlich sei der Abschuss von Wölfen jedoch durch das Bundesnaturschutzgesetz extrem eingeschränkt, hieß es weiter.
So reagiert man richtig
Wölfe sind von Natur aus scheue Tiere, die den Menschen meiden – insbesondere, weil sie früher systematisch gejagt wurden. „Begegnet man einem Wolf, gilt zuerst: Ruhe bewahren bis der Wolf seines Weges geht“, erklärt Wolfsberater Matthias Vogelsang aus Einbeck. Kommt der Wolf doch auf einen zu, etwa weil er jung und neugierig ist oder angefüttert wurde, solle man sich groß machen. Außerdem könne man ihm mit Zurufen zu verstehen geben, dass er das Weite suchen soll. „Das hat in der Vergangenheit und in der Gegenwart sehr gut funktioniert“, so Vogelsang.
Von Christof Perrevoort
